Wohngebäude: Die schlechtesten Schaden-Kosten-Quoten

Quelle: DALL-E

Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 123,94 Prozent weist die Adler 2024 den schlechtesten Wert im gesamten Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr (119,15 Prozent) ergibt sich eine weitere Verschlechterung. Auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau klar defizitär: Mit durchschnittlich 120,06 Prozent im Zeitraum 2019 bis 2024 gehört die Gesellschaft dauerhaft zu den schwächsten Anbietern, wobei das Extremjahr 2021 mit 160,35 Prozent das Bild zusätzlich prägt.

Das versicherungstechnische Ergebnis fällt entsprechend negativ aus. Mit einem Verlust von 12,61 Millionen Euro bleibt die absolute Belastung überschaubar, was im Kontext der Unternehmensgröße zu sehen ist: Mit 40 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,30 Prozent und Rang 45 nach Prämien gehört die Adler zu den kleinsten Anbietern der Sparte. Gerade diese geringe Bestandsbasis verstärkt die Volatilität einzelner Schadenjahre.

Prämienentwicklung: moderates Niveau im unteren Segment

Die Durchschnittsprämien je Vertrag steigen von 310,43 Euro im Jahr 2019 über 429,38 Euro im Jahr 2023 auf 497,50 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 187,07 Euro beziehungsweise rund 60,3 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Trotz dieser deutlichen Anpassungen bleibt die Adler preislich klar unter dem Branchenschnitt von 717,65 Euro positioniert. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 42: 41 Anbieter verlangen höhere Prämien, lediglich acht sind günstiger.

Besonders aufschlussreich wird diese Einordnung im Konzernkontext: Wie die zuvor betrachtete Signal Iduna Allgemeine gehört auch die Adler zum Signal-Iduna-Konzern, verfolgt jedoch ein deutlich anderes Geschäftsmodell. Während die Signal Iduna Allgemeine im Hochpreissegment agiert, ist die Adler klar im unteren Preissegment positioniert. Eine Hochpreisstrategie ist damit – anders als beim Schwesterunternehmen – nicht erkennbar.

Schadenentwicklung: steigende Belastung trotz niedriger Ausgangswerte

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 288,11 Euro im Jahr 2019 über 337,48 Euro im Jahr 2023 auf 443,13 Euro im Jahr 2024. Damit bleibt die Adler zwar unter dem Branchenschnitt von 485,26 Euro, zeigt jedoch eine klare Verschlechterung im Marktvergleich. Besonders auffällig ist die relative Entwicklung: Die Gesellschaft verliert innerhalb eines Jahres rund zehn Rangplätze bei den Schadenaufwendungen. Die Belastung steigt damit spürbar.

Einordnung: anderes Modell als die Konzernschwester, gleiches Ergebnis

Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein bemerkenswerter Vergleich innerhalb des Konzerns. Während die Signal Iduna Allgemeine im Hochpreissegment mit sehr hohen Schadenaufwendungen operiert, verfolgt die Adler ein deutlich breiter angelegtes, preisgünstigeres Geschäftsmodell.

Trotz dieser grundlegend unterschiedlichen Positionierung führt beides zum gleichen Ergebnis: einer klar defizitären Schaden-Kosten-Quote. Damit zeigt sich ein zentraler Befund der Sparte besonders deutlich. Weder hohe Beiträge noch niedrige Preise bieten für sich genommen einen verlässlichen Schutz vor wirtschaftlicher Instabilität. Entscheidend bleibt die Entwicklung auf der Schadenseite – und diese kann unterschiedliche Geschäftsmodelle gleichermaßen unter Druck setzen.

Hintergrund

Grundlage der Analyse sind Zahlen aus dem Branchenmonitor Wohngebäudeversicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Studie untersucht die 50 größten Wohngebäudeversicherer Deutschlands und deckt damit rund 95 Prozent des Marktes ab. Erfasst werden Kennzahlen aus den Geschäftsjahren 2019 bis 2024, darunter Prämienentwicklung, Vertragszahlen, Schaden-Kosten-Quoten und versicherungstechnische Ergebnisse. Neben diesem Report stehen weitere aktuelle Branchenmonitore kostenpflichtig auf der Webseite der Leipziger Experten zum Download bereit.