Rechtsschutzversicherung: Die größten Bestandsgewinne

Quelle: DALL-E

Die Rechtsschutzversicherung wächst 2024 trotz gesättigtem Markt weiter – allerdings nicht gleichmäßig über alle Anbieter hinweg. Während viele Gesellschaften nur leicht zulegen, konzentriert sich das Bestandswachstum auf wenige Versicherer. Versicherungsbote zeigt, welche Anbieter die größten Zuwächse erzielen.

Die Rechtsschutzversicherung hat 2024 nach mehreren Ausnahmejahren erkennbar in ein stabileres Gleichgewicht zurückgefunden. Die großen Klagewellen der vergangenen Jahre sind weitgehend abgeebbt, die wirtschaftliche Lage hat sich normalisiert. Mit einer durchschnittlichen Schaden-Kosten-Quote von 90,34 Prozent arbeitet die Sparte wieder klar unterhalb der kritischen 100-Prozent-Marke. Zum Vergleich: Im Corona-Jahr 2020 hatte die Quote noch bei 101,87 Prozent gelegen.

Diese Stabilisierung spiegelt sich auch in den Beitragseinnahmen wider. Die verdienten Bruttoprämien steigen im Durchschnitt der 25 größten Anbieter von 211,94 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 223,03 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von rund 5,2 Prozent. Gleichzeitig verteuert sich der Versicherungsschutz weiter: Die durchschnittliche Prämie je Vertrag erhöht sich von 196,16 Euro auf 204,76 Euro und überschreitet damit erstmals klar die Marke von 200 Euro. Der Anstieg um rund 4,4 Prozent zeigt, dass ein wesentlicher Teil des Wachstums über höhere Beiträge je Vertrag generiert wird.

Breites Wachstum – aber mit klaren Schwerpunkten

Auch auf der Bestandsseite setzt sich der Wachstumstrend fort, wenn auch in moderatem Tempo. Der durchschnittliche Vertragsbestand der 25 größten Rechtsschutzversicherer steigt 2024 um 0,68 Prozent auf 1.115.437 Policen je Anbieter. Anders als in vielen anderen Kompositsparten verteilt sich dieses Wachstum vergleichsweise breit über den Markt: 17 der 25 größten Gesellschaften bauen ihre Bestände aus.

Dennoch zeigt ein genauerer Blick, dass Wachstum nicht gleich Wachstum ist. In einem weitgehend gesättigten Markt gelingt es nur einem Teil der Anbieter, ihre Bestände spürbar auszubauen. Während viele Gesellschaften lediglich leicht zulegen, konzentrieren sich größere Zuwächse auf wenige Anbieter.

Wachstum als Ergebnis von Positionierung und Marktmechanik

Auffällig ist dabei, dass sich das Bestandswachstum nicht auf ein einheitliches Muster reduzieren lässt. Erfolgreiche Anbieter finden sich sowohl im preisgünstigen als auch im höherpreisigen Segment. Wachstum entsteht damit nicht allein über niedrige Beiträge, sondern über unterschiedliche strategische Ansätze – etwa klare Zielgruppen, leistungsstärkere Tarife oder gut funktionierende Vertriebswege.

Gleichzeitig bleibt die zentrale Marktlogik bestehen: Die steigenden Prämien je Vertrag spielen weiterhin eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung. Auch bei wachsenden Beständen wird ein erheblicher Teil des Erfolgs über höhere Beiträge je Police erzielt.

Vor diesem Hintergrund zeigt Versicherungsbote, welche Anbieter 2024 die größten absoluten Bestandszuwächse erzielen konnten – und was sich daraus über Marktposition, Preisniveau und Geschäftsmodell ableiten lässt.

Achtgrößter Zuwachs: Debeka Allgemeine (plus 12.973 Verträge)

Die Debeka Allgemeine verzeichnet 2024 einen spürbaren Bestandszuwachs. Die Zahl der Verträge steigt von 501.648 auf 514.621 Policen, was einem Plus von 12.973 Verträgen beziehungsweise rund 2,6 Prozent entspricht. Damit wächst der Versicherer deutlich stärker als der Branchenschnitt von 0,68 Prozent und erreicht Rang 16 nach Vertragsbestand.

Im längerfristigen Vergleich setzt sich dieser Wachstumspfad konsequent fort. Gegenüber 2019 mit 455.790 Verträgen ergibt sich ein Anstieg um 58.831 Policen beziehungsweise rund 12,9 Prozent. Das Wachstum ist damit nicht nur kurzfristig, sondern strukturell angelegt.

Prämienwachstum: Entwicklung im Gleichklang mit dem Bestand

Parallel dazu entwickelt sich auch die wirtschaftliche Seite stabil. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 104,76 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 110,32 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 5,56 Millionen Euro beziehungsweise 5,3 Prozent. Gegenüber 2019 (88,88 Millionen Euro) ergibt sich ein Anstieg um rund 24,1 Prozent.

Auffällig ist dabei die hohe Konsistenz zwischen Bestands- und Prämienentwicklung. Die Debeka wächst sowohl in der Zahl der Verträge als auch im Beitragsvolumen nahezu proportional. Mit Rang 16 nach Prämien entspricht die wirtschaftliche Position exakt der Platzierung nach Vertragsbestand.

Preisprofil und Einordnung: Wachstum im oberen Mittelfeld

Das Geschäftsmodell der Debeka lässt sich über das Preisprofil klar einordnen. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 195,08 Euro im Jahr 2019 über 208,93 Euro im Jahr 2023 auf 214,70 Euro im Jahr 2024. Insgesamt ergibt sich damit ein Anstieg um 19,62 Euro beziehungsweise rund 10,1 Prozent. Damit liegt die Debeka oberhalb des Branchenschnitts von 204,76 Euro und im oberen Mittelfeld des Marktes (Rang 10).

Auch die Schadenaufwendungen je Vertrag bewegen sich mit 129,78 Euro nahe am Branchenschnitt von 132,75 Euro und deuten auf ein ausgewogenes Verhältnis von Preis und Leistung hin.

Vor diesem Hintergrund lässt sich das Wachstum klar einordnen. Die Debeka kombiniert eine leicht überdurchschnittliche Preispositionierung mit stabilen Schadenkosten und baut ihren Bestand gleichzeitig kontinuierlich aus. Das spricht für ein ausgewogenes Geschäftsmodell, das Wachstum nicht über extreme Positionierung, sondern über Konsistenz und Skalierung im Bestand erzielt.

Siebtgrößter Zuwachs: HUK-Coburg Rechtsschutz (plus 15.386 Verträge)

Die HUK-Coburg Rechtsschutz baut ihren Bestand 2024 weiter aus. Die Zahl der Verträge steigt von 1.924.133 auf 1.939.519 Policen, was einem Plus von 15.386 Verträgen beziehungsweise rund 0,8 Prozent entspricht. Damit wächst der Versicherer leicht über dem Branchenschnitt von 0,68 Prozent und behauptet zugleich seine starke Marktstellung auf Rang 4 nach Vertragsbestand. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau. Gegenüber 2019 mit 1.838.337 Verträgen ergibt sich ein Zuwachs um 101.182 Policen beziehungsweise rund 5,5 Prozent.

Prämienwachstum: solide Entwicklung bei hoher Marktbedeutung

Parallel dazu steigen die verdienten Bruttoprämien von 272,86 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 281,31 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 8,45 Millionen Euro beziehungsweise 3,1 Prozent. Gegenüber 2019 (240,36 Millionen Euro) ergibt sich ein Plus von rund 17,0 Prozent.

Auffällig ist dabei die Relation zwischen Bestand und Prämien: Während die HUK-Coburg nach Vertragszahl zu den größten Anbietern zählt, liegt sie mit Rang 7 nach Prämien etwas darunter. Das verweist nicht auf eine geringere Marktbedeutung, sondern auf eine bewusst niedrigere durchschnittliche Beitragsbasis je Vertrag.

Preisprofil und Einordnung: konsequentes Breitenmodell

Dieses Bild bestätigt sich im Preisprofil. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 131,40 Euro im Jahr 2019 über 142,48 Euro im Jahr 2023 auf 148,71 Euro im Jahr 2024. Trotz dieses Anstiegs bleibt die HUK-Coburg klar unter dem Branchenschnitt von 204,76 Euro positioniert. Nur drei Anbieter sind günstiger.

Auch die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 110,64 Euro deutlich unter dem Branchenschnitt von 132,75 Euro und unterstreichen die Ausrichtung auf ein standardisiertes, breit angelegtes Produktportfolio. Von 25 Anbietern haben 17 höhere durchschnittliche Schadenaufwendungen.

Einordnung erhält dieses Modell auch im Konzernkontext. Mit der HUK24 verfügt die Gruppe über einen weiteren Anbieter im Rechtsschutz, der noch konsequenter auf niedrige Beiträge und standardisierte Produkte setzt, jedoch mit einem deutlich kleineren Prämienvolumen von 20,21 Millionen Euro im Jahr 2024 am Markt auftritt. Während die HUK24 das extreme Niedrigpreissegment besetzt, positioniert sich die HUK-Coburg selbst als breiter Anbieter mit leicht höherem Beitragsniveau, aber weiterhin klarer Kostenorientierung.

Vor diesem Hintergrund lässt sich das Wachstum schlüssig erklären. Die HUK-Coburg kombiniert große Bestände mit niedrigen Durchschnittsprämien und unterdurchschnittlichen Schadenkosten. Das ermöglicht weiteres Wachstum über Skaleneffekte und breite Marktdurchdringung – auch in einem weitgehend gesättigten Markt.

Sechstgrößter Zuwachs: Allianz (plus 16.731 Verträge)

Die Allianz baut ihren Rechtsschutzbestand 2024 weiter aus. Die Zahl der Verträge steigt von 2.636.565 auf 2.653.296 Policen, was einem Plus von 16.731 Verträgen beziehungsweise rund 0,6 Prozent entspricht. Damit wächst der Versicherer leicht unterhalb des Branchenschnitts von 0,68 Prozent, behauptet jedoch souverän seine Position als zweitgrößter Anbieter im Markt.

Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau. Gegenüber 2019 mit 2.527.063 Verträgen ergibt sich ein Zuwachs von 126.233 Policen beziehungsweise rund 5,0 Prozent. Das Wachstum erfolgt damit stabil auf sehr hohem Niveau.

Prämienwachstum: klare Stärke im Wertgeschäft

Parallel dazu setzt sich das wirtschaftliche Wachstum deutlich fort. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 586,92 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 611,42 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 24,50 Millionen Euro beziehungsweise 4,2 Prozent. Gegenüber 2019 (500,46 Millionen Euro) ergibt sich ein Anstieg um rund 22,2 Prozent. Auffällig ist dabei die hohe Konsistenz zwischen Marktstellung und wirtschaftlicher Bedeutung. Die Allianz belegt sowohl nach Vertragsbestand als auch nach Prämien jeweils Rang 2 und gehört damit in beiden Dimensionen zur absoluten Spitzengruppe.

Preisprofil und Einordnung: Wachstum im höheren Preissegment

Das Geschäftsmodell der Allianz zeigt sich deutlich im Preisprofil. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 198,88 Euro im Jahr 2019 über 223,30 Euro im Jahr 2023 auf 230,82 Euro im Jahr 2024. Insgesamt ergibt sich damit ein Anstieg um 31,94 Euro beziehungsweise rund 16,1 Prozent. Damit liegt die Allianz klar über dem Branchenschnitt von 204,76 Euro und im oberen Preissegment (Rang sieben: nur sechs Anbieter sind teurer). Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 132,73 Euro nahezu exakt auf Branchenniveau (132,75 Euro) und deuten auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Preis und Leistung hin.

Vor diesem Hintergrund lässt sich das Wachstum klar einordnen. Die Allianz kombiniert hohe Bestände mit einem überdurchschnittlichen Preisniveau und baut ihren Bestand dennoch weiter aus. Das zeigt, dass Wachstum im Rechtsschutz nicht allein über niedrige Beiträge erfolgt, sondern auch in höherpreisigen Segmenten möglich ist – vorausgesetzt, Marktstellung, Vertriebskraft und Leistungsversprechen greifen ineinander.

Fünftgrößter Zuwachs: Württembergische (plus 17.512 Verträge)

Die Württembergische baut ihren Rechtsschutzbestand 2024 deutlich aus. Die Zahl der Verträge steigt von 851.569 auf 869.081 Policen, was einem Plus von 17.512 Verträgen beziehungsweise rund 2,1 Prozent entspricht. Damit wächst der Versicherer klar stärker als der Branchenschnitt von 0,68 Prozent und erreicht Rang 12 nach Vertragsbestand.

Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein stabiler Wachstumspfad. Gegenüber 2019 mit 758.190 Verträgen ergibt sich ein Zuwachs von 110.891 Policen beziehungsweise rund 14,6 Prozent. Das Wachstum ist damit sowohl kurzfristig als auch strukturell angelegt.

Prämienwachstum: Entwicklung im Gleichklang mit dem Bestand

Parallel dazu steigen die verdienten Bruttoprämien von 148,40 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 158,36 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 9,96 Millionen Euro beziehungsweise 6,7 Prozent. Gegenüber 2019 (125,32 Millionen Euro) ergibt sich ein Anstieg um rund 26,4 Prozent. Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft damit weitgehend im Gleichklang mit dem Bestandswachstum. Mit Rang 13 nach Prämien entspricht die Position nahezu der Platzierung nach Vertragsbestand.

Preisprofil und Einordnung: moderate Preise bei aktuell niedriger Schadenbelastung

Das Geschäftsmodell der Württembergischen wird vor allem im Verhältnis von Preis und Schadenaufwand deutlich. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 166,16 Euro im Jahr 2019 über 174,62 Euro im Jahr 2023 auf 183,37 Euro im Jahr 2024. Damit bleibt der Versicherer klar unter dem Branchenschnitt von 204,76 Euro positioniert und im unteren bis mittleren Preissegment (Rang 18; nur sieben Anbieter sind billiger).

Auffällig ist im aktuellen Jahr die Schadenbelastung. Mit Schadenaufwendungen von 83,18 Euro je Vertrag weist die Württembergische 2024 einen der niedrigsten Werte im gesamten Markt auf – lediglich zwei Anbieter liegen noch darunter. Damit liegt sie deutlich unter dem Branchenschnitt von 132,75 Euro.

Im Mehrjahresvergleich zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. 2022 lagen die Schadenaufwendungen mit 118,94 Euro noch leicht über dem damaligen Branchenschnitt (116,29 Euro), 2023 mit 107,34 Euro zwar darunter, aber noch auf deutlich höherem Niveau als 2024. Der aktuelle Wert stellt damit eine besonders günstige Momentaufnahme dar und nicht zwingend ein dauerhaftes Strukturniveau. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Wachstum dennoch schlüssig einordnen. Die Württembergische verbindet moderate Preise mit zuletzt deutlich gesunkener Schadenbelastung und verbessert damit ihre Ausgangsbasis für profitables Wachstum.

Viertgrößter Zuwachs: LVM (plus 18.649 Verträge)

Der LVM baut seinen Rechtsschutzbestand 2024 weiter aus. Die Zahl der Verträge steigt von 932.834 auf 951.483 Policen, was einem Plus von 18.649 Verträgen beziehungsweise rund 2,0 Prozent entspricht. Damit wächst der Versicherer deutlich stärker als der Branchenschnitt von 0,68 Prozent und erreicht Rang 11 nach Vertragsbestand.

Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein stabiler Wachstumspfad. Gegenüber 2019 mit 859.461 Verträgen ergibt sich ein Zuwachs von 92.022 Policen beziehungsweise rund 10,7 Prozent. Das Wachstum ist damit sowohl kurzfristig als auch strukturell angelegt.

Prämienwachstum: überdurchschnittliche Dynamik

Parallel dazu entwickelt sich die wirtschaftliche Seite dynamisch. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 208,27 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 219,41 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 11,14 Millionen Euro beziehungsweise 5,3 Prozent. Gegenüber 2019 (175,03 Millionen Euro) ergibt sich ein Anstieg um rund 25,4 Prozent.

Auffällig ist dabei die Relation zwischen Bestand und Prämien: Mit Rang 8 nach Prämien liegt der LVM wirtschaftlich etwas stärker als nach Vertragszahl positioniert. Das deutet auf eine überdurchschnittliche Beitragsbasis je Vertrag hin.

Preisprofil und Einordnung: Wachstum im oberen Preissegment

Dieses Bild bestätigt sich im Preisprofil. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 204,82 Euro im Jahr 2019 über 224,91 Euro im Jahr 2023 auf 232,73 Euro im Jahr 2024. Insgesamt ergibt sich damit ein Anstieg um 27,91 Euro beziehungsweise rund 13,6 Prozent. Damit gehört der LVM zu den teureren Anbietern im Markt (Rang 6) und liegt klar über dem Branchenschnitt von 204,76 Euro. Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 115,96 Euro unter dem Branchenschnitt von 132,75 Euro und deuten auf eine solide Kostenbasis trotz höherer Preise hin.

Vor diesem Hintergrund lässt sich das Wachstum klar einordnen. Der LVM kombiniert ein überdurchschnittliches Preisniveau mit vergleichsweise moderaten Schadenkosten und baut seinen Bestand dennoch deutlich aus. Das zeigt, dass Wachstum im Rechtsschutz auch im oberen Preissegment möglich ist – insbesondere dann, wenn Preis und Risikoentwicklung in einem stabilen Verhältnis stehen.

Drittgrößter Zuwachs: ÖRAG Rechtsschutz (plus 25.661 Verträge)

Die ÖRAG Rechtsschutz baut ihren ohnehin großen Bestand 2024 weiter aus. Die Zahl der Verträge steigt von 2.113.060 auf 2.138.721 Policen, was einem Plus von 25.661 Verträgen beziehungsweise rund 1,2 Prozent entspricht. Damit wächst der Versicherer über dem Branchenschnitt von 0,68 Prozent und behauptet zugleich einen Platz auf dem Siegertreppchen der größten Anbieter – Rang 3 nach Vertragsbestand.

Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau auf hohem Niveau. Gegenüber 2019 mit 1.991.400 Verträgen ergibt sich ein Zuwachs von 147.321 Policen beziehungsweise rund 7,4 Prozent. Das Wachstum ist damit stabil und über Jahre hinweg angelegt.

Prämienwachstum: starke Position auch wirtschaftlich

Parallel dazu setzt sich die positive Entwicklung auf der Prämienseite fort. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 422,61 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 444,60 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 21,99 Millionen Euro beziehungsweise 5,2 Prozent. Gegenüber 2019 (367,59 Millionen Euro) ergibt sich ein Anstieg um rund 21,0 Prozent. Auffällig ist dabei die konsistente Marktstellung: Mit Rang 4 nach Prämien liegt die ÖRAG wirtschaftlich nahezu gleichauf mit ihrer Position nach Vertragsbestand. Das unterstreicht die ausgewogene Struktur des Geschäfts.

Preisprofil und Einordnung: solides Mittelfeld mit stabiler Balance

Das Geschäftsmodell der ÖRAG bewegt sich im Preisprofil nahe am Marktdurchschnitt. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 186,48 Euro im Jahr 2019 über 200,34 Euro im Jahr 2023 auf 209,40 Euro im Jahr 2024. Insgesamt ergibt sich damit ein Anstieg um 22,92 Euro beziehungsweise rund 12,3 Prozent. Damit liegt die ÖRAG leicht über dem Branchenschnitt von 204,76 Euro und im soliden Mittelfeld des Marktes (Rang 15). Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 122,74 Euro ebenfalls nahe am Branchenschnitt von 132,75 Euro und deuten auf ein ausgewogenes Verhältnis von Preis und Risiko hin.

Vor diesem Hintergrund lässt sich das Wachstum einordnen. Die ÖRAG kombiniert große Bestände mit einer stabilen Positionierung im Marktmittel und baut ihren Bestand kontinuierlich aus. Das Wachstum entsteht damit nicht aus Extrempositionen, sondern aus einer konsistenten Balance zwischen Preis, Leistung und Marktzugang. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Vertriebsstruktur: Als Partner der öffentlichen Versicherer und der Sparkassen-Finanzgruppe verfügt die ÖRAG über einen breit verankerten Zugang zum Markt. Dieser institutionalisierte Vertrieb ermöglicht eine kontinuierliche Kundengewinnung auch ohne extreme Preispositionierung.

Zweitgrößter Zuwachs: Auxilia Rechtsschutz (plus 30.265 Verträge)

Die Auxilia Rechtsschutz zählt 2024 zu den dynamischsten Wachstumsanbietern der Branche. Die Zahl der Verträge steigt von 695.428 auf 725.693 Policen, was einem Plus von 30.265 Verträgen beziehungsweise rund 4,4 Prozent entspricht. Damit wächst die Gesellschaft deutlich stärker als der Branchenschnitt von 0,68 Prozent und erreicht Rang 14 nach Vertragsbestand.

Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein klarer Ausbau. Gegenüber 2019 mit 610.114 Verträgen ergibt sich ein Zuwachs von 115.579 Policen beziehungsweise rund 18,9 Prozent. Das Wachstum ist damit sowohl kurzfristig als auch strukturell ausgeprägt.

Prämienwachstum: konsistente Entwicklung im Gleichlauf

Parallel dazu steigt das Prämienvolumen von 138,61 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 145,04 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 6,43 Millionen Euro beziehungsweise 4,6 Prozent. Gegenüber 2019 (107,52 Millionen Euro) ergibt sich ein Anstieg um rund 34,9 Prozent.

Auffällig ist dabei die hohe Konsistenz zwischen Bestands- und Prämienentwicklung. Mit Rang 14 nach Prämien entspricht die wirtschaftliche Position exakt der Platzierung nach Vertragsbestand. Wachstum erfolgt damit proportional und ohne erkennbare Verzerrung zwischen Stückzahl und Beitragsvolumen.

Preisprofil und Einordnung: Wachstum aus der Marktmitte heraus

Das Geschäftsmodell der Auxilia lässt sich klar im mittleren Preissegment verorten. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 178,68 Euro im Jahr 2019 über 201,48 Euro im Jahr 2023 auf 202,26 Euro im Jahr 2024. Insgesamt ergibt sich damit ein Anstieg um 23,58 Euro beziehungsweise rund 13,2 Prozent. Damit liegt die Auxilia nahe am Branchenschnitt von 204,76 Euro (Rang 17) und vermeidet sowohl eine ausgeprägte Niedrigpreis- als auch Hochpreispositionierung.

Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen 2024 mit 117,13 Euro unter dem Branchenschnitt von 132,75 Euro. Im Mehrjahresvergleich zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: 2022 lagen die Aufwendungen mit 130,97 Euro noch deutlich über dem damaligen Branchenschnitt (116,29 Euro), 2023 mit 124,60 Euro ebenfalls noch leicht darüber (120,96 Euro). Erst 2024 ergibt sich eine spürbare Entlastung. Die Auxilia erzielt ihre Zuwächse demnach aus einer stabilen Position in der Marktmitte heraus, während sich die Schadenbelastung zuletzt verbessert hat. In Kombination mit moderaten Preisen entsteht so eine tragfähige Grundlage für dynamisches Wachstum, ohne dass extreme Positionierungen erforderlich sind.

Größter Zuwachs: Arag SE (plus 138.954 Verträge)

Die Arag SE baut ihre marktführende Stellung 2024 weiter deutlich aus. Die Zahl der Verträge steigt von 5.151.089 auf 5.290.043 Policen, was einem Plus von 138.954 Verträgen beziehungsweise rund 2,7 Prozent entspricht. Damit wächst der Versicherer nicht nur deutlich stärker als der Branchenschnitt von 0,68 Prozent, sondern vergrößert auch seinen ohnehin klaren Abstand zum Wettbewerb. Mit großem Vorsprung bleibt die Arag der mit Abstand größte Anbieter im deutschen Rechtsschutzmarkt.

Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein ausgeprägter Wachstumspfad. Gegenüber 2019 mit 4.506.150 Verträgen ergibt sich ein Zuwachs von 783.893 Policen beziehungsweise rund 17,4 Prozent. Die Arag wächst damit nicht nur auf hohem Niveau, sondern baut ihre Marktführerschaft über Jahre hinweg kontinuierlich aus.

Prämienwachstum: dominante Stellung auch wirtschaftlich

Parallel dazu setzt sich die Entwicklung auf der Prämienseite fort. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 843,84 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 921,80 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 77,96 Millionen Euro beziehungsweise 9,2 Prozent. Gegenüber 2019 (694,58 Millionen Euro) ergibt sich ein Anstieg um rund 32,7 Prozent.

Die marktbeherrschende Stellung zeigt sich auch im Prämienranking: Mit einem Marktanteil von 16,38 Prozent und Rang 1 liegt die Arag nicht nur vor allen Wettbewerbern, sondern erreicht eine Größenordnung, die im Rechtsschutzmarkt einzigartig ist. Sie ist damit sowohl nach Vertragsbestand als auch nach Prämienvolumen der dominierende Anbieter.

Preisprofil und Einordnung: Breitenmodell mit Skalenvorteilen

Das Geschäftsmodell der Arag wird vor allem im Preisprofil sichtbar. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 153,62 Euro im Jahr 2019 über 165,18 Euro im Jahr 2023 auf 176,28 Euro im Jahr 2024. Insgesamt ergibt sich damit ein Anstieg um 22,66 Euro beziehungsweise rund 14,8 Prozent. Trotz dieses Anstiegs bleibt die Arag unter dem Branchenschnitt von 204,76 Euro positioniert und im unteren bis mittleren Preissegment (Rang 19; nur sechs Anbieter sind billiger).

Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 94,56 Euro deutlich unter dem Branchenschnitt von 132,75 Euro und gehören zu den niedrigsten im gesamten Markt – nur drei Anbieter weisen noch geringere Werte auf.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die Entwicklung klar einordnen. Die Arag kombiniert ein breit angelegtes, preislich moderates Geschäftsmodell mit sehr niedrigen Schadenkosten und erreicht dadurch erhebliche Skaleneffekte. Diese ermöglichen nicht nur weiteres Wachstum, sondern verstärken zugleich die bestehende Marktführerschaft. Der Versicherer wächst damit aus einer Position der Stärke heraus und prägt die Entwicklung des Rechtsschutzmarktes maßgeblich.

Hintergrund

Die präsentierten Zahlen dieser Analyse stammen aus dem aktuellen Branchenmonitor Rechtsschutz 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Studie deckt die 25 größten Versicherer ab und repräsentiert damit rund 99 Prozent des Rechtsschutz-Marktes. Wie immer macht der Branchenmonitor eine Vielzahl an Kennzahlen zugänglich – und bietet so detaillierte Einblicke in die Marktentwicklung der Jahre 2019 bis 2024. Er kann auf der Webseite der Leipziger Experten kostenpflichtig bestellt werden.