Die deutlichen Tarifanpassungen der Jahre 2023 und 2024 haben das Geschäftsergebnis der HUK-Gruppe zwar spürbar entlastet, doch von einer vollständigen Normalisierung kann keine Rede sein. Die Daten des Branchenmonitors zeigen vielmehr ein Übergangsjahr: Die extremen Ausschläge von 2023 wurden korrigiert, die Ertragslage kehrt jedoch nicht auf jenes Niveau zurück, das die HUK-Gruppe über viele Jahre gewohnt war. Die Combined Ratios bleiben angespannt, und die versicherungstechnischen Ergebnisse zeigen, dass die strukturellen Kostensteigerungen in der Kfz-Versicherung weiterhin erheblich sind.
HUK-Coburg Allgemeine: Vom Schlusslicht zum Spitzenwert – die sichtbarste Korrektur im gesamten Markt
Bei keiner Gesellschaft der HUK-Gruppe zeigt sich der Effekt der Tarifanpassungen so eindrucksvoll wie bei der HUK-Coburg Allgemeine. Nach einem der schwersten Ergebnisrückgänge der jüngeren Vergangenheit – mit einer Combined Ratio von 112,93 Prozent und einem versicherungstechnischen Verlust von –223,46 Millionen Euro im Jahr 2023 – gelingt 2024 die spektakulärste Trendwende im gesamten Markt. Die Schaden-Kosten-Quote sinkt auf 97,37 Prozent und damit auf den sechstbesten Wert aller 50 untersuchten Anbieter. Zugleich erzielt die Gesellschaft mit 90,93 Millionen Euro das beste versicherungstechnische Ergebnis des gesamten Branchenmonitors.
Diese Neubewertung kommt nicht überraschend, ist aber in ihrer Dynamik bemerkenswert. Sie zeigt, wie tief die tariflichen Eingriffe notwendig waren, um die massiven Vorjahresverzerrungen überhaupt zu neutralisieren. Gleichzeitig verdeutlicht sie, wie stark die HUK-Coburg Allgemeine operativ bleibt, wenn Tarifniveau und Schadenlast wieder in ein angemessenes Verhältnis gesetzt werden. Dennoch: Der Sprung ins positive Ergebnis darf nicht als endgültige Entwarnung verstanden werden, sondern als erste Stufe einer mehrjährigen Stabilisierung. Dies zeigt vor allem der Blick auf die Konzernschwestern.
HUK-Coburg VVaG: Deutliche Korrektur – aber noch nicht im auskömmlichen Bereich
Bei der HUK-Coburg VVaG ist die Entlastung ebenfalls klar sichtbar, fällt jedoch weniger spektakulär aus als bei der Allgemeine. Die Combined Ratio sinkt zwar markant von 111,99 Prozent im Jahr 2023 auf 102,42 Prozent im Jahr 2024 und damit um fast zehn Prozentpunkte – ein kraftvoller Schritt in Richtung Stabilisierung. Doch genügt diese Korrektur noch nicht, um die Gesellschaft in den auskömmlichen Bereich zurückzuführen. Das versicherungstechnische Ergebnis verbessert sich zwar erheblich, bleibt aber mit –18,76 Millionen Euro weiterhin negativ.
HUK24: Fortschritte in der Quote – aber Wachstum weiterhin zum Preis der Wirtschaftlichkeit
Bei der HUK24 zeigen die Zahlen 2024 eine klare Entlastung, ohne jedoch den grundlegenden Zielkonflikt aufzulösen. Die Combined Ratio verbessert sich zwar deutlich von 116,50 Prozent auf 107,82 Prozent, bleibt damit aber weit oberhalb der Kostendeckungsgrenze. Das versicherungstechnische Ergebnis folgt derselben Linie: Es fällt weniger gravierend aus als im Vorjahr, liegt jedoch mit –47,59 Millionen Euro weiterhin deutlich im negativen Bereich.
Die HUK24 zeigt 2024 somit ein vertrautes Muster: Die Tarifkorrekturen greifen, aber das Ergebnis bleibt hinter der Bestandsdynamik zurück. Kurz gesagt: Die Direktgesellschaft wächst weiter – allerdings weiterhin zum Preis der Wirtschaftlichkeit.
Hintergrund
Die in diesem Artikel ausgewerteten Kennzahlen stammen überwiegend aus dem Branchenmonitor Kfz-Versicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH, der die fünfzig größten Anbieter im deutschen Markt analysiert und damit rund 90 Prozent des gesamten Kfz-Prämienvolumens abdeckt. Der vollständige Monitor ist – wie in jedem Jahr – kostenpflichtig über die Webseite der Leipziger Analysten erhältlich.
Für die Allianz Direct konnten die Bestands- und Beitragszahlen nicht aus dem Branchenmonitor entnommen werden, da der Geschäftsbericht zum Zeitpunkt der Datenerhebung noch nicht vorlag. Die Angaben zu Verträgen und gebuchten Bruttoprämien stammen daher aus dem Geschäftsbericht 2024 des Direktversicherers, der inzwischen öffentlich auf der Unternehmenswebseite verfügbar ist. Eine Aufschlüsselung zwischen deutschem und internationalem Geschäft erfolgt dort allerdings nicht, was in den entsprechenden Vergleichspassagen berücksichtigt und transparent eingeordnet wurde.