Kfz-Versicherung: Der Marktführer HUK-Coburg im Geschäftsjahr 2024

Quelle: DALL-E

Die deutlichen Tarifanpassungen der Jahre 2023 und 2024 blieben für die Bestandsentwicklung nicht folgenlos. Zwar führt die HUK-Gruppe den Kfz-Markt weiterhin klar an, doch die Daten des Branchenmonitors 2025 zeigen, dass der Marktführer die Korrektur seines Tarifniveaus nicht völlig ohne Reaktionen im Vertragsbestand vollziehen konnte. Von einem Nachfrage-Einbruch kann jedoch keine Rede sein: Die klassischen Risikoträger verzeichnen leichte Rückgänge, während das Direktgeschäft weiter wächst.

Die HUK-Coburg Allgemeine, mit über elf Millionen Verträgen die stärkste Einzelgesellschaft der Gruppe, sank von 11.361.257 Verträgen im Jahr 2023 auf 11.203.184 im Jahr 2024. Das entspricht einem Minus von 158.073 Verträgen oder 1,39 Prozent. Im längeren Rückblick relativiert sich dieser Rückgang: Gegenüber 2019, als 10.138.449 Verträge im Bestand waren, steht immer noch ein Zuwachs von mehr als einer Million Verträgen zu Buche.

Ähnlich verhält es sich bei der HUK-Coburg VVaG. Ihr Bestand geht von 7.306.425 auf 7.183.044 Verträge zurück, ein Rückgang um 123.381 Verträge. Auf Sicht von fünf Jahren bleibt das Bild jedoch nahezu stabil: 2019 lag der Bestand bei 7.298.875 Verträgen, sodass sich per saldo nur eine geringe Verschiebung ergibt. Die Beitragsanhebungen haben hier also eher zu einer gewissen Bereinigung als zu einem massiven Abfluss geführt.

Ganz anders stellt sich die Entwicklung bei der HUK24 dar. Die Direktgesellschaft wächst auch 2024 weiter deutlich und erhöht ihren Bestand von 5.771.200 auf 6.170.083 Verträge. Das Plus von knapp 400.000 Verträgen innerhalb eines Jahres bestätigt die Rolle der HUK24 als Wachstumsträger innerhalb der Gruppe. Im Vergleich zu 2019, als 4.366.930 Verträge im Bestand waren, hat die HUK24 ihren Vertragsbestand damit um rund 1,8 Millionen Verträge ausgeweitet – ein anhaltend dynamischer Aufbau, der durch die Tarifanpassungen allenfalls moderat gebremst, keineswegs jedoch gestoppt wurde.

Marktführerschaft bleibt bestehen

Betrachtet man die beiden größten Wettbewerber im deutschen Kfz-Markt – die HUK und die Allianz – entscheidet sich die Frage der Marktführerschaft vor allem über die Vertragszahlen. Die Daten des Branchenmonitors Kfz 2025 zeichnen dabei ein konsistentes Bild:

  • Einzelgesellschaften der HUK nach Vertragszahlen: Innerhalb der 50 größten Kfz-Versicherer belegt die HUK-Coburg Allgemeine nach Vertragszahlen auch 2024 den zweiten Platz, gefolgt von der HUK-Coburg VVaG auf Rang vier und der HUK24 auf Rang fünf. Die HUK ist damit an drei benachbarten Positionen durchgängig im oberen Feld vertreten – ein klares Indiz für die breite Aufstellung der Gruppe.
  • Wettbewerbsvergleich auf Gesellschaftsebene: Entscheidend ist allerdings letztlich nicht die Größe einzelner Risikoträger, sondern die Gesamtzahl der Kfz-Verträge, die eine Unternehmensgruppe verwaltet. Hier ergibt sich ein methodischer Unterschied in den Datenquellen: Während die Vertragszahlen der HUK-Gruppe vollständig im Branchenmonitor der V.E.R.S. Leipzig GmbH enthalten sind, wurden die Bestände der Allianz Direct dort nicht berücksichtigt, weil der Geschäftsbericht zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht vorlag. Für die Allianz musste daher ergänzend auf den später veröffentlichten Geschäftsbericht der Allianz Direct zurückgegriffen werden.

Ein methodischer Hinweis ist an dieser Stelle zwingend notwendig: Der Branchenmonitor 2024 (der Vorgänger der aktuellen Studie) weist für die Allianz Direct im Jahr 2023 einen sprunghaften Anstieg der Kfz-Bestände aus – von 587.086 Verträgen im Jahr 2022 auf 1.614.581 Verträge im Jahr 2023. Dieser Zuwachs um mehr als eine Million Verträge lässt sich nicht mit der deutschen Marktentwicklung erklären. Die Begründung liefert der Geschäftsbericht der Allianz Direct 2023: Dort wird detailliert beschrieben, dass eine weitreichende rechtliche und operative Konsolidierung innerhalb der europäischen Direktplattform stattfand – einschließlich des Transfers des niederländischen Allianz-Direct-Portfolios, der Verschmelzung der spanischen Gesellschaft Fénix Directo sowie weiterer Integrationsschritte. Dadurch wurden ausländische Bestände bilanziell dem deutschen Rechtsträger zugeschrieben und erscheinen folglich im Branchenmonitor, obwohl sie nicht dem deutschen Marktgeschäft entsprechen.

Für die Bewertung der Marktführerschaft spielt dieser methodische Effekt jedoch keine entscheidende Rolle – im Gegenteil. Selbst wenn man der Allianz im Sinne eines maximal vorteilhaften Vergleichs den gesamten ausgewiesenen Bestand der Allianz Direct zuschlägt, also auch jene Bestandteile, die eindeutig ausländischen Ursprung haben, bleibt das Ergebnis eindeutig:

Addiert man die 13,14 Millionen Verträge der Allianz Versicherungs-AG und die 1,63 Millionen im Geschäftsbericht ausgewiesenen Kfz-Verträge der Allianz Direct, erreicht die Allianz 2024 insgesamt rund 14,78 Millionen Kfz-Verträge. Die HUK-Gruppe verwaltet im gleichen Zeitraum 24,56 Millionen Verträge. Der Vorsprung beträgt damit weiterhin mehr als neun Millionen Verträge – selbst unter der unrealistischen Annahme, dass sämtliche Direct-Bestände vollständig dem deutschen Markt zuzurechnen wären.

Auch beim Beitragsvolumen zeigt sich ein vergleichbares Bild

Auch beim Prämienvolumen ergibt sich – trotz der genannten methodischen Einschränkungen – ein konsistentes Verhältnis zugunsten der HUK-Gruppe. Die drei HUK-Gesellschaften kommen 2024 zusammen auf gebuchte Bruttoprämien von 5,358 Milliarden Euro (HUK-Coburg Allgemeine: 2,509 Milliarden Euro; HUK-Coburg VVaG: 1,504 Milliarden Euro; HUK24: 1,345 Milliarden Euro).

Für die Allianz liegen vollständige Kfz-Prämien nur für die Allianz Versicherungs-AG im Branchenmonitor 2025 vor, die 2024 ein Beitragsvolumen von 4,286 Milliarden Euro ausweist. Die Allianz Direct nennt im Geschäftsbericht 2024 weitere 490,96 Millionen Euro an Kraftfahrtprämien (Haftpflicht 340,74 Millionen Euro; Kasko 150,23 Millionen Euro). Eine Länderabgrenzung erfolgt jedoch nicht, sodass unklar bleibt, welcher Anteil tatsächlich auf das deutsche Geschäft entfällt.

Um dennoch eine Vergleichsgröße zu bilden, wird – analog zu den Vertragszahlen – im Sinne eines maximal vorteilhaften Ansatzes für die Allianz so gerechnet, als würden sämtliche ausgewiesenen Kraftfahrtprämien der Allianz Direct vollständig dem deutschen Markt zugeordnet. Unter dieser Annahme erreicht die Allianz ein gruppenweites Kfz-Prämienvolumen von 4,78 Milliarden Euro. Die HUK-Gruppe liegt damit weiterhin um rund 580 Millionen Euro vorn – auch wenn der Abstand beim Beitragsvolumen naturgemäß geringer ausfällt als beim Vertragsbestand.