Finanztest veröffentlicht ‚Versicherungs-Check‘

Quelle: mohamed_hassan / pixabay

Warum fällt die Einschätzung der eigenen Risiken den meisten Menschen schwer? Wirtschaftspsychologin Claudia Bassarak von Finanztest erklärt das in einem Interview. Die Verbraucherschützer haben einen ‚Versicherungs-Check‘ erarbeitet. Wie dabei vorgegangen wurde.

Menschen überschätzen die Bedrohung durch seltene Ereig­nisse wie Terror­anschläge im Vergleich zur tatsäch­lichen Häufig­keit, sagt Claudia Bassarak, Wirt­schafts­psychologin und Projektleiterin bei der Stiftung Warentest. Die Bedrohung durch häufigere Ereig­nisse wie einen Herz­infarkt würde hingegen im Verhältnis zu ihrem Vorkommen unterschätzt, so Bassarak weiter. Der Grund: Dramatische Ereig­nisse wie Terror­anschläge können sich Menschen leichter vorstellen.

„In der Fach­sprache heißt das: Sie sind mental verfügbar. Ein Grund hierfür ist, dass in den Medien besonders emotional oder häufig darüber berichtet wird. Über Herz­infarkte jedoch weniger“, führt die Wirt­schafts­psychologin aus. Auf versicherungs­relevante Themen übertragen, würde das bedeuteten, dass beispielsweise die Häufig­keit von Leitungs­wasser­schäden oder Rechts­streitig­keiten unter­schätzt, die tödlicher Verkehrs­unfälle oder Computerkriminalität dagegen über­schätzt werde, so Bassarak.

Doch für die Risikoeinschätzung sollte neben der Eintrittswahrscheinlichkeit auch das mögliche Schadensausmaß einbezogen werden. „Auch Schäden, die sehr unwahr­scheinlich sind, die aber bei Eintritt solche gravierenden Folgen hätten, dass man sie finanziell über­haupt nicht stemmen könnte, sollten versichert werden. Bei Berufs­unfähigkeit, Pflege und Alters­vorsorge ist im doppelten Sinne Hand­lung geboten: Die sogenannten Eintritts­wahr­scheinlich­keiten sind hier mitunter sehr hoch und zusätzlich ist der finanzielle Bedarf mitunter erheblich“, sagt Claudia Bassarak im Interview.

Das Interview ist Teil des ‚Versicherungs-Checks‘, den Stiftung Warentest in der März-Ausgabe ihrer Zeitschrift veröffentlicht. Der ‚große Versicherungs-Check‘ ist aber auch online verfügbar und gliedert sich in neun Kapitel:

  • Welche Versicherungen Sie brauchen
  • Tabelle: Ihr persönlicher Versicherungscheck
  • Junge Menschen: Erste wichtige Versicherungen
  • Mitten im Leben: Wer Berufsunfähigkeitsschutz braucht
  • Mit Kindern: Welchen Schutz Familien brauchen
  • Im Rentenalter: Wichtige Versicherungen
  • Interview: Über Alltagsrisiken und Wahrscheinlichkeiten
  • Versicherung abschließen und kündigen
  • Beim Versicherungsombudsmann beschweren

Fazit

Dabei zeigt eine Grafik das Lebensphasenmodell mit dem jeweils passenden Versicherungsschutz. In fast jedem Kapitel finden sich nützliche Tabellen und Übersichten - etwa, unter welchen Voraussetzungen weiterhin Mitversicherung besteht, wenn junge Menschen einen eigenen Haushalt gründen, wann ein eigener Vertrag lohnt oder welche Arten von Kündigungen es gibt.

Mein Fazit:

Natürlich kann der ‚Versicherungs-Check‘ keine Beratung ersetzen - das will er auch nicht. Und sicher kann man auch Punkte herausgreifen, die man mit einem dicken Fragezeichen versehen möchte. Zum Beispiel wenn es heißt, dass für diejenigen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können, eine Unfallversicherung sinnvoll wäre. Man kann sich auch wünschen, dass Finanztest innerhalb des Checks deutlicher auf die Unterschiede zwischen Versicherungsvermittlern eingeht.

Nichtsdestotrotz bietet der Versicherungscheck aber viele Anknüpfungspunkte, um mit Interessenten und Kunden ins Gespräch zu kommen. Vermittler, die Finanztest nicht zur Ansprache nutzen wollen, könnten überlegen, ob sich die ein oder andere Übersicht eignen könnte, um mit eigenen Worten ‚nachgebaut‘ zu werden.

Wie in der Vergangenheit, empfiehlt Finanztest auch hier wieder frühstmögliche Absicherung der Arbeitskraft - und hebt sich damit wohltuend von anderen Verbraucherschützern ab, die sich darauf versteift haben, Altersvorsorge ohne Versicherungswirtschaft einzufordern.

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