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UFR

EU-Aufsicht Eiopa will Versicherer zu teurer Zinssenkung zwingen

Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa will den Zinssatz, mit dem die Assekuranz die langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber ihren Versicherten kalkulieren muss, ab 2018 um mehr als einen halben Prozentpunkt senken.masch/Pixabay

Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa will den Zinssatz, mit dem die Assekuranz die langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber ihren Versicherten kalkulieren muss, ab 2018 um mehr als einen halben Prozentpunkt senken. Hierdurch entstünden den Unternehmen Milliardenlöcher in den Bilanzen, weil sie mehr Eigenmittel bräuchten. Hintergrund für diese Maßnahme der EU-Aufsicht ist die anhaltende Zinskrise und die Eigenkapital-Richtlinie Solvency II.

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Bisher sieht die Eigenkapitalrichtlinie Solvency II vor, dass die Versicherer mit einem langfristigen Zinssatz (Ultimate Forward Rate, kurz UFR) von 4,2 Prozent rechnen, mit dem sie den Vermögenszuwachs ihrer Gelder aufzinsen. Diese Zinsrate nannte der Solvency-Experte Sven Giegold, der für die Grünen im europäischen Parlament sitzt, bereits vor eineinhalb Jahren „völlig realitätsfern“ (der Versicherungsbote berichtete). Die Bundesregierung hatte den eigentlich zu hohen Zinsansatz im letzten Jahr noch befürwortet – um die Versicherer zu schonen.

Mit dem Zinssatz schrumpfen die Eigenmittel der Versicherer

Auch die EU-Versicherungsaufsicht Eiopa hatte 2016 mit einem realistischen Zinssatz von 3,7 Prozent kalkuliert. Nun hat die Aufsicht an diesem Mittwoch diesen als markt-angemessen berechneten Satz auf 3,65 Prozent gesenkt. Zum 1. Januar 2018 will die Eiopa die UFR zunächst auf 4,05 Prozent herabsetzen, da sich der Satz höchstens um 0,15 Prozentpunkte pro Jahr ändern soll. Merke: Wenn der Zins sinkt, dann muss ein Sparer seine Rate erhöhen, will er sein Sparziel doch noch erreichen.

Genau so geht es den Versicherern. Nur haben deren Zahlen einige Stellen mehr als der kleine Mann, der jeden Monat Geld für später zurücklegt. Ein gesenkter UFR-Zins hätte zur Folge, dass die Versicherer Milliardensummen an zusätzlichem Eigenkapital aufbringen müssten, um ihre Bilanzen auf Solvency-II-Soll zu päppeln. Der CDU-Finanzexperte im Deutschen Bundestag Michael Meister hatte die Zinssenkungspläne der Eiopa bereits 2016 „befremdlich“ genannt. Allerdings ist „befremdlich“, das darf man nüchtern feststellen, kein mathematischer Wert.

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Politik oder Mathematik

Zu der aktuellen Mitteilung der Eiopa sagt GDV-Vertreter Axel Wehling: "Für diese Kurzatmigkeit besteht keinerlei Veranlassung. Der UFR-Wert sei „praktisch einen Zinssatz, der in 60 Jahren erwartet werde.“ Warum dieser jetzt geändert werden solle, sei "aus heutiger Sicht ökonomisch nicht zu begründen". Die Festlegung der UFR sei eine politische Entscheidung gewesen. Darüber dürfe sich die Eiopa als Behörde nicht hinwegsetzen. Soweit der GDV in einer Mitteilung zu dem „politischen“ Zinssatz 4,2 Prozent Dagegen steht der mathematischer Wert der Eiopa-Mathematiker: 4,05 Prozent ab 2018.

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