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02.03.2016

ProdukteKfz-Versicherung: Allianz und HUK Coburg wollen 2016 Telematiktarife einführen

Sag mir, wie du fährst - und ich sage dir, wie viel du sparen kannst. Deutschlands größte Autoversicherer planen die Einführung von Telematik-Tarifen. dimitrisvetsikas1969@Pixabay.com

Die beiden größten Autoversicherer Deutschlands, die Allianz und HUK Coburg, haben angekündigt, noch im Jahr 2016 Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung einführen zu wollen. Dabei überwacht eine Black Box oder App das individuelle Fahrverhalten des Versicherten – eine vorsichtige Fahrweise wird mit Prämiennachlässen belohnt.

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„Sage mir, wie du fährst – und ich sage dir, wie viel du sparen kannst!“ So lautet grob vereinfacht das Prinzip von „Pay as you drive“- oder Telematiktarifen in der Autoversicherung. Der Fahrer erklärt sich hierfür bereit, seine individuelle Fahrweise von einer Black Box oder App überwachen zu lassen. Wer vorsichtig fährt, in der Kurve vom Gas geht und nicht oft abrupt bremst, kann mit Ersparnissen bei der Prämie rechnen.

In Deutschland ist Telematik bisher eine Nische, doch das könnte sich in kurzer Zeit ändern. Denn die größten Anbieter auf dem Kfz-Versicherungsmarkt haben angekündigt, noch in diesem Jahr entsprechende Tarife ihren Kunden anbieten zu wollen. Die Allianz plant die Einführung im zweiten Quartal 2016, die HUK Coburg im dritten Quartal – beide Versicherer erreichen zusammen mehr als 18 Millionen Kfz-Kunden.

Besonders Fahranfänger als Zielgruppe im Visier

Besonderen Zuspruch erhoffen sich die Versicherer von junge Autofahrern und Fahranfängern. „Diese Altersgruppe verursacht erfahrungsgemäß deutlich mehr Unfälle als ältere Fahrer, und die Prämien sind besonders hoch“, sagte Manfred Knof, Chef der Allianz Deutschland, vor einigen Wochen dem „Münchner Merkur“. Die Überwachung der Fahrweise könnte eine disziplinierende Wirkung auf die Teens und Twens am Steuer haben, zum Beispiel, dass sie weniger rasen und vorausschauender fahren. Dafür werden sie mit Preisnachlässen bei der Prämie belohnt.

Axa bietet „Drive Check“ für Fahranfänger

Ein weiterer großer Autoversicherer ist bereits zum Jahreswechsel mit einem Telematik-Tarif gestartet: Seither bietet die Axa ihren „Drive Check“ an, den Fahrer bis einschließlich 25 Jahren nutzen können. Das Besondere an „Drive Check“: Hierfür werden die Daten nicht permanent aufgezeichnet, sondern die jungen Fahrer können sich in einem 12wöchigen Test für das Angebot qualifizieren.

Durch den Verzicht einer dauerhaften Datenerhebung will der Versicherer Bedenken von Datenschützern entschärfen. „Wir sind überzeugt, dass junge Autofahrer ihren Fahrstil im Laufe einiger Wochen recht eindeutig zeigen“, sagt Daniel Schulze Lammers, Leiter Kraftfahrt der Axa. Auch der Einbau einer Black Box ist für diesen Tarif nicht nötig. Ausreichend ist eine Smartphone-App, die das GPS und den Beschleunigungssensor des Smartphones nutzt. Der Versicherer verspricht Preisnachlässe von bis zu 15 Prozent.

Verbraucherschützer sehen Angebote kritisch

Kritik kommt von Verbraucherschützern, die befürchten, dass die Prämien in der Kfz-Versicherung langfristig steigen könnten – und zwar für jene Autofahrer, die zu einer Weitergabe ihrer individuelen Fahrdaten nicht bereit sind. "Wenn sich das durchsetzt, wird es Nachteile haben für diejenigen, die sich verweigern", sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern der Deutschen Presse-Agentur. Auch Huk-Coburg-Chef Wolfgang Weiler gibt zu bedenken, es müsse gewährleistet sein, dass niemand die Daten abgreifen könne. "Diese Anforderung hat sich als nicht ganz einfach erwiesen, um es zurückhaltend auszudrücken." Immer da, wo Daten über große Strecken ausgetauscht werden, besteht auch ein Restrisiko, dass Hacker und Kriminelle sie abfangen.

Auch aus diesem Grund sind Beobachter der Branche skeptisch, dass sich Telematik-Versicherungen hierzulande durchsetzen können. Datenschutzrechtliche Bedenken sind in der deutschen Bevölkerung ausgeprägter als etwa in den angloamerikanischen Staaten, wo diese Tarife längst etabliert sind. Ein weiteres Hindernis: Die hohen Kosten für Technik und Datenauswertung. So musste die Sparkassen-Tochter S-Direkt, erster Versicherer auf dem deutschen Markt mit Telematik, ihren Tarif „S-Drive“ zum Jahreswechsel einstellen. „Ein System, das 100 Euro pro Kunde und Jahr kostet, ist bei 440 Euro Durchschnittsprämie auf dem deutschen Autoversicherungsmarkt einfach zu teuer“, sagte Vorstand Jürgen Cramer gegenüber Versicherungsbote.

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Doch Cramer hat nun gegenüber dpa angekündigt, bereits zum Jahresanfang 2017 wolle die S-Direkt ein Nachfolgeangebot einführen. Weitere Telematik-Tarife bieten bereits Versicherungen wie Admiral Direkt, Axa, Sijox und VHV an.

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