Die Beitragsstabilität in der privaten Krankenversicherung gerät weiter unter Druck. Das zeigt das aktuelle Rating von Morgen & Morgen. Zwar gibt es weiterhin viele Spitzenprodukte, gleichzeitig wächst aber die Zahl der Tarife mit schwacher Bewertung deutlich.
Das Analysehaus Morgen & Morgen hat sein aktuelles Rating zur Beitragsstabilität in der privaten Krankenversicherung veröffentlicht. Insgesamt wurden 154 Tarifkombinationen mit der Höchstwertung von fünf Sternen ausgezeichnet. Im Vorjahr waren es noch 158. Während die Zahl der Spitzentarife damit nur leicht zurückgeht, wächst die Gruppe der schwach und sehr schwach bewerteten Angebote deutlich.
Für das aktuelle Rating wurden insgesamt 1.130 Tarifkombinationen von 27 Krankenversicherern untersucht. Die durchschnittliche Beitragsanpassung im Neugeschäft kletterte auf 4,88 Prozent. Im Vorjahr hatte sie noch 3,54 Prozent betragen.
Nach dem Beitrags-Reset durch die Einführung der Unisex-Tarife im Jahr 2012 seien Beitragsanpassungen zunächst vergleichsweise moderat ausgefallen. Inzwischen erreiche die Tarifgeneration jedoch ein höheres Alter. Hinzu kämen gestiegene Leistungsausgaben infolge des medizinischen Fortschritts, höhere Behandlungskosten sowie demografische Entwicklungen. Nach Einschätzung von Morgen & Morgen werden diese Faktoren die Beitragsentwicklung auch künftig beeinflussen.
„Die Entwicklung überrascht nicht. Mit steigenden Leistungsausgaben und dem zunehmenden Alter der Tarife war eine weitere Verschiebung der Sterneverteilung zu erwarten. Entscheidend ist jedoch: Auch unter diesen anspruchsvolleren Rahmenbedingungen erreichen weiterhin zahlreiche Tarife eine gute oder sehr gute Bewertung. Das zeigt, dass Beitragsstabilität weiterhin möglich ist“, erklärt Iris Portugall, Senior Versicherungsanalystin bei Morgen & Morgen.
Anteil schwacher Tarife wächst weiter
Die Verteilung der Ratingnoten hat sich gegenüber dem Vorjahr erneut zulasten der Spitzenbewertungen verschoben. Zwar konnten sich 154 Tarifkombinationen die Höchstwertung von fünf Sternen sichern. Das sind jedoch etwas weniger als im Vorjahr, als noch 158 Tarife die Bestnote erhielten.
Auch die Zahl der Vier-Sterne-Tarife ist rückläufig. Gleichzeitig wächst vor allem der Anteil der schwach bewerteten Angebote deutlich. Besonders auffällig ist der Anstieg der Zwei-Sterne-Tarife, während auch die niedrigste Bewertungsstufe zulegt.
Insgesamt vergibt Morgen & Morgen 154 Fünf-Sterne-, 168 Vier-Sterne-, 314 Drei-Sterne-, 321 Zwei-Sterne- und 173 Ein-Sterne-Bewertungen. Damit erreichen 322 Tarifkombinationen die beiden höchsten Bewertungsstufen. Das entspricht 28,5 Prozent aller untersuchten Tarife. Im Vorjahr waren es noch 369 Tarife beziehungsweise 33,0 Prozent.
Demgegenüber mussten sich 494 Tarife beziehungsweise 43,7 Prozent aller untersuchten Angebote mit einer schwachen oder sehr schwachen Bewertung begnügen. Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent. Damit setzt sich die bereits im vergangenen Rating beobachtete Entwicklung fort.
Die Krankenversicherer mit ausgezeichneten Tarifen
Diese privaten Krankenversicherer haben mindestens einen „ausgezeichneten“ Tarif: Alte Oldenburger, ARAG, Concordia, DKV, Generali, Hallesche, HanseMerkur, HUK-Coburg, Inter, LKH, ottonova, R+V, SDK, SIGNAL IDUNA, uniVersa, VRK und Württembergische. Neu in der Spitzengruppe vertreten sind Generali, LKH, VRK und die Württembergische. Dagegen gehören AXA, BBKK, Gothaer, Münchener Verein, UKV und universa nicht mehr zu den Anbietern mit mindestens einem Fünf-Sterne-Tarif.
Immerhin noch 168 Tarife dürfen sich über eine "sehr gute" Bewertung freuen. Im Mittelfeld finden sich 314 Tarifvarianten wieder. Mehr als jeder dritte untersuchte Tarife (43,7 Prozent) musste sich nach der Interpretation von Morgen & Morgen mit einer unterdurchschnittlichen Bewertung begnügen. Der Anteil der "schwachen" oder "sehr schwachen" Tarife ist wieder gestiegen. Im vergangenen Jahr lag deren Anteil noch bei 34,9 Prozent. Anno 2024 hatte der Anteil der unterdurchschnittlichen Bewertungen noch bei 28,4 Prozent gelegen.
Mit 2 Sternen ("schwach") mussten sich 321 Tarifkombinationen begnügen. Mindestens einen Zwei-Sterne-Tarif weisen 26 Krankenversicherer auf. Dazu zählen Allianz, Alte Oldenburger, ARAG, AXA, Barmenia, BBKK, Concordia, Continentale, Debeka, DKV, Gothaer, Hallesche, HanseMerkur, HUK-COBURG, Inter, LVM, Mecklenburgische, Münchener Verein, Nürnberger, R+V, SDK, Signal Iduna, UKV, uniVersa, VRK sowie die Württembergische.
Weitere 173 Tarife erhielten lediglich 1 Stern und damit die Bewertung "sehr schwach". Damit ist die Zahl der Schlusslichter gegenüber dem Vorjahr nochmals gestiegen: 2025 waren noch 154 Tarifkombinationen mit einem Stern bewertet worden. Sehr schwache Ein-Stern-Tarife finden sich bei 18 Anbietern. Betroffen sind Allianz, ARAG, Barmenia, BBKK, Concordia, Continentale, Debeka, DKV, HanseMerkur, HUK-COBURG, Inter, LVM, Münchener Verein, R+V, SDK, UKV, uniVersa sowie die VRK. Die Ergebnisse können auf der Webseite des Ratinghauses eingesehen werden.
So wurde getestet
Bei der Untersuchung hat Morgen & Morgen nur die Tarife berücksichtigt, bei denen Neugeschäftsbeiträge in den Jahren 2019 bis 2024 vorhanden waren und bei denen das zulässige Eintrittsalter in den Tarif von 21 bis einschließlich 50 Jahren erlaubt ist. Anschließend seien 30 verschiedene Eintrittsalter pro Tarifkombination nach sogenannten Effektivbeiträgen ausgewertet worden. Das heißt, die vorliegenden Monatsbeiträge werden auf das Jahr umgerechnet und der Selbstbehalt - sofern vorhanden - addiert. Beihilfe-Tarife wurden nicht berücksichtigt, die Pflegeversicherung auch nicht. Ausgewertet wurden die Prämienanpassungen der letzten fünf Jahre. Die fünf durchschnittlichen Steigerungen wurden dann zu einem Mittelwert und einer Standardabweichung zusammengerechnet. Demnach ergebe sich eine gute Beitragsstabilität, wenn die durchschnittliche Beitragssteigerung ebenso gering ist wie die Streuung der Steigerungen, berichten die Tester.