Ohne Kfz-Haftpflichtversicherung darf kein Motorrad am Straßenverkehr teilnehmen. Viele Fahrer ergänzen den gesetzlichen Pflichtschutz zudem um Teil- oder Vollkaskoversicherungen. Welche Motorradversicherer von ihren Kunden besonders häufig weiterempfohlen werden, zeigt eine aktuelle Studie von ServiceValue und FOCUS MONEY.
Die Motorradversicherung zählt für Millionen Fahrerinnen und Fahrer in Deutschland zur unverzichtbaren Absicherung. Ohne Haftpflichtversicherung darf kein Motorrad am Straßenverkehr teilnehmen, viele Halter ergänzen den Schutz zudem um eine Teil- oder Vollkaskoversicherung. Gleichzeitig unterscheidet sich das Geschäft in mehreren Punkten von der klassischen Pkw-Versicherung. Saisonkennzeichen, ein erhöhtes Unfall- und Diebstahlrisiko sowie die oft emotionale Bindung an das eigene Fahrzeug prägen das Segment.
Motorradfahren steht für Freiheit, Unabhängigkeit und Fahrspaß. Kommt es jedoch zu einem Unfall, einem Diebstahl oder einem Vandalismusschaden, sind Versicherte auf einen leistungsfähigen Versicherer angewiesen. Gerade deshalb spielt Vertrauen eine wichtige Rolle. Denn wie kundenfreundlich ein Anbieter tatsächlich agiert, zeigt sich für viele Versicherte erst im Schadenfall.
Umso interessanter ist die Frage, welchen Motorradversicherern es gelingt, bei ihren Kunden ein solches Vertrauen aufzubauen, dass sie tatsächlich weiterempfohlen werden. Antworten darauf liefert die aktuelle Studie „Von Kunden empfohlen 2026“ von ServiceValue und FOCUS MONEY.
Was wurde untersucht?
Die Auswertung der Motorradversicherer ist Teil der Studie „Von Kunden empfohlen 2026“, die ServiceValue gemeinsam mit FOCUS MONEY durchgeführt hat. Insgesamt wurden mehr als 521.000 Kundenurteile zu 1.507 Unternehmen aus 68 Branchen ausgewertet. Die Motorradversicherer bilden dabei eine eigenständige Kategorie innerhalb des Rankings. Grundlage der Untersuchung ist eine Online-Befragung, bei der ausschließlich Personen berücksichtigt werden, die innerhalb der vergangenen 24 Monate Kunde des jeweiligen Anbieters waren oder noch sind.
Anders als viele klassische Kundenzufriedenheitsstudien fragt die Untersuchung nicht nach einer theoretischen Weiterempfehlungsbereitschaft. Stattdessen werden die Teilnehmer gebeten anzugeben, ob sie einen Anbieter in ihrem persönlichen oder beruflichen Umfeld tatsächlich weiterempfohlen haben. Hierfür stehen die Antwortmöglichkeiten „ja, immer wieder“, „ja, mehrmals“, „ja, mindestens einmal“ sowie „nein“ zur Verfügung.
Aus den Antworten berechnet ServiceValue einen sogenannten Empfehlungsscore (ES). Dabei werden die Angaben unterschiedlich gewichtet. Antworten der Kategorie „ja, immer wieder“ fließen mit dem Faktor fünf in die Berechnung ein, „ja, mehrmals“ mit dem Faktor drei und „ja, mindestens einmal“ mit dem Faktor eins. Auf diese Weise soll nicht nur erfasst werden, ob ein Kunde einen Anbieter empfohlen hat, sondern auch wie häufig dies geschah.
Der Empfehlungsscore kann Werte zwischen 0 und 100 Punkten annehmen. Nach Angaben von ServiceValue würde ein Wert von 100 Punkten erreicht, wenn sämtliche Befragten einen Anbieter „immer wieder“ weiterempfohlen hätten. Ein Wert von 60 Punkten entspräche dem theoretischen Fall, dass alle Kunden „mehrmals“ empfohlen haben, während 20 Punkte erreicht würden, wenn sämtliche Kunden einen Anbieter „mindestens einmal“ weiterempfohlen hätten. Ein Wert von 0 Punkten bedeutet entsprechend, dass keine Weiterempfehlungen ausgesprochen wurden.
Die Unternehmen werden anhand ihres Empfehlungsscores innerhalb ihrer jeweiligen Branche verglichen. Der Branchengewinner erhält die Auszeichnung „Höchste Weiterempfehlung“. Anbieter, deren Empfehlungsscore über dem Branchendurchschnitt liegt, werden mit dem Prädikat „Hohe Weiterempfehlung“ ausgezeichnet.
Was die Studie zeigen kann – und was nicht
Die Ergebnisse zeigen, welchen Motorradversicherern ihre Kunden besonders häufig tatsächliche Weiterempfehlungen aussprechen. Erfasst wird damit nicht die theoretische Empfehlungsbereitschaft, sondern das selbst berichtete Empfehlungsverhalten der Befragten.
Gleichzeitig sollten die Grenzen der Methodik berücksichtigt werden. Zwar: Anders als bei vielen langfristigen Vorsorgeprodukten dürften die Bewertungen bei Motorradversicherungen häufig auf konkreten Erfahrungen beruhen. Kommt es zu einem Unfall, einem Diebstahl oder einem Kaskoschaden, erleben Versicherte unmittelbar, wie ihr Anbieter mit dem Schadenfall umgeht. Auch Servicekontakte, Vertragsänderungen oder die Betreuung rund um Saisonkennzeichen können die Wahrnehmung eines Versicherers prägen. Dennoch lassen sich aus den Ergebnissen keine direkten Rückschlüsse auf die Qualität einzelner Tarife ziehen. Motorradversicherungen unterscheiden sich teilweise erheblich hinsichtlich Prämien, Selbstbeteiligungen, Deckungsumfang oder zusätzlicher Leistungen. Zudem kennen die meisten Kunden in der Regel nur ihren eigenen Versicherer und haben keinen unmittelbaren Vergleich zu den Angeboten anderer Anbieter.
Die Studie zeigt damit vor allem, welchen Anbietern es gelingt, bei ihren Kunden ein hohes Maß an Zustimmung und Weiterempfehlung zu erreichen. Aussagen über die Leistungsstärke einzelner Tarife oder das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Versicherers lassen sich aus den Ergebnissen hingegen nicht unmittelbar ableiten. Das sollte bei Deutung der Ergebnisse bedacht werden.
Die Testsieger
Ein Blick auf die Spitzengruppe zeigt zunächst ein überraschendes Bild. Anders als in vielen anderen Versicherungssparten werden die Spitzenplätze nicht von den großen Allround-Versicherern dominiert. Vielmehr finden sich mit DA Direkt, GVV Direkt und Verti gleich mehrere Direktversicherer unter den bestplatzierten Unternehmen der Studie.
Auffällig ist zudem die starke Bedeutung der Kraftfahrtversicherung für die Geschäftsmodelle dieser Anbieter. Während große Versicherungskonzerne ihre Beiträge auf zahlreiche Sparten verteilen, konzentrieren sich viele Unternehmen der Spitzengruppe auf das Kfz-Geschäft oder erzielen dort einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen. Die Motorradversicherung ist für sie damit häufig Teil eines breiteren Kraftfahrtgeschäfts.
Mit HDI findet sich lediglich ein großer und breit aufgestellter Versicherungskonzern unter den ersten vier Plätzen. Die Ergebnisse legen damit nahe, dass hohe Weiterempfehlungswerte in der Motorradversicherung nicht zwingend an Größe oder Marktanteile gebunden sind. Vielmehr gelingt es insbesondere spezialisierten Kfz-Versicherern und Direktanbietern, bei ihren Kunden ein hohes Maß an Zustimmung zu erreichen.
Rang 1: DA Direkt (22,7 Punkte / Höchste Weiterempfehlung)
Mit 22,7 Punkten erzielt DA Direkt den höchsten Empfehlungsscore der Studie und sichert sich damit den Spitzenplatz unter den Motorradversicherern. Das Unternehmen gehört zur Zurich Gruppe Deutschland und verwaltet zum Jahresende 2024 insgesamt 1,40 Millionen Versicherungsverträge. Die gebuchten Bruttobeiträge beliefen sich auf 342,8 Mio. Euro. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf dem Kraftfahrtgeschäft, das mit 247,8 Mio. Euro mehr als zwei Drittel des gesamten Beitragsvolumens ausmacht. Ergänzt wird das Angebot durch weitere Sparten wie Krankenzusatz- und Tierkrankenversicherungen. Die Spitzenplatzierung unterstreicht damit die starke Stellung eines Direktversicherers, dessen Geschäftsmodell wesentlich vom Kfz-Geschäft geprägt wird.
Rang 2: GVV Direkt (22,4 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Nur knapp hinter dem Spitzenreiter folgt GVV Direkt mit 22,4 Punkten auf Rang zwei der Studie. Die Gesellschaft gehört zur GVV Versicherungen Gruppe und konzentriert sich auf Schaden- und Unfallversicherungen für Privatkunden. Auch hier dominiert die Kraftfahrtversicherung das Geschäft. Von insgesamt 48,2 Mio. Euro gebuchten Bruttobeiträgen entfielen 2024 rund 34,1 Mio. Euro auf Kfz-Versicherungen. Davon wiederum stammten 18,9 Mio. Euro aus der Kfz-Haftpflichtversicherung, 13,6 Mio. Euro aus der Vollkasko und 1,6 Mio. Euro aus der Teilkasko. Die Platzierung zeigt damit, dass auch vergleichsweise kleine und spezialisierte Anbieter im Wettbewerb um Kundenzufriedenheit und Weiterempfehlungen mit deutlich größeren Versicherern mithalten können.
Rang 3: HDI (21,8 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Mit dem HDI folgt auf Rang drei der erste große Allround-Versicherer der Spitzengruppe. Der Versicherer gehört zu den größten Schaden- und Unfallversicherern Deutschlands und ist in zahlreichen Versicherungssparten aktiv. Im Kraftfahrtgeschäft erreichte der HDI 2024 gebuchte Bruttobeiträge von 578 Mio. Euro und einen Marktanteil von 1,70 Prozent. Damit belegte das Unternehmen nach Marktanteilen Rang 17 im deutschen Kfz-Versicherungsmarkt.
Rang 4: Verti (21,2 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Noch einmal anders stellt sich das Profil von Verti dar. Der zum spanischen MAPFRE-Konzern gehörende Direktversicherer zählt zu den spezialisiertesten Kraftfahrtversicherern im deutschen Markt. 2024 erzielte das Unternehmen rund 410 Mio. Euro gebuchte Bruttobeiträge. Mehr als 99 Prozent davon entfielen auf die Kraftfahrtversicherung. Kaum ein anderer größerer Versicherer weist eine derart starke Konzentration auf das Kfz-Geschäft auf. Die Platzierung unterstreicht damit einen Befund, der bereits bei DA Direkt und GVV Direkt sichtbar wurde: Gerade Versicherer mit einem klaren Schwerpunkt im Kraftfahrtgeschäft erzielen bei Motorradfahrern besonders hohe Weiterempfehlungswerte.
Alle ausgezeichneten Motorradversicherer
Neben den vier vorgestellten Unternehmen erhielten 13 weitere Anbieter die Auszeichnung „Hohe Weiterempfehlung“. Insgesamt zeichnete ServiceValue damit 17 Motorradversicherer aus, deren Empfehlungsscore über dem Durchschnitt der Branche lag.
Auffällig ist dabei die große Bandbreite der ausgezeichneten Unternehmen. Neben spezialisierten Direktversicherern wie DA Direkt, Verti, HUK24 und CosmosDirekt finden sich auch zahlreiche große Allround-Versicherer im Ranking. Dazu gehören unter anderem Allianz, Provinzial, ERGO, SIGNAL IDUNA und die SV SparkassenVersicherung. Die Ergebnisse bestätigen damit den Eindruck aus der Spitzengruppe: Hohe Weiterempfehlungswerte sind weder an eine bestimmte Unternehmensgröße noch an ein bestimmtes Geschäftsmodell gebunden.
Bemerkenswert erscheint zugleich die Rolle der HUK-Gruppe. Die HUK-Coburg ist seit Jahren Marktführer in der deutschen Kraftfahrtversicherung und versichert Millionen Fahrzeuge. Im Ranking der Motorradversicherer wird jedoch die Direktversicherungstochter HUK24 ausgezeichnet. Auch dies verweist auf die besondere Bedeutung des Direktvertriebs in diesem Segment. Ebenso erscheint die Generali mit Ihrem Direktversicherer CosmosDirekt.
Folgende Motorradversicherer wurden ausgezeichnet:
- DA Direkt (22,7 Punkte / Höchste Weiterempfehlung)
- GVV Direkt (22,4 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- HDI (21,8 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- Verti (21,2 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- BarmeniaGothaer (20,2 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- ADAC Versicherungen (20,2 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- Concordia (19,0 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- ERGO (19,0 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- Württembergische (18,1 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- Allianz (17,7 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- Provinzial (17,7 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- WGV (17,0 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- LVM Versicherung (16,9 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- HUK24 (16,9 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- CosmosDirekt (16,4 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- SV SparkassenVersicherung (16,0 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
- SIGNAL IDUNA (15,9 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Hintergrund
Die Auswertung der Motorradversicherer basiert auf der Studie „Von Kunden empfohlen 2026“, die ServiceValue gemeinsam mit FOCUS MONEY durchgeführt hat. Für die Untersuchung wurden mehr als 521.000 Kundenurteile zu 1.507 Unternehmen aus 68 Branchen ausgewertet. Die Motorradversicherer bilden dabei eine eigenständige Kategorie innerhalb des Rankings. Weitere Informationen zur Studie sowie einen Studiensteckbrief stellt ServiceValue auf seiner Internetseite bereit.