Die Kfz-Versicherung blieb auch 2024 ein Verlustgeschäft. Zwar sank die durchschnittliche Schaden-Kosten-Quote von 112,2 auf 106,6 Prozent, lag damit aber weiterhin klar über der Schwelle zur Kostendeckung. Wir stellen Anbieter mit den höchsten („schlechtesten“) Schaden-Kosten-Quoten vor.
Nach dem historischen Verlustjahr 2023 steuerten die Kfz-Versicherer 2024 deutlich gegen. Die gebuchten Bruttoprämien der 50 größten Anbieter stiegen um 11,8 Prozent auf durchschnittlich 609,73 Millionen Euro je Unternehmen. Auch auf Vertragsebene wurde die Anpassung sichtbar: Die Durchschnittsprämie erhöhte sich von 253,76 Euro auf 275,49 Euro. Auf der Kostenseite zeigte sich zugleich eine erste Stabilisierung – allerdings auf hohem Niveau. Die Schadenaufwendungen stiegen 2024 zwar nur noch um 2,6 Prozent, nachdem sie im Vorjahr um 16,9 Prozent zugelegt hatten. Der Kostendruck ließ damit nach, blieb aber bestehen.
Der Prämienanstieg reichte aus, um die durchschnittliche Schaden-Kosten-Quote von 112,2 auf 106,6 Prozent zu senken. Die Branche blieb damit jedoch weiterhin klar oberhalb der Kostendeckung. Immerhin gelang es elf Versicherern, ihre Combined Ratio wieder unter 100 Prozent zu senken – nachdem im Vorjahr kein einziger Anbieter kostendeckend gearbeitet hatte. Von einer grundsätzlichen Erholung war die Sparte jedoch noch entfernt.
Versicherungsbote stellt Anbieter mit den schlechtesten Schaden-Kosten-Quoten vor
Versicherungsbote stellt jene Anbieter vor, die 2024 die höchsten (und damit schlechtesten) Schaden-Kosten-Quoten auswiesen. Die Daten stammen aus dem Branchenmonitor Kfz-Versicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH, der die fünfzig größten Anbieter analysiert und damit rund 90 Prozent des gesamten Prämienvolumens abdeckt. Ergänzend werden weitere Kennzahlen wie Prämienhöhe, Bestandsentwicklung und strukturelle Unterschiede in den Geschäftsmodellen herangezogen, um die Ergebnisse einordnen zu können.
Zehntschlechteste Quote: Baloise Sachversicherung (113,50 Prozent)
Die Baloise Sachversicherung wies 2024 eine Schaden-Kosten-Quote von 113,50 Prozent aus und gehörte damit klar zu den schwächeren Anbietern im Markt. Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung fiel mit minus 20,36 Millionen Euro entsprechend deutlich negativ aus.
Auffällig ist die Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr: 2023 lag die Quote noch bei 103,54 Prozent und gehörte damit – im damaligen Marktumfeld – zu den vergleichsweise besseren Ergebnissen. Im Sechs-Jahres-Schnitt von 2019 bis 2024 erreicht die Baloise 96,98 Prozent und bewegt sich damit insgesamt im auskömmlichen Bereich, sodass das Jahr 2024 deutlich heraussticht.
Prämienprofil: leicht überdurchschnittliches Niveau
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 278,99 Euro im Jahr 2019 über 296,18 Euro im Jahr 2023 auf 305,56 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich damit eine leicht überdurchschnittliche Position: 14 Anbieter verlangen höhere Prämien, 35 niedrigere.
Schadenentwicklung: deutlicher Anstieg auf hohem Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 194,16 Euro im Jahr 2019 über 232,32 Euro im Jahr 2023 auf 273,99 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört dieser Wert bereits zu den höheren: Nur zehn Anbieter weisen noch höhere Schadenaufwendungen auf.
Einordnung: Kostenanstieg deutlich stärker als Prämienentwicklung
Die Verschlechterung der Schaden-Kosten-Quote im Jahr 2024 geht mit einem deutlich stärkeren Anstieg der Schadenaufwendungen im Vergleich zur Prämienentwicklung einher. Während die durchschnittliche Prämie je Vertrag zwischen 2019 und 2024 von 278,99 Euro auf 305,56 Euro steigt, entspricht dies einem Zuwachs von rund 9,5 Prozent. Im gleichen Zeitraum erhöhen sich die Schadenaufwendungen je Vertrag von 194,16 Euro auf 273,99 Euro – ein Anstieg um rund 41 Prozent.
Auch im kurzfristigeren Vergleich zeigt sich diese Entwicklung: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um etwa 3,2 Prozent, die Schadenaufwendungen hingegen um rund 18 Prozent. Die Relation zwischen Einnahmen und Schadenaufwendungen verschiebt sich damit deutlich zulasten der Kostenseite, was sich in der spürbar höheren Schaden-Kosten-Quote im Jahr 2024 niederschlägt.
Neuntschlechteste Quote: Alte Leipziger (113,73 Prozent)
Die Alte Leipziger blieb auch 2024 klar im defizitären Bereich. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 113,73 Prozent, das versicherungstechnische Ergebnis bei minus 17,66 Millionen Euro.
Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich zwar eine leichte Verbesserung (2023: 117,49 Prozent), im längerfristigen Bild bleibt die Entwicklung jedoch angespannt: Der Sechs-Jahres-Schnitt von 108,89 Prozent zeigt eine durchgehend nicht auskömmliche Schaden-Kosten-Bilanz.
Prämienprofil: oberes Marktsegment
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 290,56 Euro im Jahr 2019 über 294,76 Euro im Jahr 2023 auf 317,55 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich damit eine Position im oberen Bereich: Nur acht Anbieter verlangen höhere Prämien, 41 niedrigere.
Schadenentwicklung: sehr hohes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 249,04 Euro im Jahr 2019 über 286,73 Euro im Jahr 2023 auf 297,70 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört dieser Wert zu den höchsten: Nur fünf Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf.
Einordnung: Kostenanstieg übertrifft Prämienentwicklung
Die Schadenaufwendungen entwickeln sich über den Zeitverlauf deutlich dynamischer als die Prämien. Zwischen 2019 und 2024 steigen die durchschnittlichen Prämien je Vertrag von 290,56 Euro auf 317,55 Euro, was einem Zuwachs von rund 9 Prozent entspricht. Im gleichen Zeitraum erhöhen sich die Schadenaufwendungen von 249,04 Euro auf 297,70 Euro – ein Anstieg um rund 19 Prozent.
Im kurzfristigen Vergleich zeigt sich eine Gegenbewegung: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um etwa 7,7 Prozent, während die Schadenaufwendungen mit rund 3,8 Prozent deutlich langsamer zunehmen. Diese Entwicklung wirkt stabilisierend, setzt jedoch erst spät ein. Über den gesamten Zeitraum hinweg sind die Schadenaufwendungen deutlich stärker gestiegen als die Prämien, sodass die zuvor entstandene Differenz nur teilweise aufgeholt wird.
In der Gesamtsicht verschiebt sich das Verhältnis von Beitrag und Schadenaufwand damit über mehrere Jahre zulasten der Kostenseite, was sich in der dauerhaft erhöhten Schaden-Kosten-Quote widerspiegelt.
Achtschlechteste Quote: BGV-Versicherung (114,38 Prozent)
Die BGV-Versicherung blieb 2024 deutlich im defizitären Bereich. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 114,38 Prozent, das versicherungstechnische Ergebnis bei minus 30,02 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich jedoch eine spürbare Verbesserung: 2023 lag die Quote noch bei sehr hohen 132,77 Prozent. Trotz dieses Rückgangs bleibt das Niveau klar jenseits der Kostendeckung.
Prämienprofil: unteres bis mittleres Segment
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 222,87 Euro im Jahr 2019 über 214,36 Euro im Jahr 2023 auf 228,73 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich damit eine eher unterdurchschnittliche Position: 36 Anbieter verlangen höhere Prämien, 13 niedrigere.
Schadenentwicklung: Rückgang nach starkem Anstieg
Die Schadenaufwendungen je Vertrag entwickeln sich volatil. Nach einem Anstieg von 200,73 Euro im Jahr 2019 auf 242,05 Euro im Jahr 2023 sinken sie 2024 wieder auf 218,73 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich ein mittleres bis leicht erhöhtes Niveau: 30 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 19 niedrigere.
Einordnung: kurzfristige Entlastung nach vorherigem Kostenanstieg
Im längerfristigen Vergleich steigen die Schadenaufwendungen deutlich stärker als die Prämien. Zwischen 2019 und 2024 erhöhen sich die Prämien je Vertrag von 222,87 Euro auf 228,73 Euro (rund +2,6 Prozent), während die Schadenaufwendungen von 200,73 Euro auf 218,73 Euro zulegen (rund +8,9 Prozent).
Im kurzfristigen Vergleich zeigt sich jedoch eine klare Gegenbewegung: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um rund 6,7 Prozent, während die Schadenaufwendungen um etwa 9,6 Prozent zurückgehen. Diese Entwicklung entlastet die Schaden-Kosten-Quote spürbar. Sie folgt jedoch auf einen zuvor starken Anstieg der Schadenaufwendungen, sodass sich das Verhältnis von Beitrag und Schaden über den Gesamtzeitraum hinweg nur teilweise wieder annähert.
Siebtschlechteste Quote: Rhion Versicherung (114,67 Prozent)
Die Rhion Versicherung blieb auch 2024 im defizitären Bereich. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 114,67 Prozent, das versicherungstechnische Ergebnis bei minus 12,75 Millionen Euro.
Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich eine leichte Verbesserung (2023: 119,58 Prozent), die sich jedoch nicht im Ranking niederschlägt: Rhion fällt von Rang 43 auf Rang 44 zurück, da andere Anbieter ihre Quoten stärker reduzieren konnten. Im Sechs-Jahres-Schnitt von 2019 bis 2024 erreicht das Unternehmen 104,16 Prozent und liegt damit dauerhaft oberhalb der Kostendeckungsgrenze.
Prämienprofil: niedrigstes Niveau im Markt
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag zeigt einen deutlichen Strukturbruch: Nach 278,19 Euro im Jahr 2019 fällt sie 2020 auf 104,46 Euro. Anschließend steigt sie wieder auf 143,80 Euro im Jahr 2022, 142,76 Euro im Jahr 2023 und 146,83 Euro im Jahr 2024. Trotz dieser leichten Erholung weist Rhion 2024 weiterhin die niedrigste Durchschnittsprämie im gesamten Markt auf.
Schadenentwicklung: ebenfalls niedriges Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag zeigen eine ähnliche Entwicklung wie die Prämien. Nach 212,42 Euro im Jahr 2019 fallen sie 2020 deutlich auf 76,77 Euro. Anschließend steigen sie wieder auf 113,85 Euro im Jahr 2022 und 134,90 Euro im Jahr 2023, bevor sie 2024 leicht auf 129,89 Euro zurückgehen. Damit weist Rhion auch bei den Schadenaufwendungen je Vertrag den niedrigsten Wert im gesamten Markt auf.
Einordnung: deutliche Niveauverschiebung bei Prämien und Schäden
Sowohl Prämien als auch Schadenaufwendungen je Vertrag gehen über den Zeitraum deutlich zurück. Zwischen 2019 und 2024 sinken die Prämien um rund 47 Prozent, die Schadenaufwendungen um rund 39 Prozent.
Die Daten zeigen damit eine klare Ausrichtung auf ein niedriges Beitrags- und Schadenniveau je Vertrag. Wachstum erfolgt unter diesen Bedingungen vor allem über die Breite des Geschäfts, während das Kfz-Geschäft auch 2024 insgesamt nicht kostendeckend arbeitet.
Sechstschlechteste Quote: Mannheimer (115,80 Prozent)
Im Gegensatz zu Anbietern mit sehr niedrigen Durchschnittsprämien wie der Rhion zählt die Mannheimer zu den hochpreisigen Gesellschaften im Markt – und weist dennoch eine deutlich defizitäre Schaden-Kosten-Bilanz auf. Die Quote lag 2024 bei 115,80 Prozent, das versicherungstechnische Ergebnis bei minus 18,77 Millionen Euro.
Besonders auffällig ist die Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr: 2023 gehörte die Mannheimer mit einer Quote von 104,68 Prozent noch zu den vergleichsweise besseren Anbietern (Rang 7), 2024 fällt sie mit 115,80 Prozent auf Rang 45 zurück. Auch im Sechs-Jahres-Schnitt von 2019 bis 2024 bleibt die Quote mit 103,53 Prozent oberhalb der Kostendeckung.
Prämienprofil: deutlich oberes Segment
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 342,30 Euro im Jahr 2019 über 363,93 Euro im Jahr 2023 auf 382,34 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört die Mannheimer damit zu den teuersten Anbietern: Nur drei Gesellschaften verlangen höhere Prämien.
Schadenentwicklung: sehr hohe Aufwendungen
Parallel dazu steigen auch die Schadenaufwendungen je Vertrag deutlich. Von 274,62 Euro im Jahr 2019 erhöhen sie sich auf 294,91 Euro im Jahr 2023 und weiter auf 354,82 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört dieser Wert ebenfalls zu den höchsten: Nur drei Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf.
Einordnung: hohes Preis- und Schadeniveau im spezialisierten Segment
Sowohl Prämien als auch Schadenaufwendungen entwickeln sich über den Zeitraum auf hohem Niveau und steigen weiter an. Zwischen 2019 und 2024 erhöhen sich die Prämien je Vertrag um rund 12 Prozent, die Schadenaufwendungen jedoch um rund 29 Prozent.
Auch im kurzfristigen Vergleich zeigt sich diese Entwicklung: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um rund 5,1 Prozent, während die Schadenaufwendungen mit etwa 20,3 Prozent deutlich stärker zunehmen.
Die Daten zeigen damit, dass sich die Schadenaufwendungen deutlich dynamischer entwickeln als die Prämien. Gleichzeitig bewegt sich die Mannheimer in einem Segment mit überdurchschnittlich hohen Prämien und entsprechend hohen Schadenaufwendungen je Vertrag. Dies kann mit der Ausrichtung auf spezialisierte und häufig höherwertige Risiken einhergehen, bei denen sowohl die versicherten Werte als auch die Schadenhöhen über dem Marktdurchschnitt liegen. Unabhängig davon zeigt sich in den vorliegenden Kennzahlen, dass das Kfz-Geschäft 2024 auch in diesem Segment nicht kostendeckend arbeitet.
Fünftschlechteste Quote: Lippische Landesbrand (116,55 Prozent)
Die Lippische Landesbrand blieb auch 2024 deutlich im defizitären Bereich. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 116,55 Prozent, das versicherungstechnische Ergebnis bei minus 5,72 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich jedoch eine spürbare Verbesserung: 2023 lag die Quote noch bei 127,00 Prozent. Im Ranking verbessert sich die Gesellschaft leicht von Rang 47 auf Rang 46. Im Sechs-Jahres-Schnitt von 2019 bis 2024 liegt die Quote bei 104,05 Prozent und damit weiterhin jenseits der Kostendeckung.
Prämienprofil: mittleres Segment
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 262,42 Euro im Jahr 2019 über 264,53 Euro im Jahr 2023 auf 288,93 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im mittleren Bereich: 19 Anbieter verlangen höhere Prämien, 30 geringere.
Schadenentwicklung: deutlich erhöhtes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 201,79 Euro im Jahr 2019 über 287,12 Euro im Jahr 2023 auf 282,55 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört dieser Wert zu den höheren: Nur acht Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf.
Einordnung: langfristig steigende Schadenaufwendungen
Im längerfristigen Vergleich entwickeln sich die Schadenaufwendungen deutlich dynamischer als die Prämien. Zwischen 2019 und 2024 steigen die Prämien je Vertrag von 262,42 Euro auf 288,93 Euro (rund +10 Prozent), während sich die Schadenaufwendungen von 201,79 Euro auf 282,55 Euro erhöhen (rund +40 Prozent).
Im kurzfristigen Vergleich zeigt sich eine leichte Entlastung: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um rund 9,2 Prozent, während die Schadenaufwendungen um etwa 1,6 Prozent zurückgehen. Die kurzfristige Verbesserung folgt auf einen zuvor starken Anstieg der Schadenaufwendungen.
Über den Gesamtzeitraum hinweg verschiebt sich das Verhältnis von Beitrag und Schaden aber deutlich zulasten der Kostenseite. Dies zeigt sich auch im Marktvergleich: Während sich die Lippische bei den Prämien je Vertrag im mittleren Bereich einordnet, zählen die Schadenaufwendungen zu den höheren im Markt. Das Kfz-Geschäft arbeitet damit auch 2024 nicht kostendeckend.
Viertschlechteste Quote: WGV-Versicherung (117,85 Prozent)
Die WGV-Versicherung blieb auch 2024 deutlich im defizitären Bereich. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 117,85 Prozent, das versicherungstechnische Ergebnis bei minus 59,09 Millionen Euro und gehört damit zu den höheren Verlusten im Markt.
Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich jedoch eine spürbare Verbesserung: 2023 lag die Quote noch bei 128,34 Prozent. Im Ranking verbessert sich die Gesellschaft leicht von Rang 48 auf Rang 47. Im Sechs-Jahres-Schnitt von 2019 bis 2024 liegt die Quote bei 108,35 Prozent und zeigt damit, dass das Kfz-Geschäft über den gesamten Zeitraum nicht kostendeckend arbeitet.
Prämienprofil: sehr niedriges Niveau
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag bewegt sich auf einem dauerhaft niedrigen Niveau. Von 165,10 Euro im Jahr 2019 sinkt sie zunächst auf 153,26 Euro im Jahr 2022 und steigt anschließend leicht auf 169,44 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört die WGV damit zu den günstigsten Anbietern: Nur Rhion weist niedrigere Prämien auf.
Schadenentwicklung: unterdurchschnittliches Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 146,22 Euro im Jahr 2019 auf 182,07 Euro im Jahr 2023 und gehen 2024 leicht auf 181,17 Euro zurück. Im Marktvergleich ergibt sich ein niedriges Niveau: Nur vier Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf.
Einordnung: niedrige Prämien und niedrige Schäden, aber anhaltend hohe Quote
Im längerfristigen Vergleich steigen die Schadenaufwendungen deutlich stärker als die Prämien. Zwischen 2019 und 2024 erhöhen sich die Prämien je Vertrag von 165,10 Euro auf 169,44 Euro (rund +2,6 Prozent), während die Schadenaufwendungen von 146,22 Euro auf 181,17 Euro zunehmen (rund +23,9 Prozent).
Im kurzfristigen Vergleich zeigt sich eine leichte Stabilisierung: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um rund 8,3 Prozent, während die Schadenaufwendungen um etwa 0,5 Prozent zurückgehen. Trotz des insgesamt niedrigen Prämien- und Schadenniveaus je Vertrag bleibt die Schaden-Kosten-Quote deutlich erhöht. Das Kfz-Geschäft arbeitet damit auch 2024 nicht kostendeckend.
Drittschlechteste Quote: Debeka Allgemeine (122,78 Prozent)
Die Debeka Allgemeine blieb auch 2024 deutlich im defizitären Bereich. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 122,78 Prozent, das versicherungstechnische Ergebnis bei minus 88,66 Millionen Euro und gehört damit zu den höchsten Verlusten im Markt.
Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich zwar eine leichte Verbesserung (2023: 123,69 Prozent), im Ranking fällt die Gesellschaft jedoch von Rang 45 auf Rang 48 zurück, da andere Anbieter ihre Quoten stärker senken konnten. Im Sechs-Jahres-Schnitt von 2019 bis 2024 liegt die Quote bei 105,70 Prozent und damit durchgehend jenseits der Kostendeckung.
Prämienprofil: unteres bis mittleres Segment
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag sinkt zunächst und steigt zuletzt wieder leicht an. Von 235,54 Euro im Jahr 2019 geht sie auf 212,57 Euro im Jahr 2022 zurück und liegt 2024 bei 220,03 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich damit ein unterdurchschnittliches Niveau: 42 Anbieter verlangen höhere Prämien, sieben niedrigere.
Schadenentwicklung: moderat erhöhtes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen kontinuierlich von 178,33 Euro im Jahr 2019 über 214,76 Euro im Jahr 2023 auf 224,04 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein leicht überdurchschnittliches Niveau: 21 Anbieter weisen niedrigere, 28 höhere Schadenaufwendungen auf.
Einordnung: steigende Kosten bei unterdurchschnittlichem Preisniveau
Im längerfristigen Vergleich entwickeln sich die Schadenaufwendungen deutlich dynamischer als die Prämien. Zwischen 2019 und 2024 sinken die Prämien je Vertrag um rund 7 Prozent, während die Schadenaufwendungen im gleichen Zeitraum um rund 26 Prozent steigen.
Auch im kurzfristigen Vergleich setzt sich diese Entwicklung fort: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um rund 3,2 Prozent, die Schadenaufwendungen jedoch um etwa 4,3 Prozent. Das Verhältnis von Beitrag und Schaden verschiebt sich damit weiter zulasten der Kostenseite. Dies zeigt sich auch im Marktvergleich: einem unterdurchschnittlichen Prämienniveau stehen zumindest leicht überdurchschnittliche Schadenaufwendungen gegenüber. Das Kfz-Geschäft arbeitet damit auch 2024 nicht kostendeckend.
Zweitschlechteste Quote: Garanta (129,00 Prozent)
Die Garanta, eine Tochter der Nürnberger Gruppe und auf Kfz-Versicherungen spezialisiert, rutscht 2024 tief in die Verlustzone. Die Schaden-Kosten-Quote steigt von bereits hohen 115,76 Prozent im Jahr 2023 auf 129,00 Prozent. In der Rangliste fällt die Gesellschaft damit von Rang 36 auf Rang 49 zurück. Das versicherungstechnische Ergebnis liegt bei minus 8,45 Millionen Euro.
Im Sechs-Jahres-Schnitt von 2019 bis 2024 liegt die Quote bei 105,55 Prozent und zeigt damit, dass das Kfz-Geschäft über mehrere Jahre hinweg nicht kostendeckend arbeitet.
Prämienprofil: oberes Marktsegment
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 309,67 Euro im Jahr 2019 über 326,87 Euro im Jahr 2023 auf 358,95 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört die Garanta damit zu den teureren Anbietern: Nur vier Unternehmen verlangen höhere Prämien.
Schadenentwicklung: sehr hohe Aufwendungen
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen deutlich von 235,82 Euro im Jahr 2019 über 305,39 Euro im Jahr 2023 auf 383,22 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört dieser Wert zu den höchsten: Nur zwei Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf.
Einordnung: stark steigende Schadenaufwendungen bei hohem Prämienniveau
Im längerfristigen Vergleich steigen die Schadenaufwendungen deutlich stärker als die Prämien. Zwischen 2019 und 2024 erhöhen sich die Prämien je Vertrag um rund 16 Prozent, die Schadenaufwendungen hingegen um rund 63 Prozent.
Auch im kurzfristigen Vergleich verstärkt sich diese Entwicklung: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um rund 9,8 Prozent, während die Schadenaufwendungen mit etwa 25,5 Prozent deutlich stärker zunehmen. Die Relation zwischen Beitrag und Schadenaufwand verschiebt sich damit deutlich zulasten der Kostenseite. Das Kfz-Geschäft arbeitet unter diesen Bedingungen auch 2024 nicht kostendeckend.
Schlechteste Quote: Nürnberger Allgemeine (136,64 Prozent)
Nach der Garanta als Tochtergesellschaft weist mit der Nürnberger Allgemeinen auch ein weiteres Unternehmen der Nürnberger Gruppe eine der schwächsten Schaden-Kosten-Bilanzen im Markt auf – und belegt 2024 mit 136,64 Prozent sogar den letzten Platz unter den fünfzig größten Kfz-Versicherern. Gegenüber dem bereits sehr hohen Vorjahreswert von 129,62 Prozent steigt die Quote weiter an. Das versicherungstechnische Ergebnis liegt bei minus 38,45 Millionen Euro.
Im Sechs-Jahres-Schnitt von 2019 bis 2024 erreicht die Nürnberger Allgemeine 116,73 Prozent und zeigt damit über einen längeren Zeitraum eine deutlich nicht kostendeckende Entwicklung.
Prämienprofil: oberes Marktsegment
Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 356,73 Euro im Jahr 2019 über 374,53 Euro im Jahr 2023 auf 389,16 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört die Nürnberger damit zu den teuersten Anbietern: Nur zwei Unternehmen verlangen höhere Prämien.
Schadenentwicklung: höchste Aufwendungen im Markt
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen deutlich von 301,00 Euro im Jahr 2019 über 394,98 Euro im Jahr 2023 auf 437,69 Euro im Jahr 2024. Damit weist die Nürnberger 2024 die höchsten Schadenaufwendungen je Vertrag im gesamten Markt auf.
Einordnung: stark steigende Schadenaufwendungen im Hochpreissegment
Im längerfristigen Vergleich steigen die Schadenaufwendungen deutlich stärker als die Prämien. Zwischen 2019 und 2024 erhöhen sich die Prämien je Vertrag um rund 9 Prozent, die Schadenaufwendungen hingegen um rund 45 Prozent.
Auch im kurzfristigen Vergleich setzt sich diese Entwicklung fort: Von 2023 auf 2024 steigen die Prämien um rund 3,9 Prozent, während die Schadenaufwendungen mit etwa 10,8 Prozent deutlich stärker zunehmen. Die Daten zeigen damit ein deutliches Auseinanderlaufen von Prämien- und Schadenentwicklung auf hohem Niveau. Auffällig ist dabei das Muster über mehrere Anbieter hinweg: Nicht nur Gesellschaften mit niedrigen Prämienniveaus finden sich unter den schwächsten Schaden-Kosten-Quoten, sondern in auffälliger Häufung auch Anbieter im oberen Preissegment.
Die vorliegenden Kennzahlen zeigen damit, dass auch im Hochpreissegment steigende Schadenaufwendungen nicht durch entsprechende Prämienentwicklungen kompensiert werden konnten. Das Kfz-Geschäft arbeitet unter diesen Bedingungen auch 2024 nicht kostendeckend.
Hintergrund
Die in diesem Artikel ausgewerteten Kennzahlen stammen aus dem Branchenmonitor Kfz-Versicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH, der die fünfzig größten Anbieter im deutschen Markt analysiert und damit rund 90 Prozent des gesamten Kfz-Prämienvolumens abdeckt.
Der vollständige Monitor analysiert Kennzahlen der Jahre 2019 bis 2024 und ist – wie in jedem Jahr – kostenpflichtig über die Webseite der Leipziger Analysten erhältlich.