Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung verbessert sich 2024 spürbar. Nach einem negativen Gesamtwert von –11,08 Millionen Euro im Jahr 2023 erzielt das Kollektiv der fünfzig größten Kompositversicherer wieder ein positives Ergebnis von 29,67 Millionen Euro. Die Branche kehrt damit zwar rechnerisch in die Gewinnzone zurück, doch die Stabilität dieser Entwicklung ist begrenzt. Von einer breiten Erholung kann keine Rede sein: 26 der fünfzig untersuchten Unternehmen weisen 2024 weiterhin einen versicherungstechnischen Verlust aus.
Besonders deutlich fallen die negativen Ergebnisse bei der Nürnberger Allgemeine mit –175,55 Millionen Euro aus, gefolgt von der R+V Allgemeine mit –168,26 Millionen Euro sowie dem Bayerischen Versicherungsverband mit –81,49 Millionen Euro. Auch die DEVK Allgemeine liegt mit –76,40 Millionen Euro spürbar im Minus, ebenso die Signal Iduna Allgemeine mit –52,47 Millionen Euro.
Auf der anderen Seite stehen wenige große Anbieter, die mit deutlichen Überschüssen das Gesamtergebnis stabilisieren. Die Allianz erzielt mit 558,65 Millionen Euro das mit Abstand beste versicherungstechnische Ergebnis im Jahr 2024 und bildet damit den zentralen Anker des Marktes. Dahinter folgen die Axa mit 334,61 Millionen Euro, die LVM mit 214,95 Millionen Euro, die HUK-Coburg Allgemeine mit 202,31 Millionen Euro und die Ergo mit 201,06 Millionen Euro. Diese fünf Gesellschaften tragen den Großteil des positiven Ergebniseffekts, während der breite Markt weiterhin unter Druck steht. Zu beachten ist hier allerdings das zugrunde liegende Geschäftsportfolio: Die Gewinner sind überwiegend große, diversifizierte Anbieter mit hohem Marktanteil, effizienter Schadensteuerung und ausgeprägter Preisdurchsetzungskraft, während viele der verlustträchtigen Unternehmen entweder kleinteilige Bestände führen oder stark von der problematischen Kfz-Sparte abhängig sind.
Schaden-Kosten-Quote: Die besten und schlechtesten Werte
Diese Unterschiede spiegeln sich auch in den Combined Ratios wider. Die niedrigsten (und damit besten) Schaden-Kosten-Quoten im Komposit-Kollektiv erreichen 2024 die Helvetia Direktion für Deutschland mit 81,75 Prozent, gefolgt von der Provinzial Versicherung und der Axa mit jeweils 86,87 Prozent, der Provinzial Nord Brandkasse mit 87,05 Prozent sowie der Oldenburgischen Landesbrandkasse mit 88,61 Prozent.
Bei den höchsten CR-Werten fällt hingegen ein Muster auf: Die schwächsten Quoten treten fast ausschließlich bei Unternehmen mit extrem hohem Kfz-Anteil auf. Die Europa kommt 2024 auf eine Combined Ratio von 109,05 Prozent, die DA Deutsche Allgemeine auf 110,12 Prozent, die Nürnberger Allgemeine auf 117,05 Prozent und die Garanta sogar auf 135,11 Prozent.
Besonders auffällig ist dabei die Portfoliozusammensetzung: Die Europa erzielt rund 88 Prozent ihres Geschäftsbeitrags in der Kfz-Versicherung, die Garanta liegt bei rund 78 Prozent und die DA Deutsche Allgemeine bei rund 72 Prozent – Werte, die zwangsläufig dazu führen, dass die Unterdeckung im größten und zugleich verlustreichsten Segment das Gesamtergebnis dominiert. Einzig die Nürnberger Allgemeine weist in dieser Gruppe kein derart kfz-dominiertes Portfolio auf; ihr hoher CR-Wert erklärt sich daher weniger aus einer Spartenkonzentration als aus strukturellen Belastungen in mehreren Bereichen des Bestands, die sich 2024 kumulativ negativ ausgewirkt haben.
Hintergrund: Methodik des Branchenmonitors Komposit 2025
Der Branchenmonitor Komposit 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH analysiert die fünfzig größten Schaden- und Unfallversicherer in Deutschland und deckt damit rund 87 Prozent des gesamten Kompositmarktes ab. Die Untersuchung basiert auf den veröffentlichten Geschäftsberichten der Unternehmen, umfasst sämtliche relevanten Kennzahlen 2019 bis 2024 – von Prämien über Schaden- und Kostenquoten bis zum versicherungstechnischen Ergebnis – und stellt diese in einer einheitlichen Vergleichsstruktur gegenüber.
Wichtig ist dabei der methodische Rahmen: Der Monitor betrachtet bewusst die größten Kompositanbieter, nicht die größten Anbieter einzelner Sparten. Dadurch unterscheiden sich die Durchschnittswerte zwangsläufig von jenen der jeweiligen Spartenmonitore, die jeweils ihre eigenen Top-50-Kollektive haben. Die Auswahl des Beobachtungskollektivs beeinflusst damit die aggregierten Ergebnisse und erklärt Abweichungen zwischen Gesamt- und Spartensicht. Der vollständige Branchenmonitor kann über die Webseite der V.E.R.S. Leipzig GmbH kostenpflichtig bestellt werden.