Komposit 2024: Verbesserte Combined Ratio trotz Höchststand bei Schäden

Quelle: DALL-E

Die durchschnittlichen Schadenaufwendungen der fünfzig größten Kompositversicherer erreichen 2024 erneut einen historischen Höchststand. Mit durchschnittlich rund 1,12 Milliarden Euro je Unternehmen liegen sie 2,9 Prozent über dem Vorjahreswert (2023: 1,09 Milliarden Euro). Im längerfristigen Vergleich zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung: 2019 betrugen die Schadenaufwendungen im Durchschnitt noch rund 810 Millionen Euro – seitdem sind sie um rund 38 Prozent gestiegen.

Auch der Schadenaufwand je Vertrag steigt weiter an und erreicht 2024 mit 199,95 Euro einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 5,4 Prozent (2023: 189,70 Euro). Über die vergangenen fünf Jahre betrachtet zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend: 2019 lag dieser Wert noch bei 148,88 Euro, der pandemiebedingt 2020 leicht auf 146,49 Euro zurückging. Seit dem Ahrtaljahr 2021, als der Schadenaufwand je Vertrag abrupt auf 174,92 Euro sprang, hat sich das Niveau jedoch dauerhaft erhöht. Die Schäden werden also nicht nur häufiger teurer, sie steigen zudem selbst in Jahren ohne extreme Ereignisse weiter an.

Schaden- und Kostenquoten: Entspannung – aber auf dünner Basis

Die Schadenquote über 50 Versicherer hinweg zeigt sich 2024 erstmals seit zwei Jahren wieder rückläufig und sinkt von 73,64 Prozent auf 71,24 Prozent. Das ist eine spürbare Verbesserung, die vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Beitragseinnahmen kräftiger gestiegen sind als die Schadenkosten. Die reine Schadenseite bleibt hingegen auf hohem Niveau. Vergleicht man die Werte mit den Ausschlagjahren 2021 und 2023, wirkt der Rückgang dennoch stabilisierend: Die extremen Ausschläge nach oben, die durch außergewöhnliche Schadenlagen verursacht wurden, blieben 2024 aus. Damit signalisiert die Quote zumindest eine Beruhigung der kurzfristigen Volatilität.

Auch die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) verbessert sich deutlich und fällt von 100,34 Prozent im Vorjahr auf 97,38 Prozent. Damit liegt der Durchschnitt der fünfzig größten Kompositversicherer wieder unter der Marke von 100 Prozent, was bedeutet, dass die gebuchten Prämien die Kosten im Jahr 2024 rechnerisch decken. Ein Blick auf die Combined Ratio nach Teilsparten zeigt ein deutlich heterogenes Bild. Wichtig ist dabei der methodische Hinweis: Die Werte stammen aus dem Branchenmonitor Komposit und beziehen sich ausschließlich auf die fünfzig größten Kompositversicherer. Sie sind daher nicht identisch mit den Durchschnittswerten der jeweiligen Spartenmonitoren, weil dort jeweils die fünfzig größten Anbieter pro Einzelsparte betrachtet werden. Die Zusammensetzung des Beobachtungskollektivs ist also eine andere – und damit auch die Durchschnittswerte.

Teilsparten im Vergleich: Stabile Bereiche und empfindliche Risikofelder

Innerhalb des Komposit-Kollektivs ergibt sich 2024 folgendes Bild: Besonders günstig stellt sich die Unfallversicherung dar, deren Combined Ratio mit 73,97 Prozent klar im grünen Bereich liegt. Ebenfalls stabil bleibt die Hausratversicherung mit 80,31 Prozent, gefolgt von der Haftpflichtversicherung mit 85,47 Prozent. Diese drei Sparten weisen niedrige Schadenkosten und eine relativ konstante Schadenfrequenz auf, was sich stabilisierend auf das Gesamtportfolio auswirkt.

Deutlich angespannter ist die Lage in der Wohngebäudeversicherung, die 2024 auf eine Combined Ratio von 96,33 Prozent kommt. Das liegt zwar noch unter der Kostendeckungsgrenze, zeigt aber, wie stark diese Sparte strukturell von Schadeninflation, steigenden Bau- und Materialpreisen sowie längeren Reparaturzeiten geprägt ist. Die Stabilität bleibt dabei äußerst fragil: Bereits ein Jahr mit gehäuften Unwetterlagen oder – wie 2021 – einer Kombination mehrerer schwerer Naturereignisse kann die Quote abrupt in den negativen Bereich drücken. Dieses Risiko liegt weitgehend außerhalb des Einflussbereichs der Versicherer, da Extremwetter weder planbar noch beeinflussbar ist und durch den Klimawandel an Intensität und Frequenz zunimmt.

Kfz bleibt das größte Sorgenkind des Kompositmarktes

Am deutlichsten tritt die Belastung weiterhin in der Kraftfahrtversicherung zutage. Innerhalb des Komposit-Kollektivs liegt die Combined Ratio 2024 bei 107,77 Prozent und damit klar oberhalb der Kostendeckungsgrenze. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass dieser Wert sogar noch etwas schlechter ausfällt als im reinen Kfz-Branchenmonitor, in dem die fünfzig größten Kfz-Versicherer 2024 eine durchschnittliche CR von 106,56 Prozent aufweisen. Der Unterschied erklärt sich aus der Methodik: Im Kompositmonitor werden nicht die größten Kfz-Anbieter betrachtet, sondern die größten Kompositversicherer – also Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Portfoliostrukturen und teilweise geringerer Spezialisierung im Kfz-Geschäft.