Knip kneift - macht eigentlich keine Beratung

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Kunden, die von App-Makler Knip erwartet hätten, dass sie beraten werden sollen, dürfen sich getäuscht fühlen. Knip mache ja eigentlich keine Beratung. Das könne man zwar, sagte Knip-Chef Dennis Just in einem Interview, falls Bedarf bestehe. Eher wolle Knip Standardprobleme und Standardprodukte des Kunden einordnen. Sein Problem: Die Versicherungswirtschaft wehrt sich gegen Standardprodukte, um sich ihre Alleinstellungsmerkmale zu bewahren.

Wenn es im Knip-Geschäftsprozess optimal läuft, dann klickt oder tippt der User in der Knip-App sich und dem Unternehmen einen neuen Versicherungsmakler-Vertrag herbei. Fortan kassiert Knip sodann die Bestandsprovision von den Versicherern. Der Alt-Makler guckt in die Röhre. Der Kunde denkt zumeist, mit Knip lediglich einen elektronischen Ordner für seine Policen zu haben. Seltener erkennt der Kunde, dass er seinen bisherigen Makler in die Wüste geschickt hat. Das ist Markt, ist disruptiv.

Knip-Chef Dennis Just: „Wir machen ja eigentlich keine Beratung“

Innovation der disruptiven Art bedeutet, so schrieb kürzlich der „Harvard Business Manager“, sich in bestehende Geschäftsprozesse zu drängen, indem man Kosten, Risiken oder Mühen des Kunden beseitigt und einen neuen Geschäftsprozess über die Rampe, pardon auf den Markt schiebt. Knip schafft das. Und entert Maklerauftrag auf Maklerauftrag bei Bestandskunden und ihren Policen. Bei Versicherungen gilt spätestens seit der Novelle des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) eine Beratungspflicht des Kunden.

Knip scheint diese Pflicht lockerer zu sehen. In einem Interview mit „Gründerszene.de“ sagte Knip-Chef Dennis Just jetzt: „Wir machen ja eigentlich keine Beratung. Wir könnten zwar, falls Bedarf besteht, wir haben auch eigene Berater. Was wir aber machen, ist eine Analyse: Fehlt eine wichtige Versicherung? Sind die Verträge die Richtigen, also passen sie zur Person? Knip wird niemals der Nummer-1-Berater werden. Was wir aber sehr gut einordnen können, sind Standardprobleme und Standardprodukte.“

Es gibt noch keine Standard-Produkte

Die Motivation, ob Knip ihn als Kunden nun beraten will, muss der Kunde für sich selbst beurteilen. Justs Fehldeutung ist: Es gibt noch keine Standardprodukte. Die Versicherungswirtschaft wehrt sich gegen Standardprodukte, um sich ihre Alleinstellungsmerkmale zu bewahren, anstatt sich zu reinen, austauschbaren Risiko-Entsorgern degradieren zu lassen.

Sogar Privathaftpflicht-Policen sind untereinander kaum zu vergleichen, wenn man bestimmte Bedarfe des Kunden aus dem wirklich wahren Leben betrachtet (Versicherungsbote vom 31.03.2016). Die mag man aus Kundensicht bedauern, ist aber eine Tatsache. Markt. Und für die Lösung von „Standardproblemen“ (Just) müsste sich Knip erst einmal einer Norm unterwerfen. Und dieser folgen. Etwa der „DEFINO“-Norm für die Finanzen von Privathaushalten, die inzwischen als DIN SPEC 77222 Karriere macht.