Altersarmut - Immer mehr Menschen sind auf Grundsicherung angewiesen

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Altersarmut: Die Zahl der Menschen, die auf Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen sind, nahm auch im Jahr 2015 weiter zu. Im Dezember letzten Jahres bezogen 1.038 Millionen Bundesbürger entsprechende Leistungen nach dem 4. Kapitel des Zwölften Sozialgesetzbuches (SGB XII), wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilt. Das ist ein trauriger Rekord: Innerhalb von elf Jahren hat sich die Zahl der Hilfsbedürftigen mehr als verdoppelt.

Nie zuvor waren so viele Menschen in Deutschland auf die Grundsicherung angewiesen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in einer Pressemeldung berichtet. Demnach stieg die Zahl der Empfänger im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent an, so dass 1.038.008 Menschen entsprechende Sozialleistungen erhielten. Im Dezember 2015 betrug der durchschnittlich ausgezahlte Regelsatz 374 Euro.

Der Trend zeigt bereits seit Jahren ein starkes Anwachsen der Hilfsbedürftigkeit. Seit Einführung der Grundsicherung im Jahr 2003 hat sich die Zahl der Empfänger mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: Ende 2003 bekamen weniger als eine halbe Million Menschen (438.831) diese staatliche Unterstützung nach dem Sozialgesetzbuch XII zugesprochen.

Mehr Altersarmut, mehr Erwerbsminderung

Angewachsen ist gegenüber 2014 erneut die Zahl der Rentner, die zusätzliche Sozialleistungen erhalten, weil ihre Altersbezüge zum Leben nicht ausreichen. Waren im Vorjahr noch 512.198 Ruheständler betroffen, summierte sich ihre Zahl im Dezember 2015 bereits auf 536.121 (+4,67 Prozent). Diese Sozialleistungsempfänger hatten die Regelaltersgrenze bereits überschritten.

Weitere knapp 502.000 Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung erhielt im Dezember 2015 die Leistung aufgrund voller Erwerbsminderung, weil sie zu einer vorzeitigen Aufgabe ihres Berufes gezwungen waren. Auch hier ist ein leichtes Anwachsen gegenüber dem Vorjahr zu beklagen (+2,35 Prozent).

Anspruch auf eine Rente wegen voller Erwerbsminderung besteht, wenn der Versicherte wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit weniger als 3 Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes arbeiten kann. Die Betroffenen waren zwischen 18 und 64 Jahren alt.

Debatte über steigende Altersarmut

Die Zahlen erscheinen zu einem Zeitpunkt, in der die zunehmende Altersarmut zu einem Schwerpunktthema der kommenden Bundestagswahl 2017 zu werden scheint. "Das Niveau der gesetzlichen Rente darf nicht weiter sinken, sondern muss auf dem jetzigen Niveau stabilisiert werden", hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel vor wenigen Tagen gefordert. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) geht noch weiter und verlangt gar eine Anhebung des Rentenniveaus. Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) hat angekündigt, noch in dieser Legislaturperiode gemeinsam mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CSU) eine Rentenreform anzustoßen.