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Markt | 07.12.2011
Riester-Rente 

GDV pro, BdV contra: Riestern als Eigen- oder Kundeninteresse?

Wessen Interessen das staatlich finanzierte Altersvorsorge-Modell tatsächlich gerecht werden soll, haben aktuell heftige Reaktionen auf die Studie „Zehn Jahre Riester-Rente“ von BdV und GDV gezeigt.


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Das Deutsche Instituts für Wirtschaftsordnung (DIW) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hatte in ihrer Ende November veröffentlichten Studie die Riester-Rente stark kritisiert: Die Rendite sei oft genauso hoch, als würde man sein Geld in den Sparstrumpf stecken. So müsse eine 35jährige Frau, die zum jetzigen Zeitpunkt einen Riestervertrag abschließt, 90 Jahre alt werden, bis sich der Riesterschutz für sie rechnet(versicherungsbote.de berichtete: DIW forderte grundlegende Reform der Riester-Rente...).

Die Ansicht der Studie teilt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht. Analog zum DIW führte der GDV eigene Berechnungen durch. Deren Ergebnis fällt positiv aus: Riestern lohnt sich. Bei seinen Untersuchungen habe der Verband im Gegensatz zum DIW auch die Riester-Zulagen berücksichtigt. Riester-Zulagen wären, bei einem mittleren Marktangebot, Überschussbeteiligung und Kosten inklusive, individuell sogar wesentlich rentabilitätssteigernd. Man müsse keineswegs „steinalt“ werden, so der GDV, und zeigt, dass ein normalverdienender Mann (Jahreseinkommen 30.000€), der ab dem 35 Lebensjahr einen Riestervertag abschließt, immerhin schon mit 74 Jahren das investierte Kapital zurückerhalten habe. Bei Zulagen sei er mit 75 Jahren an dem sogenannten „Break-even“-Punkt angelangt, mit 85 Jahren habe das Riester-Kapital eine Rentabilität von 3,72 Prozent.

Derzeitige „Anti-Riester-Kampagnen“, welche anprangern, dass sich Riestern erst im hohen Alter lohne, führe vor allem zur Verunsicherung der Verbraucher. Die Tatsache, zu übersehen, dass man doch älter als die eigenen Großeltern werden könne, berge die Gefahr, angespartes Kapital viel zu schnell zu verbrauchen. Die Lebenserwartung würde laut GDV von Generation zu Generation um drei bis sechs Jahre steigen. Zurückzuführen seien diese Ergebnisse auf Prognosen des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Derartige Prognosen des Destatis soll es aber nie gegeben haben: Der Bund der Versicherten (BdV) wirft dem GDV vor, die eigene Argumentation mit einer erfundenen Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes gefüttert zu haben.

Zudem würde vom GDV verschwiegen, dass Aktionäre mit bis zu 25 Prozent Gewinn auch vom frühen Tod der Riester-Rentner profitieren. Überschüsse werden außerdem nicht immer für eine Rentenerhöhung eingesetzt: Bis 2025 sind fast alle Versicherungsunternehmen nicht dazu verpflichtet, die Rente zu erhöhen, wenn Riesterverträge vor 2005 abgeschlossen wurden. So würden Rechentricks und falsche Informationen des GDV laut BdV-Vorsitzendem Axel Kleinlein lediglich die Produktschwächen überdecken.

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Der Test-Verlag Öko-Test spricht sich ebenso gegen die Argumentation des GDV aus: Riestern sei ein „Selbstbedienungsladen der Versicherungsbranche“. Besonders verweist die Organisation dabei auf entsprechenden Bankensparpläne: In der Zeit des Ansparens seien die Verträge günstig und ergäben eine gute Rendite. Per Gesetz zahlen die Banken dann aber lediglich bis zum 85. Lebensjahr die garantierte Monatsrente aus, danach zahlen die Versicherer. Dafür würden die Versicherungsunternehmen „unverschämt viel Geld“, nämlich 35 Prozent des Sparkapitals der Kunden, einfordern. Übrig bleibe dann nur eine schmale Zusatzrente. Zur Lösung des Problems schlägt Öko-Test vor, jedem Bürger das Recht zuzubilligen, bei einer Non-Profit-Organisation ein Vorsorgekonto einzurichten. Eingezahlt werden könnte dort in beliebiger Höhe und wäre vererbbar. Ohne Abschlussprovisionen könnte ein solches, beispielsweise bei der Deutschen Rentenversicherung, zum Selbstkostenpreis verwaltet werden. Gefördert werden könne diese Altersvorsorge durch die bisherigen Modelle der staatlichen Unterstützung.

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Autor: Hanna Behn
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