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Volksbanken und Raiffeisenbanken verlangen Gebühren fürs Geldabheben

Gebäudeansicht der BVR in Berlin (Symbolfoto). Immer mehr Volks- und Raiffeisen- Banken verlangen eine Gebühr fürs Geldabheben.Pressefoto Bundesverband der Deutschen Volks- u. Raiffeisenbanken

Nicht nur Sparkassen verlangen von Privatkunden zunehmend Gebühren für das Geldabheben, sondern auch immer mehr Genossenschaftsbanken. 150 der rund 1.000 Volks- und Raiffeisenbanken bitten ihre Kunden zur Kasse, wenn sie vom Girokonto am Automaten Geld abheben wollen. „Wir sind am Ende der Umsonst-Kultur“, kommentiert Bundesbank-Chef Andreas Dombret.

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In der letzten Woche sorgte eine Studie des Finanzportals Biallo für Aufsehen, wonach 40 der 400 Sparkassen in Deutschland von ihren Kunden eine Gebühr verlangen, wenn sie am Automaten Geld abheben (der Versicherungsbote berichtete). „Heimlich, still und leise“ hätten die öffentlichen Banken die Gebühr eingeführt. Doch die Sparkassen sind nicht die einzigen Finanzinstitute, die ihre Kunden fürs Geldabheben zur Kasse bitten.

150 von 1.000 Volksbanken verlangen Gebühr

Nun hat „Biallo“ auch die Volks- und Raiffeisenbanken nach Gebühren durchforstet. Und siehe da: bei den Genossenschaftsbanken verlangen noch mehr Institute eine Gebühr, wenn Privatkunden am Automaten Geld holen. Bei 150 der 1.000 Volks- und Raiffeisenbanken ist der Service nicht mehr kostenlos. Und während die meisten Sparkassen die Gebühren für das erste und zweite Geldabheben noch erlassen, verlangen laut Studie zwei Drittel der untersuchten Volks- und Raiffeisenbanken bereits beim ersten Abheben einen Zuschlag.

Ein Beispiel für die Abhebe-Gebühr ist das „VR Giro-Konto“ der Volksbank Lahr. Laut einem Bericht der Badischen Zeitung dürfen Kunden nur zweimal im Monat kostenfrei Bargeld abheben. Danach kostet jede weitere Automaten-Verfügung 40 Cent, am Schalter sogar 95 Cent. Zusätzlich werden monatlich 3,50 Euro Kontoführungsgebühren berechnet.

"Wir sind am Ende der Umsonst-Kultur"

Sowohl Sparkassen als auch Volksbanken machen die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) für die höheren Gebühren verantwortlich. Die Banken müssen aktuell Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken: so sollen sie angehalten werden, mehr Kredite an mittelständische Firmen zu vergeben und die Wirtschaft anzukurbeln.

„Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei“, sagte Sparkassen-Chef Georg Fahrenschon bei der Bilanzpressekonferenz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) bereits im Mai 2016. „Wir werden angesichts der Zinslandschaft unsere Leistungen verursachungsgerechter bepreisen müssen.“

Ähnlich äußerte sich nun Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret, zuständig für die Bankenaufsicht in Deutschland. In einem Interview mit der Tageszeitung „Welt“ sagte Dombret, er rechne mit dem Ende des Kostenlos-Bankings in Deutschland. Dass viele Geldhäuser jetzt Gebühren für ihre Dienstleistungen verlangen, sei ein fortlaufender Prozess. Dombret: "Wir sind am Ende der Umsonst-Kultur“.

Filialsterben: Im ländlichen Raum wird besonders oft Gebühr fällig

Die Niedrigzins-Politik ist nicht der einzige Grund für die neuen Gebühren. Je mehr Kunden das Online-Geschäft der Banken nutzen, desto mehr wollen die Banken sich von kostenintensiven Filialen trennen – und Anreize schaffen, mehr bargeldlose Dienste zu nutzen.

Schon seit Jahrzehnten ist ein Filialsterben in Deutschland zu beobachten, das vor allem auch die privaten Geldhäuser betrifft. Die Zahl der Bankfilialen halbierte sich laut Bundesbank-Statistik zwischen 1995 und 2015 nahezu. Gab es vor zwanzig Jahren deutschlandweit noch 67.930 Bankfilialen, so sank ihre Zahl 2015 auf nur noch 34.045 Zweigstellen.

Dass die neu erhobenen Gebühren auch im Zusammenhang mit dem Filialsterben stehen, zeigt ein anderer Fakt. Gerade im ländlichen Raum, wo die öffentlichen Banken kaum Konkurrenz fürchten müssen, wird besonders oft Geld fürs Bargeldabheben verlangt, berichtet biallo.de. Denn aus manchen Regionen haben sich die privaten Geldhäuser fast komplett zurückgezogen. Allein die öffentlichen Geldhäuser, traditionell mit einem größeren Filialnetz ausgestattet, bieten hier noch ihre Dienste an.

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In Zeulenroda-Triebes beispielsweise, einer Ostthüringer Kleinstadt mit 16.700 Einwohnern, hat die letzte Filiale der Deutschen Bank vor wenigen Monaten geschlossen. Ein Schreiben an der Tür verweist die Kunden auf den Nachbarort Greiz, wenn sie Geld abheben wollen. Keine kurze Distanz: der nächste Geldautomat der Deutschen Bank befindet sich nun in 20 Kilometern Entfernung.

biallo
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