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08.12.2015

Map-Report Nr. 880 (PKV)Die Private Krankenversicherung tritt auf der Stelle

Eher Schnecke als Leopard: Die PKV stagniert, so die Erkenntnis aus dem aktuellen Map-Report. soorelis@Pixabay.com

PKV: Der Branchendienst Map-Report hat die Bilanzen der privaten Krankenversicherer ausgewertet. Nach den politischen Unruhen um die Private Krankenversicherung im Wahljahr 2013 hatte die Branche zuletzt ein ruhiges Geschäftsjahr mit stagnierenden Beständen und einer lahmenden Pflegesparte. Rückstellungen und stille Reserven stiegen, Umdeckungen nahmen ab. Die Kapitalerträge der Branche schrumpften ebenfalls. Schuld daran sind die Minizinsen auf dem Kapitalmarkt.

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„Es gab keine medialen Schlammschlachten oder künstlich aufgeblähte Skandale wegen angeblicher Beitragsexplosionen“, schreibt Reinhard Klages vom Map-Report in seiner Einleitung zur Bilanzanalyse der Privaten Krankenversicherer. Angesichts „minimaler“ Beitragserhöhungen und „überwiegend stabilen Kennzahlen“, so Klages, „wäre beinahe von paradiesischen Zuständen auszugehen.“ Dennoch seien die Aussichten der Privaten Krankenversicherung (PKV) nicht unbedingt erfreulich, schlussfolgert der Map-Chefredakteur mit Blick auf das schrumpfende Neugeschäft und die Erosion der Bestände.

Weniger Kundenpotenzial

Die Bevölkerungs-Entwicklung und die sich verringernde Zahl der Selbständigen macht aus Klages’ Sicht „wenig Hoffnung auf Wachstum“ der Privaten. Zu ihren Neugeschäftszahlen zeigten sich die PKV-Unternehmen recht zugeknöpft. Deren Entwicklung sei „nur über Umweg schätzbar“ und „bei Teilen der Branche ein gut gehütetes Geheimnis“, schreibt Reinhard Klages. In Geschäftsberichten der Versicherer seien zum Neugeschäft kaum Angaben zu finden. Deswegen führe zu diesen Zahlen nur der Umweg über die Bestandsentwicklung.

Mit aktuell gut 8,8 Millionen Vollversicherten (auf die Bilanzen aller PKV-Unternehmen 2014 bezogen) ist deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent oder 55.600 Personen gesunken, berichtet der Map-Report unter Berufung auf den PKV-Verband. Absolut habe die Debeka Kranken ein Plus von gut 29.000 Vollversicherten erwirtschaftet, gefolgt von der Huk-Coburg (gut 4.000) und auf Platz drei die Hanse-Merkur (fast 2.000).

Die größten Netto-Verluste an Vollkunden verzeichneten die DKV und die Central mit jeweils gut 21.000 verlorenen Kunden. Diese beiden Abgangszahlen muss man allerdings ins Verhältnis zu den Unternehmensgrößen beider Versicherer setzen: Die DKV ist nach vollversicherten Personen gerechnet sieben Mal so groß wie die Central. Am drittmeisten ließ die Allianz Private Krankenversicherung Federn und verzeichnete einen Schwund von netto 13.800 Vollkunden.

Central-Zahlen verwässern die Statistik

Ein ähnliches Bild zu den genannten Versicherern zeigten auch die vergangenen sechs Jahre. In diesem Zeitraum haben dem Map-Report zufolge die Debeka knapp 160.000, die Hanse-Merkur gut 90.000 und die Axa 66.000 Personen ihrem Bestand hinzugefügt. Umgekehrt habe die Central innerhalb der letzten sechs Jahr mit mehr als 140.000 Personen-Abgängen inzwischen mehr als ein Viertel ihrer Vollversicherten eingebüßt. Daraus wird klar; ohne das schwarze Schaf mit den roten Zahlen bei Bestandsumme und Kundenzahl, die Central, würde die PKV-Branche öffentlich besser dastehen. Zumal die relativ kleine Central mit 21.000 verlorenen Vollkunden allen im Jahr 2014 den Minussaldo der Branche von gut 55.000 Personen überproportional steigert.

Im Schnitt steigen die Beitragserlöse der PKV im vergangenen Jahr um 0,8 Prozent. Überdurchschnittlich gewachsen seien die R+V Kranken mit 8,4 Prozent Mehreinnahmen, Provinzial (plus 7,67) und die Württembergische. Letztere mit einem Plus von 5,65 Prozent. „Von den Schwergewichten“ im PKV-Markt mit mehr als einer Milliarde Euro Beitragseinnahmen prosperierten die Axa mit 3,61 Prozent Prämienplus, Huk-Coburg (2,64 Prozent) und Debeka (2,25 Prozent). Bei anderen Größen wie DKV, Allianz oder Signal schrumpften die Einnahmen. Insgesamt hätten sechs der zehn größten PKV-Unternehmen Umsatz eingebüßt, weiß der Map-Report zu berichten.

Pflegefall Pflegeversicherung

Zu Pflegezusatzversicherungen gibt sich Map-Chef Reinhard Klages pessimistisch, wenn man die Geschäftszahlen dieser PKV-Sparte betrachtet. Er schreibt: „Wenn es in diesem Segment wirklich Wachstumspotential geben sollte, dann können die Anbieter von den bisherigen Resultaten nur wenig begeistert sein“. Im Jahr 2014 sei eine Zahl von 2,46 Millionen Personen erreicht worden, die einen Pflegezusatzschutz gekauft haben. Dieses Plus von 4,5 Prozent zu 2013 ist zwar mit Blick auf andere, geringere Wachstumsraten der PKV eine recht hohe Steigerungsrate in Zeiten allgemein schwieriger PKV-Geschäfte.

Aber bei gut 80 Millionen Bürgern hat die Pflegeversicherung noch ein riesiges, bisher nicht genutztes Absatzpotenzial. Die fleißigsten Pflege-Verkäufer sind laut Map-Report die DKV mit jetzt gut 380.000 Pflegekunden im Bestand. Bei der zweitplatzierten Allianz seien es fast 270.000. Rund 10.000 Pflege-Versicherte kann die Bayerische Beamten verzeichnen, wird berichtet. Staatlich geförderte Pflege-Bahr-Policen seien zwar um gut 55 Prozent öfter verkauft worden. Aber der aktuelle Bestand von 550.000 Verträgen liege unter den 1,5 Millionen Stück, die Politik und Branche vor gut zwei Jahren bei der Einführung der Förder-Pflegepolice veranschlagt hatten.

Dennoch will Map-Chef Klages nicht ausschließen, „dass die geförderte Pflegevorsorge-Versicherung noch ein Verkaufsschläger wird“. Die meisten Pflege-Bahr hortet die Debeka in ihrem Bestand: gut 96.000 Kunden. Bei der R+V seien es knapp 63.000 und bei der Central gut 48.434 Stück.

Wachstum der Rückstellungen

Während die Bestände „bröckelten“ (Map-Chef Klages) wie auch die Umsatzerlöse, wuchsen die Kapitalanlagen von 217,6 Milliarden Euro innerhalb eines Jahres auf knapp 232,0 Milliarden Euro. Gleiches gelte auch bei den Alterungsrückstellungen. Mit plus 6,4 Prozent hat die PKV jetzt 206 Milliarden Euro angehäuft, mit denen die Kundenbeiträge im Alter abgefedert werden.

Bei den fünf größten Versicherern stehen 115 Milliarden Euro an Rückstellungen in den Büchern, angeführt von der DKV mit mehr als 32 Milliarden Euro Reserven. Allein diese beiden Zahlen machen die volkswirtschaftliche Bedeutung der PKV im Ganzen und Unternehmen wie der DKV deutlich.

Aber auf der PKV ruhen auch Lasten, den die Kundengelder wollen auch rentierlich angelegt werden. Die Nettorendite der PKV-Unternehmen rutschte im Branchenschnitt von 4,03 Prozent im Vorjahr auf 3,91 Prozent. Andererseits haben die Niedrigzinsen die Bewertungsreserven in den Kapitalanlagen rasant ansteigen lassen, berichtet der Map-Report. Bei 20 Unternehmen haben sich die Reserven im Jahr 2014 mehr als verdoppelt, bei Mannheimer und Provinzial sogar verdreifacht, wird berichtet.

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Weniger Umdeckungen

„Nachdem die Politik im Jahr 2009 regulierend eingriff, gingen die Umdeckungen nach abwerbungsreichen Vorjahren jetzt deutlich zurück“, heißt es im Map-Report. Mit geringeren Umdeckungen wanderten seitdem auch weniger persönliche Alterungsrückstellungen zu anderen Versicherern. 2013 machte die Branche noch gut 130 Millionen mobil und schickte das Geld flüchtigen Kunden hinterher, zum neuen Krankenversicherer. Im vergangenen Jahr waren es nur noch knapp 75 Millionen Mitgift. Ein Minus von 40 Prozent, wird berichtet. Map-Chefredakteur Reinhard Klages’ Schlusswort: „Sollte der gegenwärtige Trend anhalten, hätte der Gesetzgeber dazu beigetragen eine fragwürdige Praxis im PKV-Vertrieb zu entschärfen.“

Map-Report
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