Berufsunfähigkeit nach Altersgruppen: Die wichtigsten Ursachen im Vergleich

Quelle: ChatGPT

Psychische Erkrankungen sind heute die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit und liegen deutlich vor Rückenleiden oder Krebs. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass sich die Ursachen je nach Alter deutlich verschieben. Für Vermittler liefert dieses Wissen wichtige Ansatzpunkte für eine bedarfsgerechte Beratung.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt zu den wichtigsten privaten Absicherungen überhaupt. Dennoch verbinden viele Verbraucher das Risiko einer Berufsunfähigkeit noch immer vor allem mit schweren Arbeitsunfällen oder körperlich belastenden Berufen. Die Realität sieht längst anders aus. Moderne Auswertungen zeigen, dass psychische Erkrankungen mittlerweile die mit Abstand häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit darstellen. Rückenleiden, Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen folgen mit deutlichem Abstand. Für Vermittler ist dieses Wissen weit mehr als eine interessante Statistik. Wer die tatsächlichen Ursachen kennt, kann Beratungsgespräche deutlich zielgerichteter führen und gleichzeitig mit verbreiteten Fehlannahmen aufräumen.

Nach aktuellen Auswertungen von Morgen & Morgen entfallen 32,34 Prozent aller Berufsunfähigkeitsfälle auf psychische Erkrankungen. Damit verursacht nahezu jeder dritte Leistungsfall Erkrankungen wie Depressionen, Burnout, Angststörungen oder andere psychische Leiden. Mit großem Abstand folgen Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates mit 17,61 Prozent sowie Krebs und andere bösartige Geschwülste mit 16,30 Prozent. Sonstige Erkrankungen erreichen einen Anteil von 13,84 Prozent. Deutlich seltener führen Erkrankungen des Nervensystems ohne psychische Ursachen (6,98 Prozent), Unfälle (6,85 Prozent) oder Herz- und Gefäßerkrankungen (6,08 Prozent) zu einer Berufsunfähigkeit. Die grafische Auswertung macht deutlich, dass klassische Unfallereignisse heute nur noch einen vergleichsweise kleinen Teil aller Leistungsfälle ausmachen.

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Auch Franke und Bornberg kommt in seiner BU-Leistungspraxisstudie 2026 zu einem vergleichbaren Ergebnis. Auf Basis von 36.128 ausgewerteten Leistungsfällen aus dem Jahr 2024 – mehr als 60 Prozent aller BU-Leistungsfälle in Deutschland – entfallen 28,35 Prozent aller anerkannten Berufsunfähigkeiten auf psychische Erkrankungen. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems folgen mit 18,77 Prozent, Krebserkrankungen mit 15,18 Prozent. Die Größenordnungen unterscheiden sich zwar leicht von den Daten von Morgen & Morgen, beide Untersuchungen kommen jedoch zum gleichen Ergebnis: Psychische Erkrankungen dominieren das Leistungsgeschehen der Berufsunfähigkeitsversicherung deutlich.

Interessant wird die Analyse beim Blick auf die verschiedenen Altersgruppen. Psychische Erkrankungen treffen keineswegs nur ältere Arbeitnehmer. Im Gegenteil: Gerade bei jüngeren Versicherten bis 40 Jahre liegt ihr Anteil mit 32,86 Prozent besonders hoch. Zwischen 41 und 50 Jahren sinkt der Wert leicht auf 30,88 Prozent und beträgt bei über 51-Jährigen immer noch 25,62 Prozent. Damit bleiben psychische Erkrankungen über alle Altersgruppen hinweg die häufigste Ursache einer Berufsunfähigkeit. Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates entwickeln sich dagegen genau entgegengesetzt. Während sie bei den unter 40-Jährigen lediglich 13,12 Prozent aller Leistungsfälle ausmachen, steigt ihr Anteil bei den über 51-Jährigen auf 21,40 Prozent. Rückenbeschwerden, Arthrose oder Bandscheibenerkrankungen gewinnen also mit zunehmendem Alter deutlich an Bedeutung.

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Auch Krebserkrankungen zeigen einen altersabhängigen Verlauf. Während sie bei jüngeren Versicherten 14,31 Prozent der Ursachen ausmachen, steigt ihr Anteil im mittleren Alter auf 17,41 Prozent und liegt bei älteren Versicherten bei 16,70 Prozent. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems nehmen ebenfalls mit zunehmendem Alter zu und steigen von 3,42 Prozent bei den unter 40-Jährigen auf 8,25 Prozent bei den über 51-Jährigen. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass sich das individuelle Risiko im Laufe des Erwerbslebens verändert und die Beratung deshalb immer auch die jeweilige Lebensphase berücksichtigen sollte.

Die Zahlen widerlegen zugleich ein weit verbreitetes Missverständnis. Viele Verbraucher verbinden Berufsunfähigkeit noch immer mit schweren Arbeitsunfällen. Tatsächlich machen Unfälle nach den aktuellen Auswertungen lediglich 6,85 Prozent aller BU-Ursachen aus. Die weitaus größere Gefahr entsteht durch Krankheiten, die sich häufig schleichend entwickeln und zunächst kaum wahrgenommen werden. Gerade psychische Erkrankungen beginnen oftmals mit anhaltender Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder Schlafstörungen und entwickeln sich über Monate oder Jahre zu einer dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Vermittler können diese Erkenntnis nutzen, um Kunden die Bedeutung einer frühzeitigen Absicherung verständlich zu machen.

Für die Beratung bedeutet dies auch, dass die klassische Unterscheidung zwischen körperlich und geistig tätigen Berufen zunehmend an Bedeutung verliert. Zwar bleibt das Berufsbild weiterhin ein wichtiger Faktor für die Beitragskalkulation. Das größte Einzelrisiko betrifft jedoch nahezu alle Berufsgruppen gleichermaßen. Psychische Belastungen entstehen nicht nur in Pflegeberufen oder im sozialen Bereich, sondern ebenso in kaufmännischen Berufen, bei Führungskräften oder Selbstständigen. Die zunehmende Digitalisierung, hohe Arbeitsverdichtung und permanente Erreichbarkeit dürften diese Entwicklung zusätzlich verstärken. Franke und Bornberg verweist zudem darauf, dass inzwischen auch bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente mehr als 40 Prozent aller neuen Bewilligungen auf psychische Erkrankungen zurückgehen.

Hinzu kommt, dass moderne Behandlungsmöglichkeiten zwar die Heilungschancen vieler Erkrankungen verbessern, gleichzeitig aber nicht zwangsläufig eine schnelle Rückkehr in den Beruf ermöglichen. Gerade psychische Erkrankungen, aber auch Krebserkrankungen oder chronische Rückenleiden führen häufig zu langen Ausfallzeiten. Dies zeigt sich auch in der Leistungsprüfung der Versicherer. Nach der BU-Leistungspraxisstudie 2026 dauern Leistungsentscheidungen bei psychischen Erkrankungen durchschnittlich 286 Tage bis zur Anerkennung und 278 Tage bis zur Ablehnung. Die komplexe Diagnostik und die schwierige Feststellung des tatsächlichen Grades der Berufsunfähigkeit verlängern die Prüfungsdauer erheblich.

Für Vermittler ergeben sich daraus mehrere Ansatzpunkte. Zum einen sollten Beratungsgespräche konsequent auf den tatsächlichen Krankheitsursachen aufbauen und nicht auf spektakulären Einzelfällen wie schweren Unfällen. Zum anderen lohnt sich eine altersgerechte Risikoansprache. Während bei jungen Kunden vor allem psychische Erkrankungen thematisiert werden können, gewinnen mit zunehmendem Alter Rückenleiden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs stärker an Bedeutung. Gleichzeitig zeigt die Statistik, dass eine Berufsunfähigkeit praktisch jede Berufsgruppe treffen kann. Wer ausschließlich auf körperlich belastende Tätigkeiten abstellt, greift deshalb zu kurz.

Die aktuellen Marktanalysen verdeutlichen außerdem, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung trotz hoher Produktqualität noch längst nicht flächendeckend verbreitet ist. Franke und Bornberg weist darauf hin, dass rund 46 Millionen Erwerbstätigen lediglich etwa sechs Millionen selbstständige Invaliditätspolicen gegenüberstehen. Gleichzeitig wurden 2024 zwar rund 440.000 Neuverträge abgeschlossen, der Bestandszuwachs lag jedoch lediglich bei rund 188.000 Verträgen. Angesichts der tatsächlichen Ursachen einer Berufsunfähigkeit und der hohen Zahl psychisch bedingter Leistungsfälle bleibt die Arbeitskraftabsicherung damit für einen großen Teil der Erwerbstätigen weiterhin eine der wichtigsten Beratungslücken im deutschen Versicherungsmarkt.