Gewerbe- und Industrieversicherung: Warum KI den Makler nicht ersetzt, sondern neu positioniert

Quelle: SureIn

Die Gewerbe- und Industrieversicherung steht vor einem doppelten Strukturwandel: Risiken werden komplexer, Kundenerwartungen steigen und zugleich verspricht Künstliche Intelligenz, Prozesse schneller, günstiger und skalierbarer zu machen. Doch gerade im Unternehmensgeschäft zeigt sich: Vollautomatisierung hat Grenzen.

Vom Sachbearbeiter zum Risikoarchitekten

Dies ist eine der Prognose von Daniel Dierkes, Gründer und Geschäftsführer von SureIn, im Podcast „Die Versicherungsbranche in 2030 Tagen“. Er sieht den größten Wandel nicht an der Kundenschnittstelle, sondern im „operativen Maschinenraum“ der Branche. Viele Unternehmen verbrächten noch immer enorme Zeit mit Koordination, Datenerfassung und manueller Prozesssteuerung. KI könne genau hier ansetzen.

„Standardprozesse werden wahrscheinlich sehr stark automatisiert sein oder vollständig digital ablaufen“, sagt Dierkes im Podcast.

Das heißt jedoch nicht, dass der persönliche Vertrieb verschwindet. Im Gegenteil: Gerade im Gewerbe- und Industriebereich bleibt Beratung zentral. Dierkes formuliert es deutlich: „Unternehmen kaufen ja nicht nur einfach ein Produkt, sondern oftmals liegt dem zugrunde eine komplexere Risikoentscheidung. Es braucht Vertrauen, es braucht Einordnung, es braucht jemanden, der Verantwortung übernimmt.“ Deshalb werde der Vertrieb künftig „viel weniger sachbearbeitend tätig sein“ und „viel mehr als Berater bzw. Risikoarchitekt und Marke gefragt sein“.

Aktuelle Markteinschätzungen stützen diese These. Das Allianz Risk Barometer 2026 sieht Cyber weiterhin als größtes Unternehmensrisiko weltweit; Künstliche Intelligenz steigt zugleich stark als Risikofaktor auf. Der GDV betont ebenfalls, dass Versicherer Unternehmen nicht nur entschädigen, sondern auch bei Risikoanalyse, Prävention und Resilienz unterstützen müssen. Für Makler bedeutet das: Wer nur Produktvergleiche liefert, wird austauschbarer. Wer Risiken analysiert, Prävention strukturiert und Entscheidern Orientierung gibt, gewinnt an Relevanz.

Schaden, Haftung, KI: Die neuen Grenzen der Automatisierung

Für Makler bedeutet das: Wer nur Produktvergleiche liefert, wird austauschbarer. Wer Risiken analysiert, Prävention strukturiert und Entscheidern Orientierung gibt, gewinnt an Relevanz. Denn auch Unternehmenskunden werden Geschwindigkeit und Transparenz erwarten. Dierkes sagt: „Die Erwartungshaltung, was Proaktivität, Prozessgeschwindigkeit angeht, die werden wir genauso auch im Gewerbe- und Industriebereich sehen.“

Besonders deutlich wird das im Schadenfall. KI kann Dokumente prüfen, Informationen bündeln, Kommunikation vorbereiten und Standardschäden beschleunigen. Doch Dierkes warnt vor überzogenen Erwartungen bei Großschäden: „Im Großschaden im Industriebereich sehe ich das ehrlicherweise nicht.“ Der Makler bleibe „als prüfende Instanz weiterhin in dem Loop“.

Hinzu kommt: KI wird selbst zum versicherbaren Risiko. „Wer haftet eigentlich bei Entscheidungen von autonomen Systemen? Wer versichert irgendwie KI-gestützte Prozesse? Oder welche neuen Risiken entstehen durch KI überhaupt?“, fragt Dierkes. Damit entstehen neue Haftungs-, Underwriting- und Beratungsfragen, die gerade im Gewerbe- und Industriebereich an Bedeutung gewinnen dürften.

Die Zukunft der Gewerbe- und Industrieversicherung ist damit weder menschenlos noch analog. Sie wird hybrider: KI übernimmt operative Vorarbeit, der Mensch verantwortet Einordnung, Vertrauen und Entscheidung. Genau darin liegt die neue Rolle des Maklers.

Das vollständige Gespräch mit Daniel Dierkes können Sie direkt hier hören oder im Versicherungsfunk auf Spotify & Apple-Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt.