#arschlochfreiezone: Der unterschätzte Wachstumsfaktor

Quelle: GründerFinanz

Ich habe 2020 von einem Kunden (den jeder von euch sogar kennt) 😉 zum ersten Mal den Begriff #arschlochfreiezone gehört und seitdem lässt er mich nicht mehr los.

Nicht, weil der Begriff besonders elegant ist. Im Gegenteil, er löst ja schon „hat der das wirklich gesagt“ Reaktionen aus. Aber er beschreibt ziemlich genau, wie ich arbeiten möchte, mit welchen Menschen ich arbeiten möchte und in welcher Welt aus meiner Sicht wirklich gute Dinge entstehen.

Für mich ist #arschlochfreiezone kein lustiger Hashtag und auch kein Spruch für die Bürowand. Es ist ein Arbeitsprinzip. Und ja, ich will es in die Welt rufen, weil ich glaube, dass deutlich mehr Menschen Lust bekommen sollten, in genauso einer Welt zu arbeiten. Es beschreibt sehr deutlich eine Haltung.

Ich möchte mit Menschen arbeiten, die bereit sind, ihr Bestes zu geben. Die nicht jeden Kontakt, jedes Gespräch und jede Zusammenarbeit sofort danach bewerten, was sie selbst maximal herausholen können. Sondern die verstanden haben, dass langfristig für alle mehr entsteht, wenn jeder erstmal bereit ist, etwas reinzugeben.

Give, give, give, ask…wie die Pirates hier in Köln sagen würden.

Erfolg wird stabiler und nachhaltiger.

So ungefähr fühlt es sich für mich an. Erst geben. Erst mitdenken. Erst helfen. Erst Verantwortung übernehmen. Erst schauen, wo man für andere einen echten Beitrag leisten kann. Und ja, natürlich muss am Ende auch wirtschaftlich etwas dabei herauskommen. Wir sind Unternehmerinnen und Unternehmer. Wir müssen Geld verdienen, Löhne zahlen, wachsen, investieren und gute Arbeit auch sauber bezahlt bekommen.

Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht kleiner wird, wenn man mit einer gebenden Haltung startet. Sondern im Gegenteil, Erfolg wird stabiler und nachhaltiger. Denn Vertrauen spart irgendwann unglaublich viel Zeit.

Wenn ein Kunde uns vertraut, müssen wir nicht jedes Gespräch bei null beginnen. Wir müssen nicht jede Empfehlung dreimal verteidigen. Wir müssen nicht permanent beweisen, dass wir auf seiner Seite stehen. Dann können wir schneller zum Punkt kommen und bessere Entscheidungen treffen.

Wenn wir einem Versicherer vertrauen, weil wir wissen, dass dort Menschen sitzen, die sauber prüfen, fair kommunizieren und wirklich an Lösungen interessiert sind, dann entsteht auch dort eine andere Qualität der Zusammenarbeit.

Wenn ein Team intern Vertrauen hat, dann muss nicht alles doppelt abgesichert, dreifach kontrolliert und politisch weichgespült werden. Dann können Menschen Verantwortung übernehmen und Dinge wirklich nach vorne bringen.

Genau darin liegt für mich das Potenzial der #arschlochfreienzone.

Sie macht Zusammenarbeit schneller, tiefer, produktiver und sie macht Wachstum gesünder. Denn Wachstum entsteht nicht nur durch mehr Leads, mehr Termine, mehr Umsatz oder mehr Prozesse. Wachstum entsteht auch dadurch, dass man mit den richtigen Menschen positiv verbunden ist.

  • Mit Kunden, die einen nicht nur als Lieferanten sehen, sondern als Partner.
  • Mit Versicherern, die nicht nur Risiken verwalten, sondern Verantwortung mittragen.
  • Mit Mitarbeitenden, die nicht nur Aufgaben erledigen, sondern mitdenken.
  • Mit Gründern und Gründerinnen, die nicht nur erwarten, sondern wertschätzen.

So entsteht ein Netzwerk, das mehr kann als ein einzelner Mensch oder ein einzelnes Unternehmen. Und genau das liebe ich an guter Maklerarbeit und wir Makler sitzen an einer ganz besonderen und fast einmaligen Schnittstelle zu vielen Welten.

Zwischen Unternehmen, Versicherern, Mitarbeitenden, Geschäftsführern, HR, Finance und manchmal auch Investoren. Wir sehen Risiken, Chancen, Entwicklungen, Sorgen und Ziele aus vielen Perspektiven.

Wenn wir diese Rolle nur nutzen, um Produkte zu verkaufen, machen wir unseren Job kleiner, als er ist. Wenn wir sie aber nutzen, um Menschen besser miteinander zu verbinden, Klarheit zu schaffen und Verantwortung in gute Hände zu legen, dann entsteht echter Wert für alle. Dann wird aus Versicherung mehr als ein Vertrag. Dann wird sie Teil von guter Unternehmensführung, Kultur und Wachstum.

Ein Beispiel ist auch die betriebliche Altersversorgung.

Wenn ein Arbeitgeber nur die gesetzlichen 15 Prozent Zuschuss gibt, dann ist das für mich kein Benefit. Das ist Pflichtprogramm. Kann man machen. Aber dann sollte man es nicht als große Arbeitgeberleistung verkaufen.

Ein echter Benefit beginnt da, wo ein Unternehmen sichtbar mehr tut als das Minimum. Wo Mitarbeitende merken: Hier denkt jemand wirklich an meine Zukunft. Wo HR nicht nur einen Haken an ein Pflichtthema macht, sondern ein Modell bekommt, das verstanden wird, das angenommen wird und das zum Unternehmen passt. Wo der Arbeitgeber sagt: Wir wollen nicht nur Gehalt zahlen. Wir wollen Verantwortung übernehmen. Genau dort entsteht Bindung.

Ein Kunde von uns nutzt z.B. für seine Versicherungs-Benefits den Satz: „We take care for you – today and tomorrow.“

Und ganz ehrlich: Genau so muss sich ein echtes Benefits-Konzept auch anfühlen. Nicht wie: „Schaut mal, wir haben da auch noch irgendwas mit Versicherung.“ Nicht wie ein hübscher HR-Slogan, der auf der Karriereseite gut aussieht und im echten Leben keinen Puls hat. Sondern wie ein echtes Versprechen. Heute kümmern wir uns um dich und morgen auch.

Das merkt man daran, dass ein Arbeitgeber bereit ist, in Vorleistung zu gehen. Dass er Zugänge schafft, die Mitarbeitende oft privat nicht bekommen würden. Dass er nicht nur fragt: „Was kostet uns das?“, sondern auch: „Was bringt es unseren Menschen wirklich?“

Genau da wird aus Versicherung plötzlich Kultur.

Ein Arbeitgeber gibt sein Bestes für sein Team. Nicht, weil er muss. Sondern weil er es ernst meint. Und wenn das Team diese Haltung spürt und selbst bereit ist, mit Offenheit, Motivation und Leistung zu antworten, dann entsteht keine Einbahnstraße, sondern eine #arschlochfreiezone.

Dann entsteht dieses gute Gefühl, dass nicht jeder nur seine eigene Seite optimiert, sondern alle gemeinsam etwas bauen, das größer ist als der einzelne Vorteil. Nicht jeder für sich. Sondern jeder mit Blick auf das gemeinsame Ergebnis.

Ich glaube, dass auch in unserer Branche noch viel mehr möglich ist, wenn wir so denken. Denn jede Beziehung gewinnt durch eine #arschlochfreiezone.

Wir reden oft über Courtagen, Regulierung, Produktqualität, Vergleichsprogramme, Haftungsfragen und Prozesse. Alles wichtig. Keine Frage. Aber wir reden zu selten darüber, welche Art von Beziehungen wir eigentlich bauen wollen.

Wollen wir Kunden, die uns nur beim Preis vergleichen? Oder wollen wir Kunden, die uns Verantwortung übertragen, weil sie wissen, dass wir unser Bestes geben? Wollen wir Versicherer nur als Gegner sehen, mit denen man um Bedingungen kämpft? Oder wollen wir Partnerschaften, in denen beide Seiten sauber, klar und lösungsorientiert arbeiten?

Wollen wir Mitarbeitende, die nur Aufgaben erledigen? Oder wollen wir Menschen im Team, die mitdenken, Verantwortung übernehmen und sich trauen, gute Entscheidungen zu treffen?

Für mich ist die Antwort klar.

Ich will Beziehungen, die wachsen können. Und dafür braucht es Vertrauen und Vertrauen ist nicht Blindheit, aber manchmal eben auch Bauchgefühl. Vertrauen heißt, dass man Verantwortung abgeben kann, ohne Angst zu haben, dass der andere sie ausnutzt.
Das ist ein riesiger Unterschied. Wenn ich Verantwortung in gute Hände legen kann, entsteht Freiheit.

  • Dann kann ich mich auf meine Aufgaben konzentrieren.
  • Dann kann der Kunde sich auf sein Unternehmen konzentrieren.
  • Dann kann das Team schneller handeln.
  • Dann können Versicherer und Makler besser zusammenarbeiten.
  • Dann entsteht eine harmonische Geschwindigkeit.

Und genau das ist für mich ein echter Wachstumsvorteil. Eine #arschlochfreiezone ist leistungsfähig, sympathisch, verbindlich und überhaupt nicht naiv.
Sie ist produktiv und gesund für Unternehmen und die Menschen darin. Und sie ist der tägliche Kompass für uns bei #GründerFinanz....und hat uns bisher am Ende immer in die richtige Richtung geführt.

Und als kleiner Wunsch zum Schluss: Eine verrückte Welt wie die aktuelle kann ein bisschen mehr #arschlochfreiezone sehr gut gebrauchen. Vielleicht fangen wir einfach damit an.

Über den Autor: Holger Hegemann ist Versicherungsmakler und Gründer und Geschäftsführer von GründerFinanz.