Finanzbildung: Deutschland verzichtet auf Finanz-PISA

Quelle: ChatGPT

Deutschland verzichtet auf eine Teilnahme am Finanzmodul der PISA-Studie 2029. Damit fällt die Chance weg, die Finanzkompetenz von Jugendlichen international zu vergleichen. Kritik an der Entscheidung der Bundesländer kommt von Verbraucherschützern.

Deutschland wird nicht am Finanzmodul der PISA-Studie 2029 teilnehmen. Die Anmeldefrist für das Finanzmodul ist abgelaufen, nachdem sich die Länder auf der jüngsten Bildungsministerkonferenz nicht auf eine Teilnahme einigen konnten. Damit verstreicht auch die einzige Möglichkeit in diesem Jahrzehnt, die Finanzkompetenz von Jugendlichen im internationalen Vergleich zu messen. Erst 2037 soll sich die nächste Gelegenheit zur Teilnahme an der OECD-Erhebung bieten.

Für die Finanztip Stiftung ist die Entscheidung der Bundesländer ein Rückschlag für die finanzielle Bildung in Deutschland. „Es ist schwer nachvollziehbar, dass sich die Länder trotz politischer Bekenntnisse zur Finanzbildung bei diesem wichtigen Thema nicht einigen konnten und das Ganze jetzt ein Jahrzehnt warten muss“, sagt Dr. Fabian Dany, Geschäftsführer der Finanztip Stiftung. „Finanzwissen entscheidet über Chancen im Leben. Eine Teilnahme an Finanz-PISA würde erstmals zeigen, wo wir in Sachen Finanzkompetenz bei Jugendlichen stehen – und welche Gruppen besonders Unterstützung brauchen.“

Besonders kritisch bewertet die Stiftung, dass es zuvor durchaus parteiübergreifende Unterstützung für eine Teilnahme gegeben habe. Politiker verschiedener Parteien hätten sich öffentlich positiv zum Finanz-PISA geäußert, konkrete Entscheidungen seien jedoch ausgeblieben. Nach Angaben der Stiftung hatten sich mehrere Landespolitiker und Fraktionen in den vergangenen Monaten für eine Teilnahme ausgesprochen oder entsprechende parlamentarische Initiativen gestartet. Dennoch sei es nicht gelungen, eine gemeinsame Linie der Bundesländer zu erreichen.

Der Vorgang zeige zugleich die Schwächen des deutschen Föderalismus. Statt unterschiedliche Bildungskonzepte anhand international vergleichbarer Daten bewerten zu können, fehle nun weiterhin eine belastbare Datengrundlage. „Die Bundesländer hätten die Chance, einen wesentlichen Vorteil des Föderalismus auszuspielen und zu testen, welche Konzepte in den verschiedenen Ländern wirksam funktionieren“, so Dany. „Ausgerechnet dieser Föderalismus kann sich aber noch nicht mal auf die Messung des Status quo einigen.“

Trotz der ausgebliebenen Teilnahme will die Finanztip Stiftung ihr Engagement für Finanzbildung fortsetzen. Aus Sicht der Organisation müsse finanzielle Bildung stärker in den Fokus rücken. Das gelte gerade vor dem Hintergrund, dass Bürger zunehmend selbst Verantwortung für ihre Altersvorsorge und ihren Vermögensaufbau übernehmen sollen. „Wenn die Politik Jugendlichen sagt, dass sie selbst vorsorgen sollen, muss sie ihnen auch das nötige Wissen vermitteln“, betont Dany.