Dass Deutschland beim durchschnittlichen Vermögen weltweit Rang 13 belegt, beim Medianvermögen jedoch lediglich Rang 30 erreicht, ist kein Widerspruch. Vielmehr verdeutlicht dieser Abstand, dass Vermögen hierzulande vergleichsweise ungleich verteilt ist. Während einzelne sehr vermögende Haushalte den Durchschnitt deutlich nach oben ziehen, verfügt die Mitte der Bevölkerung über wesentlich geringere Vermögen.
Ein Grund dafür ist die Vermögensstruktur in Deutschland. Im europäischen Vergleich besitzen deutlich weniger Haushalte selbstgenutztes Wohneigentum als etwa in Italien, Spanien oder Belgien. Gerade selbst genutzte Immobilien stellen in vielen europäischen Ländern den größten Vermögensbaustein privater Haushalte dar und erhöhen das Medianvermögen erheblich. Hinzu kommt, dass Deutschland einen vergleichsweise hohen Anteil an Mietern sowie eine stärkere Konzentration großer Vermögen aufweist.
UBS verweist zudem darauf, dass Unterschiede bei Wohneigentum, privater Altersvorsorge, steuerlichen Rahmenbedingungen sowie der jeweiligen Anlage- und Sparmentalität entscheidend dafür sind, wie Vermögen innerhalb eines Landes verteilt ist. Deshalb schneiden Länder wie Belgien oder Italien beim Medianvermögen deutlich besser ab, obwohl ihr durchschnittliches Vermögen teilweise unter dem Deutschlands liegt.
Mehr Millionäre – Deutschland auf Rang vier
Auch die Zahl der Dollar-Millionäre wächst weiter. Weltweit kamen 2025 knapp eine Million neue Millionäre hinzu. Deutschland verzeichnete einen Zuwachs um 24.263 Personen beziehungsweise 0,9 Prozent. Insgesamt leben damit rund 2,65 Millionen Dollar-Millionäre in Deutschland. Das reicht weltweit für Rang vier hinter den USA (23,6 Millionen), China (5,3 Millionen) und Japan (2,9 Millionen) sowie vor Großbritannien und Frankreich.
Beim Wachstum liegt Deutschland allerdings hinter zahlreichen europäischen Ländern. Litauen (+8,0 Prozent), die Türkei (+6,4 Prozent), Lettland (+5,7 Prozent), Ungarn (+5,3 Prozent) und Irland (+5,2 Prozent) verzeichneten deutlich höhere Zuwächse. Auch Spanien (+3,1 Prozent), Italien (+2,4 Prozent), Frankreich (+1,5 Prozent) und Großbritannien (+1,8 Prozent) entwickelten sich dynamischer.
Deutschland profitiert von langfristigem Vermögensaufbau
Positiv fällt der langfristige Blick aus. Seit dem Jahr 2000 ist in Deutschland der Anteil der Menschen mit sehr niedrigen Vermögen kontinuierlich gesunken, während die höheren Vermögensklassen stetig gewachsen sind. Deutschland zählt damit laut UBS zu den wenigen großen Volkswirtschaften, in denen sich dieser Trend über nahezu das gesamte Vierteljahrhundert fortgesetzt hat.
Gleichzeitig wächst auch das Vermögen besonders wohlhabender Deutscher. Seit der Jahrtausendwende stieg die Zahl der Personen mit Vermögen zwischen fünf und 100 Millionen US-Dollar jährlich um gut sechs Prozent. Das Vermögen dieser Gruppe nahm im gleichen Zeitraum sogar um rund sieben bis acht Prozent pro Jahr zu.
Europa profitiert vom Währungseffekt
Europa zählt 2025 zu den größten Gewinnern der weltweiten Vermögensentwicklung. Während das Vermögen in Westeuropa um rund 17 Prozent und in Osteuropa sogar um 28 Prozent zunahm, fiel das Plus im asiatisch-pazifischen Raum mit knapp sechs Prozent deutlich geringer aus. Nordamerika kam auf rund neun Prozent Wachstum. Ausschlaggebend war neben der positiven Entwicklung der Kapitalmärkte insbesondere der schwächere US-Dollar, der europäische Vermögen in Dollar gerechnet aufwertete.
Deutschland profitiert damit zwar von einem insgesamt starken europäischen Umfeld. Der Vergleich mit Ländern wie Belgien, Italien oder den Niederlanden zeigt jedoch, dass die Vermögensverteilung innerhalb Deutschlands weiterhin ungleich ausfällt und ein hoher Durchschnittsreichtum nicht automatisch bedeutet, dass auch die breite Bevölkerung über entsprechend hohe Vermögen verfügt.