Vermögen auf Rekordkurs: Warum Deutschland im Europa-Vergleich trotzdem zurückfällt

Quelle: ChatGPT

Das Vermögen der Bundesbürger wächst. Insgesamt gehört Deutschland zwar weiter zu den wohlhabendsten Ländern der Welt, bei der Vermögensverteilung offenbaren sich jedoch deutliche Unterschiede.

Das Privatvermögen ist 2025 weltweit kräftig gestiegen. Besonders Europa profitierte von der Entwicklung der Finanzmärkte und einem schwächeren US-Dollar. Deutschland behauptet sich dabei als eines der vermögendsten Länder der Welt. Allerdings zeigt der neue Global Wealth Report 2026 von UBS auch, dass hohe Durchschnittsvermögen nicht automatisch bedeuten, dass die breite Bevölkerung ähnlich wohlhabend ist.

Weltweit legte das persönliche Vermögen im vergangenen Jahr um 10,8 Prozent zu. Es ist bereits das dritte Wachstumsjahr in Folge. Getrieben wurde die Entwicklung sowohl von steigenden Finanzmärkten als auch von höheren Sachvermögen. Besonders stark entwickelte sich die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA), deren Vermögen um knapp 18 Prozent zulegte. Hintergrund war unter anderem die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Da der Report Vermögen in US-Dollar ausweist, fielen die Vermögenszuwächse europäischer Länder entsprechend höher aus.

Deutschland unter den Top 15 der vermögendsten Länder

Deutschland gehört weiterhin zur Spitzengruppe der vermögendsten Volkswirtschaften. Das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem liegt laut UBS bei 346.613 US-Dollar. Damit belegt Deutschland weltweit Rang 13 und liegt vor Frankreich (341.359 US-Dollar), Taiwan und Irland. Angeführt wird das Ranking von der Schweiz mit 910.382 US-Dollar pro Erwachsenem vor den USA und Luxemburg.

Ein anderes Bild ergibt sich jedoch beim Medianvermögen. Dieses beschreibt den Vermögenswert, bei dem die eine Hälfte der Bevölkerung mehr und die andere Hälfte weniger besitzt. Hier landet Deutschland mit 53.485 US-Dollar lediglich auf Rang 30 und liegt deutlich hinter Ländern wie Italien (131.001 US-Dollar), Frankreich (121.898 US-Dollar), Spanien (111.575 US-Dollar), Belgien (277.166 US-Dollar) oder den Niederlanden (127.407 US-Dollar). UBS weist ausdrücklich darauf hin, dass Durchschnittswerte durch sehr vermögende Personen nach oben verzerrt werden können. Deshalb liefere erst die Kombination aus Durchschnitts- und Medianvermögen ein realistisches Bild der Vermögenslage eines Landes.

Die große Differenz zwischen Durchschnitts- und Medianvermögen deutet auf eine vergleichsweise ungleiche Vermögensverteilung hin. Tatsächlich rangiert Deutschland beim Vermögens-Gini-Koeffizienten mit einem Wert von 0,67 auf Platz 22 der untersuchten Länder. Damit ist die Vermögenskonzentration höher als etwa in Frankreich (0,57), Spanien (0,57), Italien (0,54), Belgien (0,46) oder der Slowakei (0,38). Zugleich verweist UBS darauf, dass sich die Vermögensverteilung nicht allein aus der Wirtschaftskraft erklären lässt. Faktoren wie Wohneigentum, private Altersvorsorge, steuerliche Rahmenbedingungen oder die jeweilige Anlagekultur beeinflussen maßgeblich, wie Vermögen innerhalb eines Landes verteilt ist.

Finanzanlagen treiben das Vermögenswachstum

Ein wesentlicher Treiber des Vermögensaufbaus waren 2025 erneut die Finanzmärkte. In Deutschland bestehen 43,6 Prozent des Bruttovermögens aus Finanzanlagen wie Aktien, Fonds, Anleihen oder Bankguthaben. Damit liegt die Bundesrepublik im internationalen Mittelfeld. Länder wie Israel (82,1 Prozent), Taiwan (80,8 Prozent), die USA (78,9 Prozent) oder die Schweiz (65,3 Prozent) weisen deutlich höhere Anteile an Finanzvermögen auf. Dagegen spielen Immobilienvermögen in Deutschland weiterhin eine größere Rolle als in vielen kapitalmarktorientierten Volkswirtschaften.

Dass die weltweiten Vermögen 2025 deutlich zulegten, ist daher auch auf die positive Entwicklung an den Börsen zurückzuführen. Von steigenden Aktienkursen profitierten vor allem Haushalte mit umfangreichen Wertpapierportfolios. In Deutschland wirkt dieser Effekt zwar ebenfalls, fällt aufgrund der im internationalen Vergleich zurückhaltenderen Aktienkultur jedoch weniger stark aus als etwa in den USA oder der Schweiz.

Warum Deutschland beim Medianvermögen so weit zurückliegt

Dass Deutschland beim durchschnittlichen Vermögen weltweit Rang 13 belegt, beim Medianvermögen jedoch lediglich Rang 30 erreicht, ist kein Widerspruch. Vielmehr verdeutlicht dieser Abstand, dass Vermögen hierzulande vergleichsweise ungleich verteilt ist. Während einzelne sehr vermögende Haushalte den Durchschnitt deutlich nach oben ziehen, verfügt die Mitte der Bevölkerung über wesentlich geringere Vermögen.

Ein Grund dafür ist die Vermögensstruktur in Deutschland. Im europäischen Vergleich besitzen deutlich weniger Haushalte selbstgenutztes Wohneigentum als etwa in Italien, Spanien oder Belgien. Gerade selbst genutzte Immobilien stellen in vielen europäischen Ländern den größten Vermögensbaustein privater Haushalte dar und erhöhen das Medianvermögen erheblich. Hinzu kommt, dass Deutschland einen vergleichsweise hohen Anteil an Mietern sowie eine stärkere Konzentration großer Vermögen aufweist.

UBS verweist zudem darauf, dass Unterschiede bei Wohneigentum, privater Altersvorsorge, steuerlichen Rahmenbedingungen sowie der jeweiligen Anlage- und Sparmentalität entscheidend dafür sind, wie Vermögen innerhalb eines Landes verteilt ist. Deshalb schneiden Länder wie Belgien oder Italien beim Medianvermögen deutlich besser ab, obwohl ihr durchschnittliches Vermögen teilweise unter dem Deutschlands liegt.

Mehr Millionäre – Deutschland auf Rang vier

Auch die Zahl der Dollar-Millionäre wächst weiter. Weltweit kamen 2025 knapp eine Million neue Millionäre hinzu. Deutschland verzeichnete einen Zuwachs um 24.263 Personen beziehungsweise 0,9 Prozent. Insgesamt leben damit rund 2,65 Millionen Dollar-Millionäre in Deutschland. Das reicht weltweit für Rang vier hinter den USA (23,6 Millionen), China (5,3 Millionen) und Japan (2,9 Millionen) sowie vor Großbritannien und Frankreich.

Beim Wachstum liegt Deutschland allerdings hinter zahlreichen europäischen Ländern. Litauen (+8,0 Prozent), die Türkei (+6,4 Prozent), Lettland (+5,7 Prozent), Ungarn (+5,3 Prozent) und Irland (+5,2 Prozent) verzeichneten deutlich höhere Zuwächse. Auch Spanien (+3,1 Prozent), Italien (+2,4 Prozent), Frankreich (+1,5 Prozent) und Großbritannien (+1,8 Prozent) entwickelten sich dynamischer.

Deutschland profitiert von langfristigem Vermögensaufbau

Positiv fällt der langfristige Blick aus. Seit dem Jahr 2000 ist in Deutschland der Anteil der Menschen mit sehr niedrigen Vermögen kontinuierlich gesunken, während die höheren Vermögensklassen stetig gewachsen sind. Deutschland zählt damit laut UBS zu den wenigen großen Volkswirtschaften, in denen sich dieser Trend über nahezu das gesamte Vierteljahrhundert fortgesetzt hat.

Gleichzeitig wächst auch das Vermögen besonders wohlhabender Deutscher. Seit der Jahrtausendwende stieg die Zahl der Personen mit Vermögen zwischen fünf und 100 Millionen US-Dollar jährlich um gut sechs Prozent. Das Vermögen dieser Gruppe nahm im gleichen Zeitraum sogar um rund sieben bis acht Prozent pro Jahr zu.

Europa profitiert vom Währungseffekt

Europa zählt 2025 zu den größten Gewinnern der weltweiten Vermögensentwicklung. Während das Vermögen in Westeuropa um rund 17 Prozent und in Osteuropa sogar um 28 Prozent zunahm, fiel das Plus im asiatisch-pazifischen Raum mit knapp sechs Prozent deutlich geringer aus. Nordamerika kam auf rund neun Prozent Wachstum. Ausschlaggebend war neben der positiven Entwicklung der Kapitalmärkte insbesondere der schwächere US-Dollar, der europäische Vermögen in Dollar gerechnet aufwertete.

Deutschland profitiert damit zwar von einem insgesamt starken europäischen Umfeld. Der Vergleich mit Ländern wie Belgien, Italien oder den Niederlanden zeigt jedoch, dass die Vermögensverteilung innerhalb Deutschlands weiterhin ungleich ausfällt und ein hoher Durchschnittsreichtum nicht automatisch bedeutet, dass auch die breite Bevölkerung über entsprechend hohe Vermögen verfügt.