Viele Freelancer unterschätzen die finanziellen Folgen beruflicher Fehler. Mehr als jeder dritte Selbstständige arbeitet ohne Berufshaftpflichtversicherung. Gleichzeitig werden zentrale Haftungsrisiken häufig nicht als Bedrohung wahrgenommen.
Freelancer setzen bei ihrer Arbeit häufig auf Fachwissen, Erfahrung und Professionalität. Beim Thema Absicherung zeigt sich jedoch eine erhebliche Lücke. Das geht aus der Freelancer-Studie 2026 von freelance.de hervor, die gemeinsam mit dem Spezialversicherer Hiscox durchgeführt wurde. Demnach verfügen 41 Prozent der befragten Freelancer über keine Berufshaftpflichtversicherung. Noch alarmierender: Fast jeder Vierte (23 Prozent) gibt an, überhaupt keine Versicherung abgeschlossen zu haben.
Damit tragen viele Selbstständige das finanzielle Risiko möglicher Schadenersatzforderungen allein. Kommt es zu einem Fehler im Projekt, zu Streitigkeiten mit Auftraggebern oder zu rechtlichen Auseinandersetzungen, müssen die entstehenden Kosten aus eigenen Rücklagen finanziert werden. Im Ernstfall kann dies die wirtschaftliche Existenz gefährden.
Doch die Studie zeigt nicht nur Defizite beim Versicherungsschutz, sondern auch bei der Einschätzung möglicher Haftungsrisiken. Viele Freelancer halten typische Schadenursachen offenbar für wenig relevant. So betrachten lediglich 31 Prozent Schäden durch Projektverzögerungen, Projektausfälle oder Projektabbrüche als relevantes Risiko. Noch geringer fällt die Risikowahrnehmung bei mangelhafter Leistung oder Fehlberatung aus. Hier sehen nur 18 Prozent der Befragten eine ernsthafte Gefahr. Die Verletzung von Rechten Dritter, beispielsweise durch Urheberrechtsverletzungen, wird sogar lediglich von 12 Prozent als relevantes Risiko eingestuft.
Diese Einschätzungen stehen im deutlichen Gegensatz zu den Erfahrungen aus der Schadenpraxis. „Wir sehen täglich, wie schnell kleine Fehler für Freelancer teuer werden können“, sagt Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability bei Hiscox. Insbesondere Projektverzögerungen zählen zu den häufigsten Schadenursachen. Hinzu kommen Konflikte rund um Urheberrechte oder andere Ansprüche von Auftraggebern und Dritten.