Ein Blick auf die Spitzengruppe zeigt zunächst eine bemerkenswerte Vielfalt unterschiedlicher Unternehmensprofile. Mit Allianz, Generali und Provinzial finden sich mehrere große Versicherungsgruppen unter den Bestplatzierten. Gleichzeitig erreichen mit der LV 1871, InterRisk und der Hannoverschen auch Anbieter Spitzenplätze, die im Lebensversicherungsmarkt deutlich kleiner sind als die großen Branchenkonzerne.
Auffällig ist zudem die Bandbreite der Geschäftsmodelle. Die Spitzengruppe vereint klassische Mehrspartenversicherer, Maklerversicherer, Direktversicherer sowie Spezialisten für biometrische Risiken. Das spricht dafür, dass hohe Weiterempfehlungswerte offenbar nicht an eine bestimmte Unternehmensgröße oder einen bestimmten Vertriebsweg gebunden sind.
Bemerkenswert erscheint außerdem die unterschiedliche Rolle der Berufsunfähigkeitsversicherung innerhalb der Unternehmen. Während Anbieter wie die LV 1871 seit Jahren stark im Geschäft mit Berufsunfähigkeitsversicherungen positioniert sind, stammen andere Unternehmen der Spitzengruppe traditionell aus dem Geschäft mit Risikolebensversicherungen und bieten die Berufsunfähigkeitsversicherung als Teil eines breiteren biometrischen Geschäfts an. Daneben finden sich große Versicherungsgruppen, bei denen die BU nur eines von mehreren wichtigen Geschäftsfeldern innerhalb eines breit diversifizierten Lebensversicherungsgeschäfts ist. Die Ergebnisse legen damit nahe, dass es keinen einheitlichen Weg zu hohen Weiterempfehlungswerten gibt.
Rang 1: Generali (21,0 Punkte / Höchste Weiterempfehlung)
Die Generali zählt zu den größten Versicherungsgruppen Deutschlands. Bemerkenswert ist dabei die Stellung der Berufsunfähigkeitsversicherung innerhalb des Geschäftsmodells. Anders als bei einigen spezialisierten BU-Anbietern wird das Lebensversicherungsgeschäft der Generali heute vor allem von fonds- und indexgebundenen Produkten geprägt.
Nach Vertragszahlen entfielen 2024 rund 68 Prozent des Bestands auf fonds- und indexgebundene Versicherungen. Rentenversicherungen einschließlich selbstständiger Berufsunfähigkeitsversicherungen kamen dagegen auf 16 Prozent des Vertragsbestands. Auch nach laufenden Beiträgen dominieren fonds- und indexgebundene Produkte mit 78 Prozent deutlich das Geschäft, während Rentenversicherungen einschließlich selbstständiger Berufsunfähigkeitsversicherungen auf zwölf Prozent kommen.
Gleichzeitig verfügt die Generali über einen der größten Bestände an Berufsunfähigkeits- und Invaliditäts-Zusatzversicherungen im Markt. Ende 2024 verwaltete der Konzern 1.238.133 Verträge in diesem Segment und belegte damit Rang zwei hinter der Allianz.
Die Spitzenplatzierung zeigt damit, dass hohe Weiterempfehlungswerte nicht nur von spezialisierten BU-Anbietern erreicht werden. Obwohl die Berufsunfähigkeitsversicherung innerhalb des Lebensversicherungsgeschäfts der Generali nur einen Teil eines deutlich breiter aufgestellten Vorsorgeangebots ausmacht, sprechen die Kunden dieses Segments besonders häufig Weiterempfehlungen aus.
Rang 2: LV 1871 (20,9 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Ganz anders stellt sich die Situation bei der LV 1871 dar. Das Münchner Unternehmen gilt seit Jahren als einer der profiliertesten Anbieter im Geschäft mit Berufsunfähigkeitsversicherungen. Kaum ein anderer Lebensversicherer wird von Vermittlern und Marktbeobachtern so stark mit diesem Produktsegment in Verbindung gebracht.
Gleichzeitig ist der Bestand deutlich breiter aufgestellt, als es das Image als BU-Anbieter vermuten lässt. Nach Vertragszahlen entfielen 2024 rund 34 Prozent des Bestands auf Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Weitere 28 Prozent machten klassische Kapitalversicherungen aus, während fonds- und indexgebundene Produkte auf 25 Prozent kamen. Risikolebensversicherungen spielen dagegen nur eine vergleichsweise geringe Rolle.
Bemerkenswert ist damit vor allem die Kombination aus ausgeprägter BU-Positionierung und einer breit diversifizierten Bestandsstruktur. Anders als bei einigen Wettbewerbern basiert die Wahrnehmung der LV 1871 nicht auf ihrer Größe, sondern auf ihrer langjährigen Spezialisierung. Die Platzierung unterstreicht, dass auch mittelgroße Lebensversicherer im Wettbewerb um Kundenzustimmung und Weiterempfehlungen mit den großen Versicherungskonzernen mithalten können.
Rang 3: CosmosDirekt (20,7 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Noch einmal anders stellt sich die Situation bei CosmosDirekt dar. Der Versicherer gehört zu jenen Unternehmen, deren Geschäft traditionell vor allem von der Risikolebensversicherung geprägt wird. Nach Vertragszahlen entfielen 2024 rund 59 Prozent des Bestands auf Risikolebensversicherungen, während Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen auf 21 Prozent kamen. Fonds- und indexgebundene Produkte ergänzen das Angebot, während Kollektivversicherungen praktisch keine Rolle spielen.
Wie groß das BU-Geschäft tatsächlich ist, lässt sich allerdings nur näherungsweise bestimmen. Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen werden auch hier gemeinsam mit den Rentenversicherungen ausgewiesen. Separat erfasst werden lediglich Berufsunfähigkeits- und Invaliditäts-Zusatzversicherungen, deren Bestand Ende 2024 bei 133.446 Verträgen lag.
Rang 4: Allianz (20,2 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Mit der Allianz folgt auf Rang vier der mit Abstand größte Lebensversicherer Deutschlands. Der Münchner Konzern vereint mehr als ein Viertel aller verdienten Bruttobeiträge des deutschen Lebensversicherungsmarktes auf sich und prägt zahlreiche Segmente der privaten Altersvorsorge.
Anders als bei vielen anderen Anbietern der Spitzengruppe spielt die Berufsunfähigkeitsversicherung dabei nicht als Spezialsegment, sondern als Teil eines breit diversifizierten Lebensversicherungsgeschäfts eine Rolle. Nach Vertragszahlen entfielen 2024 rund 44 Prozent des Bestands auf Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Damit liegt die Allianz deutlich über dem Marktdurchschnitt von 27 Prozent. Hinzu kommen fondsgebundene Produkte, Kollektivversicherungen sowie klassische Vorsorgelösungen.
Gleichzeitig verfügt die Allianz über den größten Bestand an Berufsunfähigkeits- und Invaliditäts-Zusatzversicherungen im deutschen Markt. Ende 2024 verwaltete das Unternehmen 2,46 Millionen Verträge in diesem Segment und damit nahezu doppelt so viele wie die zweitplatzierte Generali. Die Platzierung zeigt damit, dass hohe Weiterempfehlungswerte nicht allein von spezialisierten Anbietern erreicht werden. Auch der Marktführer mit seinem breit diversifizierten Geschäftsmodell und seiner starken Stellung im Vorsorgegeschäft gehört zu den bestbewerteten Unternehmen der Studie.
Rang 5: InterRisk (19,8 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Deutlich kleiner als die bislang genannten Unternehmen ist die InterRisk. Der Wiesbadener Versicherer hat sich jedoch eine klare Positionierung im Geschäft mit biometrischen Risiken erarbeitet und bezeichnet sich selbst ausdrücklich als Maklerversicherer.
Anders als bei der LV 1871 wird das Geschäft allerdings nicht von der Berufsunfähigkeitsversicherung dominiert. Vielmehr prägt die Risikolebensversicherung das Unternehmen bis heute. Knapp 70 Prozent der laufenden Beiträge im Bestand entfielen 2024 auf dieses Segment. Die Berufsunfähigkeitsversicherung spielt zwar eine wichtige Rolle, steht jedoch neben dem traditionell starken Risikolebengeschäft.
Auffällig ist allerdings die Dynamik im BU-Geschäft. 2024 stieg das Neugeschäft in der Berufsunfähigkeitsversicherung um 30,8 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der BU an der Neuproduktion von 15,4 auf 21,9 Prozent. Damit gewann die Sparte innerhalb des Unternehmens spürbar an Bedeutung.
Die Platzierung gehört damit zu den bemerkenswertesten Ergebnissen der Studie. Obwohl die InterRisk weder zu den großen Lebensversicherern zählt noch ihr Geschäft schwerpunktmäßig auf die Berufsunfähigkeitsversicherung ausrichtet, erreicht sie einen Spitzenplatz im Weiterempfehlungsranking. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch spezialisierte Nischenanbieter mit vergleichsweise fokussierten Geschäftsmodellen eine hohe Kundenzustimmung erzielen können.
Rang 6: Provinzial (19,6 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Wieder anders stellt sich das Profil der Provinzial dar. Die Versicherungsgruppe zählt zu den großen Lebensversicherern Deutschlands und verbindet ihre traditionell starke regionale Verankerung mit einem breit aufgestellten Vorsorgegeschäft.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist dabei Teil eines diversifizierten Bestands. Nach laufenden Beiträgen entfielen 2024 rund 28 Prozent auf Rentenversicherungen einschließlich selbstständiger Berufsunfähigkeitsversicherungen. Hinzu kamen 35 Prozent fonds- und indexgebundene Versicherungen, weitere 20 Prozent klassische Kapitalversicherungen sowie 12 Prozent Risikoversicherungen. Ergänzend weist die Provinzial für Ende 2024 einen Bestand von 253.785 Berufsunfähigkeits- und Invaliditäts-Zusatzversicherungen aus.
Rang 7: Hannoversche (19,2 Punkte / Hohe Weiterempfehlung)
Noch deutlicher als bei CosmosDirekt liegen die Wurzeln der Hannoverschen im Geschäft mit Risikolebensversicherungen. Das Unternehmen zählt seit Jahren zu den bekanntesten Direktversicherern Deutschlands und ist Marktführer in der Risikolebensversicherung. Rund 70 Prozent der Verträge entfallen auf dieses Segment.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung spielt dennoch eine wachsende Rolle innerhalb des Geschäftsmodells. Nach Angaben des Unternehmens wurde der Ausbau des Invaliditätsgeschäfts seit 2024 fortgesetzt. Der Vorstand berichtet von einem deutlich marktüberdurchschnittlichen Wachstum bei Beitrag und Stückzahl.
Wie groß das BU-Geschäft tatsächlich ist, lässt sich allerdings nur näherungsweise bestimmen. Separat ausgewiesen werden für Ende 2024 insgesamt 59.807 Berufsunfähigkeits- und Invaliditäts-Zusatzversicherungen mit einer abgesicherten Jahresrente von 8,1 Mrd. Euro. Hinzu kommen selbstständige Berufsunfähigkeits- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, die im Geschäftsbericht gemeinsam mit den Rentenversicherungen ausgewiesen werden und deshalb nicht isoliert erfasst werden können.
Die Platzierung unterstreicht damit einen Befund, der sich bereits bei CosmosDirekt und InterRisk zeigte. Hohe Weiterempfehlungswerte erreichen nicht nur etablierte BU-Anbieter oder große Lebensversicherungskonzerne. Auch Unternehmen, deren Geschäft traditionell von der Risikolebensversicherung geprägt wird und die das Berufsunfähigkeitsgeschäft erst schrittweise ausgebaut haben, finden sich in der Spitzengruppe der Studie.