Die PKV-Falle und der Notausgang im Ausland

Quelle: Insurancy

Es sitzen seit einiger Zeit andere Leute an meinem Beratungstisch als früher, und ich vermute, einige von euch beobachten dasselbe. Nicht mehr nur Abenteurer und Rentner, die vom Leben unter Palmen träumen. Sondern Menschen, die alles richtig gemacht haben: gut verdienend, gesund, vor zwanzig Jahren bewusst in die private Krankenversicherung gegangen. Und die heute fragen, wie sie wieder herauskommen, oder besser: wie sie ganz aus dem System herauskommen, indem sie auswandern.

Das hat mich anfangs überrascht. Inzwischen nicht mehr.

Warum die PKV für viele zur Last wird

Wer von euch internationale Krankenversicherung vermittelt, kennt die drei Gründe, die in fast jedem dieser Gespräche fallen.

Erstens steigt der Beitrag trotz Alterungsrückstellungen, weil medizinische Kosten, Lebenserwartung und Niedrigzins die Kalkulation immer wieder einholen. Beitragsanpassungen sind kein Ausnahmefall, sondern Rhythmus. Zweitens kommt der Druck genau zum falschen Zeitpunkt, im Ruhestand, wenn das Einkommen sinkt, der Beitrag aber bleibt oder weiter steigt. Und drittens gibt es kaum einen Weg zurück: Wer einmal über 55 ist und privat versichert war, kommt praktisch nicht mehr in die gesetzliche Kasse. Die Tür ist zu.

Für einen wachsenden Teil unserer Klientel ist die Auswanderung damit keine romantische Flucht, sondern eine wirtschaftliche Entscheidung. Sie zahlen mit 58 schon 800 bis über 1.000 Euro im Monat und sehen die Kurve, die noch vor ihnen liegt.

Die Rechnung, die im Raum still wird

Rechnet das einmal mit einem eurer privatversicherten Mandanten Mitte 50 durch. Nehmen wir einen typischen Fall: 58 Jahre, gesund, privat vollversichert, Beitrag rund 900 Euro im Monat, Tendenz steigend. Geht dieselbe Person nach Portugal und schließt eine vollwertige internationale Krankenversicherung ab, stationär, ambulant, Zahn, freie Arztwahl, unbegrenzte Jahresleistung, liegt sie bei rund 300 Euro im Monat. Und wer es noch günstiger will, geht weiter weg: In einem Land wie Paraguay, einer der klassischen deutschen Auswanderer-Destinationen, kostet dieselbe vollwertige Police eher 225 Euro.

Das sind 600 bis 700 Euro Unterschied. Im Monat. Und der private Beitrag daheim wäre in den Folgejahren weitergeklettert, nicht gesunken.

Wir verkaufen an dieser Stelle nichts. Wir rechnen nur. Und genau deshalb sollten wir über diese Rechnung reden.

Manche unserer Mandanten wandern nicht aus Abenteuerlust aus, sondern weil sie sich ihre eigene private Krankenversicherung nicht mehr leisten können.

Der ehrliche Haken, den wir benennen müssen

Ohne diesen Teil wäre die Rechnung eine Mogelpackung, und sie gehört in jede seriöse Beratung: Die internationale Krankenversicherung bildet keine Alterungsrückstellungen. Anders als die PKV legt sie nichts fürs Alter zurück. Der niedrige Beitrag ist deshalb teilweise nur aufgeschobene Last. Derselbe Tarif, der mit 58 rund 300 Euro kostet, liegt mit 70 bei rund 480 Euro und mit 80 bei rund 750 Euro. Das klingt nach viel, ist aber immer noch ein Bruchteil dessen, was dieselbe private Vollversicherung mit 70 verlangt, wo je nach Tarif schnell 1.000 bis 1.400 Euro im Monat fällig werden.

Wer also seine PKV verlässt, gibt einen Vorteil auf, für den er jahrelang gezahlt hat, und tauscht ihn gegen einen Beitrag, der mit dem Alter steiler steigt. Das müssen wir ehrlich sagen, sonst tun wir unserem Mandanten keinen Gefallen.

Und trotzdem, das ist der Punkt, den die Zahlen am Ende erzwingen: Selbst mit dieser Alterskurve bleibt die internationale Lösung über die meisten Lebensphasen deutlich günstiger. Die Rückstellung fehlt, der Vorteil bleibt, vorausgesetzt, man plant die Kurve ein und verbrennt keine Brücken.

Wer klug auswandert, sichert seine Versicherbarkeit

Genau hier liegt unsere eigentliche Beratungsleistung, und sie hat einen Namen: Anwartschaft. In zwei Richtungen, aber mit einem Gedanken.

Nach hinten: Wer auswandert, sollte seine deutsche PKV nicht kündigen, sondern ruhend stellen. Die Anwartschaft hält das Rückkehrrecht offen, friert den Gesundheitszustand ein und sichert je nach Form auch die angesparten Rückstellungen. Führt das Leben zurück, steht die alte Versicherung ohne neue Gesundheitsprüfung wieder bereit.

Nach vorne: Wer den Schritt erst plant, kann seine internationale Krankenversicherung schon heute beantragen und den Gesundheitszustand festschreiben lassen, aktivierbar später, wenn es so weit ist. Wer mit Ende 50 noch gesund ist, sichert sich so die Versicherbarkeit, bevor eine Diagnose sie gefährdet.

Beides ist derselbe Grundsatz: Versicherbarkeit ist ein Gut, das man sichert, solange man es hat, nicht erst, wenn man es braucht. Das versteht keine Abschlussstrecke und kein Vergleichsrechner. Das ist genau der Teil unseres Berufs, den uns niemand wegdigitalisiert.

Was das für unsere Beratung heißt

Wir sind die Ersten, die diese Bewegung sehen, lange bevor sie in einer Statistik steht. Unsere Aufgabe ist nicht, irgendjemandem das Auswandern zu verkaufen, sondern die Rechnung ehrlich zu machen: mit dem Vorteil, mit dem Haken und mit der Anwartschaft, die beide Wege offenhält. Wer eine teure PKV nur verwaltet, statt sie ehrlich zu rechnen, übersieht eine der wenigen Sparten, in denen unsere Beratung noch echten, messbaren Wert hat. Wer das früh erkennt, berät, statt nur zu verwalten.

Über den Autor
: André Disselkamp ist Versicherungsmakler und Co-Founder von Insurancy mit Schwerpunkt internationale Krankenversicherung und betrieblicher Altersvorsorge. Er berät seit Jahren Auswanderer, Expats und international mobile Mandanten und kennt das Thema auch aus eigener Erfahrung.