Anpfiff zur WM: Warum die Risiken abseits des Rasens jetzt Hochsaison für Vermittler bedeuten

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Die Fußball-WM bringt für viele Branchen erhebliche wirtschaftliche Impulse. Doch die dafür nötigen Aktivitäten – von Events bis zu digitalen Kampagnen – schaffen neue Angriffsflächen. Für Makler und Vermittler ist das die Chance, mit spezifischem Wissen über moderne Risiken zu beraten und sich als strategische Partner zu beweisen, unterstreicht Alina Sucker, Product Head Art & Private Clients, Property & Event bei Hiscox.

Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft sorgen in vielen Branchen für Hochbetrieb, besonders in Gastronomie, Handel oder bei Event-Dienstleistern. Der Motor dieses Aufschwungs sind jedoch konkrete unternehmerische Aktivitäten: Public-Viewing-Events werden organisiert, Marketing-Kampagnen gestartet und digitale Services hochgefahren. Genau diese Maßnahmen erhöhen die Komplexität im Betriebsablauf und schaffen damit neue, oft übersehene Risiken.

Dies ist eine hervorragende Gelegenheit, über Standardpolicen hinauszudenken. Wer die spezifischen Gefahren kennt, kann seine Kunden gezielt beraten, den Versicherungsschutz an die Sondersituation anpassen und sich so vom Produktverkäufer zum strategischen Risikomanager entwickeln.

1. Risiko-Cluster: WM-Werbung und Events

Im Tagesgeschäft zeigt sich, dass gerade naheliegende Geschäftsideen zur WM erhebliche Risiken bergen. Ein klassisches Beispiel ist das Public Viewing, das Gastronomen oder Gemeinden kurzfristig organisieren. Die Fallstricke beginnen bereits bei der Bewerbung: Die Verwendung offizieller FIFA-Logos, des Turniernamens oder geschützter Slogans ohne teure Lizenz kann empfindliche Abmahnungen nach sich ziehen. Hier können Makler und Vermittler ihre Kunden für die Wichtigkeit einer vorherigen rechtlichen Prüfung sensibilisieren.

Stolperfalle Lizenzrecht beim Public Viewing

Viele Unternehmer gehen davon aus, dass die Übertragung von Spielen im Fernsehen automatisch alle rechtlichen Anforderungen abdeckt. Sobald eine Veranstaltung jedoch öffentlich und kommerziell genutzt wird, können zusätzliche Lizenz- und Gebührenpflichten entstehen.

  • GEMA-Gebühren: Für die öffentliche Wiedergabe von Musik innerhalb von Fernsehübertragungen können GEMA-Gebühren anfallen. Die Höhe richtet sich unter anderem nach der Raumgröße und der erwarteten Zuschauerzahl.
  • FIFA-Lizenzen: Werden Eintrittsgelder verlangt oder Sponsoren eingebunden, gilt das Public Viewing als kommerzielle Veranstaltung. In diesem Fall kann eine kostenpflichtige Lizenz direkt von der FIFA erforderlich sein. Auch die unerlaubte Nutzung offizieller WM-Logos oder geschützter Marken kann hohe Strafen nach sich ziehen.

Ein weitaus größeres Feld sind die Haftungsrisiken. Eine Standard-Betriebshaftpflicht deckt die besonderen Gefahren einer Großveranstaltung oft nicht ausreichend ab. Was passiert, wenn bei einer Massenpanik Menschen zu Schaden kommen, eine gemietete LED-Wand umstürzt oder durch unzureichende Hygienekonzepte bei der Verpflegung eine Krankheitswelle ausgelöst wird? Auch der Einsatz von Aushilfskräften oder externen Sicherheitsdiensten muss im Versicherungsschutz klar definiert sein. Für solche Fälle ist eine separate Veranstaltungshaftpflichtversicherung unerlässlich. Sie schließt genau die Lücken, die eine reguläre Police im Ausnahmezustand eines Events offenlässt, und sollte fester Bestandteil jeder Beratung für eventbasierte Geschäftsmodelle sein.

2. Risiko-Cluster: Ticketbetrug und gefälschte Livestreams

Ein weiteres Einfallstor für Kriminelle sind Betrugsmaschen, die direkt auf die Endnutzer zielen, aber erhebliche Kollateralschäden im Unternehmen verursachen. Gefälschte Ticket-Angebote oder Links zu vermeintlich kostenlosen Livestreams verbreiten sich über soziale Medien und E-Mail rasant. Mitarbeitende, die solche Links im Büro-Netzwerk anklicken, gefährden das gesamte Unternehmen. Oft verbirgt sich dahinter Phishing-Software, die Zugangsdaten für das Firmennetzwerk oder Cloud-Dienste abgreift.

Der Schaden ist dabei vielfältig. Es geht nicht nur um die Installation von Malware. Kriminelle können die erbeuteten Daten nutzen, um im Namen des Unternehmens betrügerische E-Mails zu versenden und so dessen Reputation zu schädigen. Gleichzeitig führt die Aufarbeitung solcher Vorfälle intern zu erheblichem Produktivitätsverlust. Für Makler und Vermittler ergibt sich hier ein Beratungsansatz, der über die reine Versicherungspolice hinausgeht: die Sensibilisierung für präventive Maßnahmen wie Schulungen von Mitarbeitenden zur Erkennung von Phishing-Versuchen.

3. Risiko-Cluster: Professionelle Cyber-Angriffe

Erfahrungen aus Schadenfällen und Analysen der Hiscox Cyberexpertinnen und -experten zeigen, dass Cyberkriminelle zur WM ihre Methoden professionalisieren und auf die Psychologie der Mitarbeitenden abzielen. Dabei werden wiederkehrende Muster sichtbar:

  • Gefälschte Ticket-Mails: Durch das Versprechen eines exklusiven Guts in Kombination mit einer knappen Frist wird bewusst rationales Denken umgangen und eine unüberlegte Reaktion provoziert.
  • Manipulierte SharePoint-Einladungen: Diese Methode nutzt das Vertrauen der Mitarbeitenden in interne Systeme und die tägliche Arbeitsroutine, um Zugangsdaten unauffällig abzugreifen.
  • Missbrauch der „Passwort vergessen“-Funktion: Hier wird die schwächste Stelle der Kette attackiert – der oft unzureichend gesicherte private E-Mail-Account der Mitarbeitenden, um darüber den Zugang zu hochsensiblen Geschäfts-Accounts zu kompromittieren.

Solche Attacken lösen eine teure Kaskade an Pflichten und Kosten aus. Nach einem erfolgreichen Angriff sind nicht nur die IT-Systeme wiederherzustellen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um die 72-Stunden-Frist der DSGVO für die Meldung von Datenschutzverletzungen einzuhalten. Parallel muss der Angriff forensisch analysiert, die rechtlichen Konsequenzen bewertet und im schlimmsten Fall die Krisenkommunikation gegenüber den betroffenen Personen gesteuert werden.

Moderne Cyberpolicen wie die von Hiscox sind heute mehr als reine Finanzprodukte; sie stellen genau für diesen Ernstfall ein Expertennetzwerk via 24/7-Notfall-Hotline bereit. Präventiv unterstützen sie zudem mit Services wie Schwachstellen-Scans oder Schulungen von Mitarbeitenden.

Die Kombination aus Prävention und schneller Reaktionsfähigkeit ist bei Großereignisses wie der WM entscheidend. Entscheidungen müssen meist schnell getroffen und Kampagnen kurzfristig live geschaltet werden. Das hebelt rein statische Sicherheitskonzepte und jährliche Risikobewertungen aus. Die Aufgabe der Beratung ist es daher, diesen Wandel zu begleiten und Risiken in einer geschäftlichen Ausnahmesituation aktiv zu managen, anstatt nur einen Status quo abzusichern.

3 entscheidende Fragen für das WM-Beratungsgespräch

Große Sportereignisse bringen für Unternehmen zusätzliche Risiken mit sich. Vermittler sollten daher gezielt nachfragen, ob bestehende Policen wirklich alle Event-, Haftungs- und Cyberrisiken abdecken.

  1. Event- und Haftungsrisiken: Sind kurzfristige WM-Aktionen, Events und Online-Kampagnen bereits in der bestehenden Police berücksichtigt oder wird eine separate Veranstaltungshaftpflicht benötigt?
  2. Externe Dienstleister und Technik: Decken die bestehenden Policen auch Risiken durch Subunternehmer, Aushilfen sowie gemietete Technik ab?
  3. Cyber-Sicherheit: Wurde das Cyber-Risiko neu bewertet – insbesondere mit Blick auf mögliche Phishing-Wellen, geschulte Mitarbeiter und einen Notfallplan für den Ernstfall?

Beratung, die über das Turnier hinauswirkt

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist mehr als ein Sportereignis; sie ist ein Realitätscheck für das Risikomanagement von Unternehmen. Makler und Vermittler, die diesen Anlass nutzen, um ihre Kunden auf die spezifischen Gefahren in allen drei Clustern hinzuweisen und den Mehrwert moderner, serviceorientierter Lösungen aufzuzeigen, beweisen strategischen Weitblick. Sie schützen nicht nur deren Geschäft, sondern festigen auch ihre eigene Position als unverzichtbare Partner – lange nach dem Schlusspfiff.