Auf den ersten Blick erscheint die Zusammensetzung der Spitzengruppe bemerkenswert. Die bestplatzierten Unternehmen repräsentieren sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle und Produktwelten innerhalb der Versicherungswirtschaft. Neben breit aufgestellten Versicherungsgruppen finden sich darunter auch spezialisierte Anbieter, deren Schwerpunkte auf Vorsorge-, Kranken- oder Rechtsschutzversicherungen liegen. Folgende Unternehmen bilden die Top-6 der Studie:
Rang 1: Allianz (100,0 Punkte / BRANCHENSIEGER)
Die Allianz ist der größte Versicherer Deutschlands und deckt sämtliche zentralen Versicherungssparten ab. In der Lebensversicherung erzielt der Konzern 2024 Beiträge von 23,85 Milliarden Euro, was rund 26 Prozent Marktanteil und mit deutlichem Abstand Rang eins im Markt entspricht. Auch im Schaden- und Unfallgeschäft liegt die Allianz mit etwa 13,3 Prozent Marktanteil an der Spitze, während sie in der privaten Krankenversicherung mit 4,32 Milliarden Euro Beiträgen Rang drei hinter Debeka und DKV erreicht.
Die Kombination aus Marktführerschaft, breiter Aufstellung und hoher Präsenz über nahezu alle Versicherungssparten hinweg prägt das Gesamtbild des Unternehmens. Auffällig ist dabei, dass die Allianz keineswegs über besonders niedrige Preise wahrgenommen werden dürfte. So war sie 2024 in der Hausratversicherung mit durchschnittlichen Prämieneinnahmen von 162,90 Euro je Vertrag der viertteuerste Anbieter im Markt. Auch in der Kfz-Versicherung zählte sie mit 326,06 Euro je Vertrag zu den höheren Preissegmenten und belegte Rang acht der teuersten Anbieter. In der Wohngebäudeversicherung lag die Durchschnittsprämie bei 784,17 Euro je Vertrag und damit ebenfalls oberhalb des Marktdurchschnitts.
Gleichzeitig zeigen die Schadenkennzahlen, dass die höheren Prämien nicht isoliert betrachtet werden können. Denn auch die Schadenaufwendungen je Vertrag bewegen sich bei der Allianz in vielen Sparten auf einem entsprechend hohen Niveau. Der Spitzenplatz spricht damit weniger für eine Positionierung über besonders günstige Beiträge als für eine hohe Akzeptanz des Verhältnisses von Preis und Leistung.
Rang 2: LV 1871 (99,0 Punkte / SIEGER)
Mit 708 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien und einem Marktanteil von 0,77 Prozent gehört die LV 1871 zum oberen Mittelfeld der deutschen Lebensversicherer. Das Portfolio ist breit diversifiziert: 34 Prozent des Bestands entfallen auf Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen, 28 Prozent auf Kapitalversicherungen, 25 Prozent auf fonds- und indexgebundene Produkte sowie 12 Prozent auf Kollektivgeschäft. Auffällig ist die starke Ausrichtung auf unabhängige Vermittler und Makler. Gerade in beratungsintensiven Vorsorge- und Berufsunfähigkeitsprodukten, bei denen langfristige Kundenbeziehungen eine zentrale Rolle spielen, hat sich die LV 1871 damit eine starke Marktstellung erarbeitet.
Rang 3: Provinzial (98,4 Punkte / SIEGER)
Die Provinzial zählt zu den großen Versicherungsgruppen Deutschlands und ist durch ihre öffentlich-rechtliche Struktur sowie die enge Anbindung an die Sparkassen stark regional verankert. Im Schaden- und Unfallgeschäft erzielt sie 3,60 Milliarden Euro Bruttoprämien, erreicht 3,89 Prozent Marktanteil und Rang fünf – besonders prägend ist dabei ihre traditionell starke Stellung in der Wohngebäudeversicherung. In der Lebensversicherung kommen weitere 2,13 Milliarden Euro Beiträge hinzu, was 2,32 Prozent Marktanteil und Rang neun entspricht. Die Kombination aus regionaler Verwurzelung, hoher Präsenz im Privatkundengeschäft und breiter Aufstellung über mehrere Versicherungssparten hinweg dürfte auch die öffentliche Wahrnehmung der Gruppe prägen.
Rang 4: HanseMerkur (97,9 Punkte / SIEGER)
Die HanseMerkur zählt zu den Versicherungsgruppen, innerhalb derer der Krankenversicherer die größte wirtschaftliche Bedeutung besitzt. Dieser erzielt 2024 rund 2,2 Milliarden Euro Beitragseinnahmen und belegt damit Rang elf im Markt der privaten Krankenversicherung. Daneben ist die Gruppe auch in der Lebensversicherung aktiv. Dort werden 355 Millionen Euro gebuchte Bruttoprämien erzielt, was einem Marktanteil von 0,39 Prozent entspricht.
Auffällig ist die Struktur des Lebensversicherungsbestandes: 51 Prozent des Portfolios entfallen auf Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen und markieren damit den zweithöchsten Anteil im Markt. Gleichzeitig wurde die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre wesentlich durch Policen gegen Einmalbeitrag geprägt. Die HanseMerkur verbindet damit einen bedeutenden Krankenversicherer mit einer Lebensversicherung, die sowohl im Renten- als auch im Biometriegeschäft deutliche Schwerpunkte setzt.
Rang 5: ARAG (96,3 Punkte / SIEGER)
Die ARAG ist vor allem als Marktführer in der Rechtsschutzversicherung bekannt. Dort erzielt die Gruppe 2024 Bruttoprämien von 921,8 Millionen Euro, erreicht einen Marktanteil von 16,38 Prozent und Rang eins im Markt. Ergänzt wird dies durch Aktivitäten in der privaten Krankenversicherung mit 747,7 Millionen Euro Beiträgen sowie ein Schaden- und Unfallgeschäft mit rund 225 Millionen Euro Prämienvolumen. Innerhalb der Spitzengruppe nimmt die ARAG damit eine besondere Stellung ein. Während viele andere Bestplatzierte ihre Schwerpunkte in der Lebens-, Kranken- oder Kompositversicherung haben, basiert die Marktposition der ARAG vor allem auf ihrer dominierenden Rolle im Rechtsschutzgeschäft.
Rang 6: die Bayerische (95,7 Punkte / SIEGER)
Die Bayerische gehört zu den kleineren Versicherungsgruppen im deutschen Markt und positioniert sich vor allem über das Vorsorgegeschäft. Im Jahr 2024 erzielt die BL die Bayerische Lebensversicherung AG rund 409 Millionen Euro Beiträge, während die BY die Bayerische Vorsorge weitere 337 Millionen Euro beisteuert. Das Schaden- und Unfallgeschäft bleibt mit 234 Millionen Euro Beitragsvolumen demgegenüber vergleichsweise klein.
Die beiden Lebensversicherer verfolgen dabei unterschiedliche Schwerpunkte. Während die BL insbesondere auf fondsgebundene Vorsorgelösungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen setzt, ist die BY stärker von klassischen kapitalbildenden Lebensversicherungen und Kollektivgeschäft geprägt. Bemerkenswert ist dabei, dass die Gesellschaft ursprünglich als Run-off-Plattform geführt wurde, inzwischen jedoch wieder Neugeschäft zeichnet. Gleichzeitig ist die Gruppe traditionell stark auf den Maklervertrieb ausgerichtet. Insgesamt zeigt sich die Bayerische damit als spezialisierter Vorsorgeanbieter, der unterschiedliche Produktwelten innerhalb der Lebensversicherung vereint und dennoch eine der höchsten Bewertungen der Studie erreicht.