Eigentlich wollte ich ja nur nen Kaffee mit Marko trinken, da er aktuell keine Zeit hatte fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, was zum Montagsmakler beizusteuern. Und nun steh ich hier und singe, nein schreibe was, in diesem erlauchten Kreis der Vorautoren.
Vorwarnung: Dieser Artikel wird nicht nett, kann Spuren von Wut und Sarkasmus enthalten, spiegelt rein die persönliche Meinung und Erfahrung eines mittelalten (brancheninterne Codierung = immer noch sehr jungen) Maklers wider.
Personen und Gesellschaften die sich angegriffen fühlen könnten, ja es ist so beabsichtigt und wer mich danach nicht mag, der kannte mich wahrscheinlich vorher gar nicht. Also habt einfach 3 Min Spaß beim Lesen.
Inzwischen wundern wir uns, wenn überhaupt noch was klappt
Ich bin heute mutig und schreibe über die grandiose Sparte der Kfz-Versicherung in Deutschland, denn ich habe in meinem Leben schon so viel unnötige Zeit mit diesem Thema verplempert, da ist es jetzt auch schon wurscht.
Bereit? Legen wir los…
Mal überlegen, wann war eigentlich der Zeitpunkt, an dem die Autoversicherung zum Verwaltungsirrsinn mutierte? Ich wurschtel mich nun seit 24 Jahren durch diese Branche und kann mich erinnern, dass es am Anfang noch nicht so bescheuert war und große Teile der Prozesse tatsächlich auch funktionierten.
Das ist heute, im Jahre 2026, mit einer 100% umgesetzten Digitalisierung, überall ausreichend und fähigem Personal in den Antrags- und Schadenabteilungen und fehlerfrei funktionierenden KI -Tools ganz anders.
Inzwischen wundern wir uns, wenn überhaupt noch was klappt, sei es eine korrekte Police, eine SFR-Übertragung (ui da wird’s schon dünn) oder ganz krass, eine schnelle und zuverlässige Schadenregulierung, die über einen Glasschaden hinausgeht.
Die tägliche Realität ist phasenweise ein einziges Chaos, beschämend für meine Berufsehre und dem Kunden gegenüber, gefühlte pure Verzweiflung. Beispiele gefällig? Ok, hier mal auszugsweise:
Beispiel 1: Kundin zieht aus der Schweiz nach Deutschland
Kundin zieht aus der Schweiz nach Deutschland, ich habe auch nicht gedacht, dass ein Mensch heute freiwillig so was macht, aber es war der Liebe wegen. Mein alter Schulfreud ist der Glückliche. Da er uns damals unser erstes lebensveränderndes Wohnmobil verkauft hat, war es klar, dass ich ihm nach seinem Anruf helfe die beiden PKWs aus der Schweiz hier zu versichern, inkl. Anrechnung des SFRs aus der Schweiz.
Was folgte war ein Spießrutenlauf sondergleichen. Wir haben sogar brav Originaldokumente aus der Schweiz angefordert und sie dem deutschen Versicherer per Post zukommen lassen. Aber das hat bisher auch nichts gebracht. Die beiden SFR sind immer noch nicht über der Grenze, hängen wohl im Zoll fest oder sind gleich nach Italien ans Meer abgebogen und machen sich dort ne schöne Zeit. Ich habe dem grünen Anbieter vorletzte Woche mitgeteilt, dass wir die weiße Fahne schwenken und aufgeben.
Beispiel 2: Kunde hat einen Schaden, verursacht von seinem Sohn,
Kunde hat einen Schaden, verursacht von seinem Sohn, einem Fahranfänger - kann passieren. Der Versicherer, hier mit blauem Logo, reguliert den Schaden final nach 4,5 Monaten. Unser Kunde wechselt derweil den Versicherer. Der Versicherer mit dem blauen Logo stuft den Kunden hoch und bearbeitet die korrekte Kündigung zum Jahreswechsel einfach nicht. Ergebnis sind zeitweise 2 aktive Verträge und eine Beitragsrechnung des Versicherers mit blauem Logo über knapp 8.000€! für einen PKW. Die Korrektur dauerte dann nochmal 2 Monate.
Beispiel 3: SFRs an Hinterbliebene übertragen
Noch ne Story, gar nicht lustig aber in echt passiert. Stell dir vor, dein Bruder stirbt an Herzinfarkt und du versuchst als Makler die vielen bestehenden SFRs an insgesamt 7 Hinterbliebene zu übertragen. Hat dies geklappt in einem Zeitraum von 3 Jahren? Nur in Teilen.
Hilfe und echter kulanter Support von den Anbietern? Nö. 1/3 der SFRs liegt immer noch brach oder werden mit fadenscheinigen Ausreden nicht anerkannt. Zwei der Kids sind inzwischen über 18 und müssen auf Sondereinstufungen zurückgreifen. Danke an den Anbieter mit gelbem Logo, der Autostarter war final die Rettung.
Fazit: Wenn ich träumen dürfte wie Martin Luther King
Was wir da alle zusammen an Tarif- und Antragskomplexität, Verwaltungsirrsinn und Wahnsinn erschaffen haben ist einfach gigantisch und lässt aus meiner Sicht nur noch eine Konsequenz zu: Aufhören, einstampfen, in die Presse, auf den Müll, setzen - Sechs, fristlose Kündigung, ab in die Ecke.
Wird das passieren? Nein, natürlich nicht, genauso wie bei allen zu groß gewordenen Themen in Germania, sei es Rente, Steuern, Krankenversicherung, Pflege, wird es einfach so weitergehen oder konstant verschlimmbessert. Jeden Tag, Schritt für Schritt weiter - in die falsche Richtung. Zur Not machen wir noch ein KFZ-Sondervermögen oder so was Kreatives. Da fällt uns sicher was ein, Berlin legt da ja jeden Tag Ideen vor.
Wenn ich träumen dürfte wie Martin Luther King, wäre die KFZ -Versicherung so einfach und schnell erledigt wie eine digitale Privathaftpflichtpolice:
I have a dream: that insurances for vehicles will be as simple as private liabilities. More time for the real important things in life, satisfied customers, brokers and insurance companies.
Werde ich das noch erleben? Auf gar koan foi. (bayerische Floskel und als klares Nein zu verstehen).
Wird man mit KFZ irgendwann nochmal Geld verdienen als Makler? Antwort: Lachanfall des Autos. Aber macht es Spaß mal den jahrelangen Frust rauszulassen? Ja und wie!
Danke MarKo, mir geht’s jetzt echt besser, auf den Kaffee mit dir freue mich ich ebenso.
In diesem Sinne danke ich fürs Lesen mit viel Augenzwinkern, ich bin mir sicher viele von euch schaffen das richtig gut mit den lieben Autos. Wir nicht. Deshalb lassen wir es, fahren lieber Fahrrad statt Auto und kümmern uns um zukunftsfähigere Sparten.
Über den Autor: Christof Moissl ist Teilzeit-Digitaler Nomade und verbringt und arbeitet große Teile seines Lebens im Wohnmobil. Mit VersicherungsCamper hat er sich auf die Absicherung von Campern, Vanlife und Digitale Nomaden spezialisiert.