Riester-Rente: Lebensversicherern drohen massive Kapitalabflüsse

Quelle: ChatGPT

Das neue Altersvorsorgedepot könnte den Riester-Markt massiv verändern. So denkt bereits jeder vierte Riester-Sparer konkret über einen Wechsel nach. Besonders Lebensversicherer drohen hohe Mittelabflüsse.

Die geplante Einführung des staatlich geförderten Altersvorsorgedepots könnte den Markt der privaten Altersvorsorge grundlegend verändern. Das zeigt eine aktuelle Marktuntersuchung von Sirius Campus und Aeiforia. Demnach haben bereits drei Fünftel der Förderberechtigten von dem neuen Vorsorgemodell gehört und viele Riester-Sparer ziehen offenbar Konsequenzen.

Vor allem klassische Riester-Rentenversicherungen stehen unter Druck. Laut Studie sind 44 Prozent der Riester-Kunden mit ihrem Vertrag unzufrieden. Besonders kritisch sehen viele Verbraucher die klassische Riester-Rentenversicherung. Zwar ist die Mehrheit der Kunden noch unentschlossen, wie sie künftig mit ihrem Vertrag umgehen will. 57 Prozent möchten sich zunächst beraten lassen. Doch bereits heute erklärt mehr als jeder vierte Riester-Sparer (26 Prozent), sicher in das neue Altersvorsorge-Depot wechseln zu wollen.

Milliardenabflüsse drohen Lebensversicherern

Besonders stark betroffen wären Lebensversicherer. Betrachtet man laut Studie nur jene Kunden, die bereits eine Entscheidung getroffen haben, könnten 38 Prozent der Besitzer einer Riester-Rentenversicherung ihren Vertrag kündigen und ihr angespartes Kapital in ein Altersvorsorgedepot übertragen. Die Auswirkungen wären erheblich: Von den rund 128 Milliarden Euro Kapitalstock in Riester-Rentenversicherungen könnten etwa 49 Milliarden Euro in das neue Fördersystem abwandern. Zusätzlich planen viele Kunden, ihre bestehenden Verträge beitragsfrei zu stellen und neue Sparbeiträge künftig in das Altersvorsorgedepot zu investieren. Damit würden die jährlichen Beitragseinnahmen der Lebensversicherer in diesem Segment laut Untersuchung um mehr als die Hälfte sinken.

„Lebensversicherer müssen aktiv werden, um Abflüsse aus den Riesterbeständen zu minimieren“, warnt Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer der Aeiforia GmbH. Entscheidend seien nun hochwertige Beratung und transparente Kundeninformation. „Der Teufel steckt im Detail: neues Recht gegen altes Recht, Kosten-, Garantie- bzw. Renditevergleich – und das alles ist immer im Hinblick auf die Situation der Kunden zu bewerten und zu dokumentieren“, so Gattung.

Auch andere Anbietergruppen müssten sich auf Mittelabflüsse einstellen. Zwar fallen die Wechselambitionen bei Fondssparplänen, Wohn-Riester und Banksparplänen geringer aus. Dennoch rechnen die Studienautoren auch hier mit milliardenschweren Kapitalverschiebungen. Insgesamt könnten laut Untersuchung rund 64,8 Milliarden Euro aus bestehenden Riester-Verträgen in das neue Altersvorsorgedepot überführt werden. Das entspräche deutlich mehr als einem Viertel des gesamten Riester-Kapitalstocks von rund 225 Milliarden Euro. Zudem könnten die laufenden Beitragseinnahmen aller Riester-Produkte massiv von derzeit 10,4 Milliarden Euro jährlich auf nur noch rund 4,3 Milliarden Euroeinbrechen.

Gleichzeitig sehen die Studienautoren erhebliches Wachstumspotenzial für das neue Vorsorgemodell. Von den rund 44 Millionen Förderberechtigten haben bislang 29 Millionen keine Riester-Förderung genutzt. Aus dieser Gruppe zeigen sich bereits jetzt rund fünf Millionen Menschen grundsätzlich bereit, ein Altersvorsorgedepot abzuschließen. „Das Altersvorsorgereformgesetz soll die private Altersvorsorge attraktiver machen. Zumindest in bestimmten Zielgruppen ist das auch gelungen, vor allem durch die neue Option kapitalmarktnaher Geldanlagen“, erklärt Dr. Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer der Sirius Campus GmbH. Vor allem jüngere Zielgruppen scheinen sich von den flexibleren und kapitalmarktnäheren Vorsorgemöglichkeiten angesprochen zu fühlen.