Das Europäische Parlament will strengere Regeln für Finfluencer. Künftig sollen Transparenz, Sachkunde und klare Kennzeichnungspflichten für Finanzinhalte in sozialen Medien gelten.
Finanzthemen auf TikTok, Instagram oder YouTube erreichen längst Millionen Menschen. Besonders junge Anleger informieren sich zunehmend über soziale Medien zu Investments, Altersvorsorge oder Kryptowährungen. Nun will das Europäische Parlament strengere Regeln für sogenannte Finfluencer schaffen und hat dazu am 30. April 2026 eine entsprechende Entschließung verabschiedet.
Im Mittelpunkt steht die Forderung nach europaweiten Mindeststandards für Finanzinhalte in sozialen Netzwerken. Das Parlament reagiert damit auf die wachsende Bedeutung digitaler Finanzkommunikation und auf die bislang oft fehlende Regulierung. Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung begrüßt die Initiative ausdrücklich und sieht darin einen wichtigen Schritt hin zu mehr Verbraucherschutz und faireren Wettbewerbsbedingungen.
Künftig sollen Finfluencer verpflichtet werden, wirtschaftliche Interessen offenzulegen und Werbung klar zu kennzeichnen. Kooperationen mit Finanzunternehmen oder eigene Beteiligungen müssten transparent gemacht werden. Nutzer sollen damit besser erkennen können, ob es sich um unabhängige Informationen oder vertriebsorientierte Inhalte handelt.
Darüber hinaus fordert das Europäische Parlament strengere Anforderungen an die Qualität der Inhalte. Risiken von Finanzprodukten sollen ebenso deutlich dargestellt werden wie mögliche Chancen. Irreführende Aussagen, unrealistische Renditeversprechen oder die Bewerbung ungeeigneter Produkte für breite Zielgruppen sollen konsequent unterbunden werden. Gleichzeitig erwartet das Parlament, dass Anbieter über ausreichende fachliche Kenntnisse verfügen und Inhalte sorgfältig prüfen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt auch der Abgrenzung zwischen allgemeiner Information und regulierter Anlageberatung. Sobald konkrete Anlageempfehlungen ausgesprochen werden, sollen bestehende europäische Vorgaben greifen. Ergänzend spricht sich das Parlament für einen europaweiten Verhaltenskodex sowie mögliche Gütesiegel für regelkonforme Anbieter aus.
„Es ist Zeit, dass die EU hier handeln will. Wer Finanzprodukte bewirbt oder Anlageentscheidungen beeinflusst, muss sich an klare Spielregeln halten. Anforderungen an Transparenz, Sachkunde und Verantwortung müssen für alle gelten und dürfen kein Wettbewerbsnachteil für regulierte Vermittler sein“, betont AfW-Vorstand Frank Rottenbacher.
Aus Sicht des AfW adressiert die Entschließung ein wesentliches Ungleichgewicht im Markt. Während unabhängige Vermittler umfangreichen regulatorischen Vorgaben unterliegen, konnten Finfluencer bislang vielfach ohne vergleichbare Anforderungen agieren. Die geplanten Mindeststandards könnten dieses Ungleichgewicht zumindest teilweise reduzieren und zugleich das Vertrauen in Finanzinformationen stärken.
Rechtlich bindend ist die Entschließung zwar nicht. Sie gilt jedoch als deutliches politisches Signal an die Europäische Kommission. Teile der diskutierten Maßnahmen finden sich bereits in den laufenden Verhandlungen zur sogenannten Retail Investment Strategy (RIS). Dort wird unter anderem über verpflichtende schriftliche Vereinbarungen zwischen Finanzunternehmen und Finfluencern, strengere Kennzeichnungspflichten sowie mehr Verantwortung bei der Nutzung von Marketingmaterialien diskutiert. Damit dürfte die Regulierung von Finanzinhalten in sozialen Medien künftig deutlich stärker in den Fokus europäischer Aufsichts- und Gesetzgebungsinitiativen rücken.