Die Pflege wird zum immer größeren Kostentreiber im deutschen Gesundheitssystem. Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Ausgaben für pflegerische Leistungen mehr als verdoppelt.
Die steigenden Kosten für Pflegeleistungen setzen das deutsche Gesundheitssystem zunehmend unter Druck. Wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen, entfiel im Jahr 2024 bereits mehr als jeder vierte Euro der Gesundheitsausgaben auf pflegerische Leistungen. Damit wächst der Pflegebereich deutlich schneller als die Gesundheitsausgaben insgesamt.
Konkret lagen die Ausgaben für pflegerische Leistungen 2024 bei 135,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 25,3 Prozent an sämtlichen Gesundheitsausgaben in Deutschland. Zehn Jahre zuvor waren es noch 65 Milliarden Euro beziehungsweise 19,8 Prozent der Gesamtausgaben. Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich die Pflegeausgaben damit um 109,1 Prozent erhöht. Zum Vergleich: Die gesamten Gesundheitsausgaben stiegen im selben Zeitraum um 64,2 Prozent auf zuletzt 538,2 Milliarden Euro.
Als zentrale Ursachen für die Entwicklung nennt das Statistische Bundesamt unter anderem den demografischen Wandel, steigende Personalkosten in der Pflege sowie die Reformen des Elften Sozialgesetzbuches (SGB XI), die Anfang 2017 in Kraft traten. Mit der damaligen Pflegereform wurde unter anderem der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Dadurch erhielten mehr Menschen Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung. Gleichzeitig wuchs der Leistungsumfang erheblich.
Zu den pflegerischen Leistungen zählen unter anderem Grundpflege, Behandlungspflege und Intensivpflege. Diese werden sowohl in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen als auch in Krankenhäusern oder im Rahmen häuslicher Pflege erbracht.
Die Zahlen verdeutlichen, dass die Pflege mittlerweile zu den größten Ausgabenblöcken im Gesundheitswesen gehört. Nur die ärztlichen Leistungen liegen mit einem Anteil von 23,6 Prozent noch knapp dahinter. Allerdings fiel deren Kostenanstieg mit plus 45,7 Prozent seit 2014 deutlich moderater aus. Auch die Ausgaben für Arzneimittel legten kräftig zu. Sie machten 2024 rund 15,8 Prozent der Gesundheitsausgaben aus und stiegen innerhalb von zehn Jahren um 67,5 Prozent.
Die Entwicklung dürfte die politische Diskussion um die langfristige Finanzierung der Pflegeversicherung weiter verschärfen. Schon heute warnen Experten, Versicherer und Verbände vor steigenden Beiträgen und wachsenden Finanzierungslücken. Zuletzt waren insbesondere eine höhere Beitragsbemessungsgrenze für die soziale Pflegeversicherung sowie höhere Beiträge für Arbeitnehmer ohne Kinder ins Spiel gebracht worden. Auch Leistungskürzungen seien nicht auszuschließen.