Niedrige Kosten sind für viele Deutsche entscheidend beim geplanten Altersvorsorge-Depot. Drei viertel der Sparer halten niedrige Gebühren für wichtig oder sehr wichtig. Verbraucherschützer fordern neben niedrigen Gebühren für ein Opt-out-System bei der geförderten Altersvorsorge.
Die Kostenfrage könnte zum entscheidenden Erfolgsfaktor für das geplante staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot werden. Denn für eine große Mehrheit potenzieller Nutzer sind niedrige Gebühren ein zentrales Kriterium. Gleichzeitig wird deren langfristige Wirkung häufig unterschätzt. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Verbraucherschutzportals Finanztip.
Rund 78 Prozent der Befragten geben an, dass niedrige Gebühren für sie wichtig oder sehr wichtig sind, um das Altersvorsorge-Depot zu nutzen. Noch wichtiger sind lediglich einfache Steuerregeln (83 Prozent). Auch flexible Auszahlmöglichkeiten (74 Prozent) zählen zu den entscheidenden Faktoren. Beim Blick auf konkrete Kostenobergrenzen wird die Erwartungshaltung deutlich. 30 Prozent der Befragten halten maximal 0,5 Prozent jährliche Kosten für akzeptabel, weitere 28 Prozent nennen eine Grenze von höchstens einem Prozent. Der aktuelle Gesetzentwurf erlaubt hingegen Kosten von bis zu 1,5 Prozent pro Jahr. Dieses Niveau würden laut Umfrage nur 23 Prozent der potenziellen Nutzer akzeptieren.
„Der Kostendeckel von 1,5 Prozent ist viel zu hoch. Das ist ein Zugeständnis an Banken und Versicherungen“, kritisiert Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. Eine Obergrenze von 0,5 Prozent sei aus seiner Sicht ausreichend.
Wie stark sich Kosten über die Jahre auswirken, zeigt eine Beispielrechnung: Wer 40 Jahre lang monatlich 200 Euro spart und eine Rendite von sechs Prozent erzielt, kommt bei 0,5 Prozent Kosten auf rund 338.000 Euro Vermögen. Bei 1,5 Prozent Kosten bleiben dagegen nur etwa 263.000 Euro. Der Unterschied läge bei rund 75.000 Euro. Trotz der erheblichen Unterschiede ist das Bewusstsein für die Wirkung von Kosten gering. Nur 13 Prozent der Befragten konnten die Größenordnung des Effekts korrekt einschätzen. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) unterschätzt den Einfluss deutlich, weitere 29 Prozent können ihn gar nicht einordnen.
Aus Sicht des Verbraucherportals könnten zu hohe Kosten die Akzeptanz des Altersvorsorge-Depots insgesamt gefährden. „Wenn die Gebühren zu hoch sind und das Angebot zu kompliziert ist, werden viele das Altersvorsorge-Depot gar nicht nutzen“, warnt Tenhagen.
Um die Verbreitung der Altersvorsorge zu erhöhen, plädiert Finanztip zusätzlich für ein sogenanntes Opt-out-System. Dabei würden Menschen automatisch in die Altersvorsorge einbezogen, sofern sie nicht aktiv widersprechen. Ein solches Modell könne insbesondere Geringverdiener und finanzferne Gruppen erreichen, so die Verbaucherschützer.