Viele Riester- und Rürup-Verträge bieten laut einer aktuellen Studie kaum reale Rendite. In zwei Dritteln der untersuchten Produkte reicht die erwartete Verzinsung nicht einmal aus, um Inflation und Kosten auszugleichen. Die Verbraucherschützer von Finanzwende fordern deshalb einen grundlegenden Neustart der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge.
Die staatlich geförderte private Altersvorsorge steht erneut in der Kritik. Eine aktuelle Studie der Bürgerbewegung Finanzwende kommt zu dem Ergebnis, dass viele Riester- und Rürup-Produkte für Sparer kaum wirtschaftlichen Nutzen bieten. Nach den Berechnungen erreichen zahlreiche Verträge nicht einmal eine Rendite, die Kosten und Inflation ausgleicht.
„Viel zu viele Menschen werden mit ihren Riester- und Rürup-Verträgen reale Verluste einfahren“, sagt Britta Langenberg, Leiterin Verbraucherschutz bei Finanzwende. Die geplante Reform der Riester-Rente werde daran in der derzeit diskutierten Form wenig ändern. „Die geförderte private Altersvorsorge in Deutschland hat grundlegende Probleme, das zeigt unsere Studie mehr als deutlich. Die geplante Riester-Reform löst sie nicht.“
Für die Studie wurden die Renditeerwartungen einer 37-jährigen Musterkundin beziehungsweise eines Musterkunden bei insgesamt 96 Riester- und Rürup-Rentenversicherungen untersucht. Maßstab war die Frage, ob die Produkte langfristig zumindest ihre Kosten decken und einen Inflationsausgleich von rund zwei Prozent erreichen können. Im Ergebnis blieben 65 Prozent der untersuchten Angebote unter dieser Schwelle. Wer einen solchen Vertrag abschließt, erzielt real betrachtet eine negative Rendite.
„Die Latte liegt wirklich nicht besonders hoch – es geht lediglich darum, dass die Kundinnen und Kunden kein Geld verlieren“, sagt Moritz Cygan, Autor der Studie und Referent für Verbraucherschutz bei Finanzwende.
Besonders kritisch sehen die Studienautoren die Rentenphase. Entscheidend sei nicht nur die Ansparrendite, sondern auch, welche Leistungen Sparer im Alter tatsächlich erhalten. Demnach müssten Versicherte bei vielen Verträgen ein sehr hohes Alter erreichen, um inflationsbereinigt überhaupt ihr eingezahltes Kapital zurückzubekommen. Bei den untersuchten Riester-Angeboten liegt dieser Punkt im Schnitt bei 99 Jahren, bei Rürup-Verträgen bei etwa 96 Jahren. Als Hauptgründe nennt die Studie hohe Abschluss- und Verwaltungskosten sowie Sicherheitsmargen in der Rentenphase, die die Auszahlungen zusätzlich reduzieren.
Vor diesem Hintergrund fordert Finanzwende eine grundlegende Neuausrichtung der staatlich geförderten Altersvorsorge. Statt einer Vielzahl komplexer Produkte verschiedener Anbieter plädiert die Organisation für ein einheitliches, kostengünstiges Standardprodukt unter staatlicher Organisation. Die Bundesregierung plant im Zuge der Riester-Reform ebenfalls ein Standardprodukt sowie eine Deckelung der Kosten. Aus Sicht der Studienautoren greifen diese Ansätze jedoch zu kurz. „Die Bundesregierung benutzt die richtigen Schlagworte, liefert aber inhaltlich keine Lösungen“, kritisiert Langenberg.
Besonders kritisch bewertet Finanzwende den vorgesehenen Kostendeckel von 1,5 Prozent Effektivkosten. Dieser sei deutlich zu hoch angesetzt und würde die bestehenden Probleme eher verstetigen. „Ein Kostendeckel von 1,5 Prozent deckelt nichts, sondern zementiert nur die existierenden Missstände“, sagt Langenberg. Aus Sicht der Organisation wäre ein maximaler Wert von 0,5 Prozent Effektivkosten notwendig, um eine wirklich kostengünstige Altersvorsorge zu ermöglichen. Auch das geplante Standardprodukt überzeugt die Studienautoren nicht vollständig. Da jeder Anbieter ein eigenes Produkt entwickeln könne, drohe statt Vereinfachung ein noch unübersichtlicherer Markt.