Warum viele KI-Projekte bei Versicherern organisatorisch scheitern

Künstliche Intelligenz ist in der Versicherungsbranche angekommen – doch ihr Potenzial bleibt oft ungenutzt. Zwar verfügen fast alle Unternehmen über eine KI-Strategie, doch viele Projekte scheitern an Organisation und Umsetzung. Ein neues Whitepaper zeigt, warum der Weg zum „KI-nativen Versicherer“ noch weit ist.

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Versicherungswirtschaft. Doch obwohl viele Unternehmen bereits erste Anwendungen einsetzen, bleibt ihr strategisches Potenzial häufig ungenutzt. Zu diesem Ergebnis kommt das neue Whitepaper „Auf dem Weg zum KI-nativen Versicherer“, das der InsurTech Hub Munich gemeinsam mit dem Technologieunternehmen QAware veröffentlicht hat.

Für die Analyse wurden Versicherungsunternehmen befragt, die einen großen Teil des deutschen Versicherungsmarktes abdecken. Ergänzt wurden die Daten durch Interviews mit Führungskräften aus dem Top-Management, die Einblicke in strategische Überlegungen und praktische Umsetzungserfahrungen geben.

KI ist selten vollständig integriert

Die Studie zeigt, dass inzwischen 89 Prozent der Versicherer über eine KI-Strategie verfügen. Damit ist das Thema längst auf Vorstandsebene angekommen. Besonders großes Potenzial sehen die Unternehmen in Bereichen Schadenmanagement, Kundenservice sowie Vertrieb und Beratung. Dort kommen bereits heute KI-Assistenten und automatisierte Workflows zum Einsatz. Sie verkürzen Bearbeitungszeiten und schaffen Freiräume für persönliche Beratung.

Trotzdem bleibt KI in vielen Fällen lediglich ein Zusatztool. Eine durchgängige Integration in Prozesse, Organisation und Wertschöpfung findet bislang selten statt.

„Viele Versicherer haben den Einstieg in KI längst geschafft“, sagt Dr. Josef Adersberger, Geschäftsführer von QAware und Beiratsmitglied im InsurTech Hub Munich. „Die eigentlichen Herausforderungen sind: Erstens, den Mut zu haben, bestehende Prozesse von den KI-Möglichkeiten her neu zu denken, und zweitens, es zu schaffen, aus vielversprechenden KI-Showcases breit genutzte und gut integrierte Lösungen zu machen.“

Hauptprobleme liegen nicht in der Technik

Die größten Hindernisse für den breiten Einsatz von KI liegen laut Studie weniger in der Technologie als in organisatorischen Strukturen. Als zentrale Ursachen für das Scheitern vieler KI-Projekte nennen die Autoren fehlende End-to-End-Verantwortung, unklare Priorisierung von Projekten sowie mangelnde Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen, IT und Compliance. Hinzu kommen kulturelle Faktoren. Rund die Hälfte aller Transformationsprojekte scheitert nicht an der Technik, sondern an internen Widerständen.

Die Studienautoren empfehlen deshalb, KI-Projekte nicht nur technologisch zu betrachten. Für jeden Euro, der in Entwicklung fließt, sollte ein weiterer Euro in Change Management investiert werden.

Für die Autoren steht fest: Nur wenn KI als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie verstanden wird, kann sie ihr volles Potenzial entfalten. „Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich: KI entfaltet ihre Wirkung nur dann nachhaltig, wenn sie als Teil der Gesamtstrategie verstanden wird“, erklärt Dr. Klaus Driever, Vorstandsvorsitzender des InsurTech Hub Munich.

Versicherer müssten dabei eine Balance finden. Einerseits dürften sie nicht aus Angst vor technologischen Trends unüberlegt investieren. Andererseits dürften sie Innovationen auch nicht aus Rücksicht auf bestehende Strukturen ausbremsen. Als nächste Entwicklungsstufe sehen die Autoren autonome KI-Agenten, die künftig komplexe Aufgaben selbstständig übernehmen könnten.