Welche Krankenkassen werden aus Sicht von Führungskräften als besonders verantwortungsvoll wahrgenommen? Dieser Frage geht eine aktuelle Studie von ServiceValue nach, in der die Aufrichtigkeit und Wirksamkeit unternehmerischer Verantwortung bewertet werden. Versicherungsbote stellt die bestplatzierten Krankenkassen vor.
Unternehmerische Verantwortung spielt im System der gesetzlichen Krankenkassen eine besondere Rolle. Zwar handelt es sich bei ihnen nicht um klassische Unternehmen, sondern um Körperschaften des öffentlichen Rechts – doch gerade deshalb kommt Fragen von Verantwortung, Vertrauen und Verlässlichkeit ein besonderes Gewicht zu. Wo es um Gesundheit, Prävention und langfristige Versorgung geht, ist Vertrauen keine abstrakte Größe, sondern Voraussetzung für Akzeptanz und Stabilität.
Gleichwohl wird der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen häufig auf Beitragssätze, Zusatzleistungen oder Serviceangebote verkürzt. Aus gesellschaftlicher Perspektive zeigt sich jedoch, dass Verantwortung im Gesundheitswesen weiter gefasst wird: Sie umfasst den Umgang mit Versicherten und Mitarbeitenden ebenso wie den Beitrag zur Stabilität des solidarischen Systems insgesamt.
Welche Krankenkassen dieser Erwartung besonders gerecht werden, untersucht eine aktuelle Studie des Analyseinstituts ServiceValue. Sie richtet den Blick nicht auf formale Leistungsversprechen oder kurzfristige Beitragsvorteile, sondern auf die wahrgenommene Aufrichtigkeit und Wirksamkeit unternehmerischer Verantwortung – beurteilt aus der Perspektive von Führungskräften, die aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung Organisationsstrukturen, wirtschaftliche Entscheidungen und verantwortungsvolles Handeln einschätzen können. Versicherungsbote stellt ausgezeichnete Krankenkassen dieser Studie vor.
Was wurde untersucht?
Die Untersuchung „Unternehmerische Verantwortung“ ist Teil einer groß angelegten, branchenübergreifenden Studie des Analyseinstituts ServiceValue. Insgesamt wurden rund 181.000 Führungskräfte-Urteile zu 2.211 Organisationen aus 124 Branchen ausgewertet. Die Befragung erfolgte eigeninitiiert über ein externes Online-Panel und ohne Einbindung der untersuchten Organisationen. Teilnahmevoraussetzung war eine berufliche Führungsfunktion mindestens auf Gruppen- oder Teamleitungsebene.
Innerhalb dieser Gesamtstudie bilden die gesetzlichen Krankenkassen eine eigenständige Teilbetrachtung. Auch wenn es sich bei ihnen nicht um klassische Unternehmen, sondern um Körperschaften des öffentlichen Rechts handelt, werden sie im Rahmen der Untersuchung gemeinsam mit anderen großen Organisationen betrachtet. Um statistisch belastbare Aussagen zu gewährleisten, wurden Krankenkassen nur dann berücksichtigt, wenn mindestens 75 Führungskräfte-Urteile vorlagen; bei 200 Urteilen wurde die Erhebung gedeckelt. Die Auswahl der untersuchten Organisationen erfolgte auf Basis käuflicher Datenbanken und konzentrierte sich auf die nach Größe und Reichweite relevanten Akteure innerhalb der jeweiligen Branche – im Fall der gesetzlichen Krankenversicherung also auf bundesweit oder regional bedeutsame Krankenkassen.
Wie wurde bewertet?
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine bewusst allgemein gehaltene Fragestellung, die unterschiedliche Dimensionen unternehmerischer Verantwortung zusammenführt. Wörtlich wurden die Führungskräfte gefragt:
„Inwieweit können Sie aus eigenen Informationen und Erfahrungen heraus zustimmen, dass die Bemühungen der jeweiligen Unternehmensführung um eine unternehmerische Verantwortung aufrichtig und wirkungsvoll sind? Die unternehmerische Verantwortung zeigt sich im Umgang mit Arbeitnehmern, Geschäftspartnern und Kunden und/oder gegenüber der Gesellschaft wie auch ganz allgemein in der Einhaltung ethischer Normen.“
Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen zielt die Frage damit nicht auf einzelne Leistungen, Beitragssätze oder Serviceprozesse, sondern auf einen übergreifenden Gesamteindruck verantwortungsvoller Führung. Gemeint ist die Wahrnehmung der Organisation beziehungsweise ihrer Führung im Umgang mit Versicherten und Mitarbeitenden, im organisatorischen Handeln sowie im Beitrag zur Stabilität des Gesundheitssystems insgesamt.
Die Bewertung erfolgte über eine fünfstufige Zustimmungsskala von „trifft voll und ganz zu“ bis „trifft nicht zu“. Die zusätzliche Antwortoption „kann ich nicht beurteilen“ floss nicht in die Wertung ein. Für jede Krankenkasse wurde aus den abgegebenen Urteilen ein empirischer Mittelwert gebildet; dabei gilt: Je niedriger der Wert, desto positiver wird die unternehmerische Verantwortung eingeschätzt.
Die Fragestellung ist bewusst breit angelegt und vereint mehrere Ebenen. Sie misst keine einzelnen Maßnahmen, keine Versorgungsqualität im medizinischen Sinne und keine regulatorische Konformität, sondern ein zusammengefasstes Wahrnehmungsbild, das sich aus unterschiedlichen Informationsquellen, Erfahrungen und Beobachtungen speist.
Welche Krankenkassen wurden wie ausgezeichnet?
Die Auszeichnung erfolgt ausschließlich im Branchenvergleich der gesetzlichen Krankenkassen. Maßstab ist der durchschnittliche Bewertungswert der Branche, der als Referenzgröße dient. Alle Krankenkassen, deren Mittelwert unter diesem Branchenmittel liegt, schneiden aus Sicht der Führungskräfte überdurchschnittlich ab und erhalten eine Auszeichnung.
Krankenkassen, die den Branchendurchschnitt unterschreiten, werden mit dem Prädikat „Hohe unternehmerische Verantwortung“ ausgezeichnet. Liegt der jeweilige Wert zusätzlich unter dem Durchschnitt dieser überdurchschnittlichen Gruppe, gilt die Verantwortung als „Sehr hoch“. Die bestbewertete Krankenkasse der Branche wird als Nummer eins (Nr. 1) ausgewiesen.
Dieses Vorgehen stellt sicher, dass die Ergebnisse ausschließlich innerhalb der Branche vergleichbar sind. Strukturelle Unterschiede zwischen Krankenkassen und klassischen Unternehmen werden dadurch ebenso berücksichtigt wie Größenunterschiede innerhalb des GKV-Systems. Die Auszeichnung ist somit keine absolute Bewertung, sondern eine relative Einordnung der wahrgenommenen unternehmerischen Verantwortung im Vergleich zu anderen gesetzlichen Krankenkassen.
Was die Studie nicht leisten kann
Die Untersuchung ist keine objektive Leistungsstudie der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie trifft keine Aussagen zum medizinischen Leistungsumfang, zur Genehmigung einzelner Behandlungen, zur Qualität von Präventionsprogrammen oder zur individuellen Versorgungssituation von Versicherten. Ebenso wenig werden Beitragssätze, Zusatzbeiträge oder konkrete Servicekennzahlen bewertet. Erfasst wird vielmehr ein übergreifender Wahrnehmungseindruck der Organisation und ihrer Führung, wie er sich aus unterschiedlichen Informationsquellen, Erfahrungen und Beobachtungen speist. Die Ergebnisse ersetzen daher keine fachliche Bewertung der Versorgung, sondern bilden ein Meinungsbild zur wahrgenommenen unternehmerischen Verantwortung im System der gesetzlichen Krankenkassen ab.
Die ausgezeichneten Krankenkassen
Alle hier vorgestellten Krankenkassen liegen mit ihrem Bewertungswert unter dem Branchenreferenzwert von 2,68 und gelten damit aus Sicht der Führungskräfte als überdurchschnittlich verantwortungsvoll. Der Blick auf die Spitzengruppe liefert dabei wenig Überraschungen: An der Spitze finden sich vor allem die größten, bekanntesten und strukturell prägendsten Kassen des GKV-Systems. Auffällig ist jedoch ein Ausreißer ganz vorn im Feld – und dieser zeigt dann doch, dass wahrgenommene Verantwortung nicht einzig eine Frage von Größe und breiter Bekanntheit ist.
Rang 1: TK – Die Techniker (2,43 – Nr. 1)
Die Techniker Krankenkasse belegt den Spitzenplatz der Studie – eine Platzierung, die kaum überrascht. Mit 11.804.078 Versicherten zum 1. Januar 2025 ist sie die mit Abstand größte gesetzliche Krankenkasse Deutschlands. Ursprünglich 1884 als Hilfskasse für Architekten, Ingenieure und Techniker gegründet, entwickelte sich die TK seit ihrer Öffnung in den 1990er-Jahren zu einem bundesweiten Allrounder. Frühe digitale Angebote, darunter ein Internetauftritt bereits 1996, sowie gezielte Fusionen – zuletzt 2009 mit der IKK-Direkt – haben ihre Stellung zusätzlich gefestigt. Größe, Organisationstiefe und Sichtbarkeit schlagen sich damit auch in der Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung nieder.
Rang 2: BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER (2,44 – Sehr hohe Verantwortung)
Die einzige echte Überraschung im vorderen Feld ist die BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER. Die bundesweit geöffnete Betriebskrankenkasse zählt mit 179.542 Versicherten zu den kleineren Akteuren im GKV-System und rangiert nach Versichertenzahl lediglich auf Rang 43. Dass sie dennoch eine Spitzenplatzierung erreicht, deutet darauf hin, dass wahrgenommene Verantwortung nicht zwangsläufig mit Marktgröße einhergeht.
Rang 3: BARMER (2,46 – Sehr hohe Verantwortung)
Die Platzierung der BARMER wiederum zählt zu den erwartbaren Ergebnissen. Mit 8.432.900 Mitgliedern ist sie die zweitgrößte gesetzliche Krankenkasse Deutschlands und eine der prägenden Körperschaften der GKV-Landschaft. Ihre historischen Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück; in der heutigen Form entstand sie 2017 durch die Integration der Deutschen BKK in die Barmer GEK. Die Kombination aus Größe, bundesweiter Präsenz und langjähriger Systemverantwortung spiegelt sich auch in der Wahrnehmung verantwortungsvoller Führung wider.
Rang 4: AOK PLUS (2,48 – Sehr hohe Verantwortung)
Die AOK PLUS hält in der Spitzengruppe die Ortskrankenkassen hoch. Mit 3.491.693 Mitgliedern ist sie die sechstgrößte gesetzliche Krankenkasse Deutschlands. Ihr Geschäftsgebiet umfasst Sachsen und Thüringen, der Sitz befindet sich in Dresden, ergänzt durch mehr als 130 Geschäftsstellen in beiden Bundesländern. Entstanden ist die AOK PLUS 2008 aus der Fusion der AOK Sachsen und der AOK Thüringen – selbst Ergebnis früherer regionaler Zusammenschlüsse.
Rang 5: KNAPPSCHAFT (2,49 – Sehr hohe Verantwortung)
Die KNAPPSCHAFT nimmt im GKV-System eine besondere Stellung ein. Mit rund 1,29 Millionen Versicherten liegt sie auf Rang 14 nach Größe und ist heute bundesweit geöffnet. Sie ist die gesetzliche Krankenkasse des Verbunds Knappschaft-Bahn-See, der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie eigene Reha-Einrichtungen organisatorisch bündelt. Historisch gewachsen aus dem Sozialversicherungssystem der Montanindustrie, steht die KNAPPSCHAFT bis heute für einen erweiterten Versorgungsauftrag, insbesondere mit Blick auf ältere Zielgruppen und langfristige Versorgung. Diese besondere institutionelle Einbindung dürfte zur positiven Wahrnehmung ihrer Verantwortung beitragen.
Rang 6: DAK-Gesundheit (2,50 – Sehr hohe Verantwortung)
Mit der DAK-Gesundheit komplettiert eine weitere der größten und bekanntesten Kassen die Spitzengruppe. Mit rund 5,44 Millionen Versicherten zum 1. Januar 2025 ist sie die drittgrößte gesetzliche Krankenkasse Deutschlands. Damit finden sich unter den ersten sechs Plätzen gleich drei der größten Kassen des Landes. Als bundesweit geöffnete Ersatzkasse mit Sitz in Hamburg blickt die DAK auf eine über 250-jährige Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1773 reicht. Ihre heutige Größe ist Ergebnis zahlreicher Fusionen, zuletzt 2016 mit der BKK Beiersdorf.
Alle ausgezeichneten Krankenkassen
Insgesamt wurden in der Kategorie gesetzliche Krankenkassen 29 Organisationen ausgezeichnet. Sie alle liegen mit ihrem Wert unter dem Branchenreferenzwert von 2,68 und schneiden damit überdurchschnittlich ab. Die folgende Übersicht zeigt alle ausgezeichneten Krankenkassen in der Reihenfolge ihrer Platzierung:
- TK – Die Techniker: 2,43 (Nr. 1)
- BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER: 2,44 (Sehr hohe Verantwortung)
- BARMER: 2,46 (Sehr hohe Verantwortung)
- AOK PLUS: 2,48 (Sehr hohe Verantwortung)
- KNAPPSCHAFT: 2,49 (Sehr hohe Verantwortung)
- DAK-Gesundheit: 2,50 (Sehr hohe Verantwortung)
- BKK ProVita: 2,51 (Sehr hohe Verantwortung)
- SBK: 2,52 (Sehr hohe Verantwortung)
- BIG direkt gesund: 2,53 (Sehr hohe Verantwortung)
- KKH – Kaufmännische Krankenkasse: 2,55 (Sehr hohe Verantwortung)
- AOK Bayern: 2,55 (Sehr hohe Verantwortung)
- AOK Niedersachsen: 2,56 (Sehr hohe Verantwortung)
- AOK NordWest: 2,56 (Sehr hohe Verantwortung)
- IKK gesund plus: 2,57 (Sehr hohe Verantwortung)
- IKK classic: 2,58 (Hohe Verantwortung)
- mkk – meine krankenkasse: 2,58 (Hohe Verantwortung)
- AOK Rheinland/Hamburg: 2,59 (Hohe Verantwortung)
- BKK Pfalz: 2,60 (Hohe Verantwortung)
- HEK – Hanseatische Krankenkasse: 2,60 (Hohe Verantwortung)
- VIACTIV Krankenkasse: 2,61 (Hohe Verantwortung)
- AOK Rheinland-Pfalz / Saarland: 2,62 (Hohe Verantwortung)
- vivida bkk: 2,63 (Hohe Verantwortung)
- AOK Bremen/Bremerhaven: 2,63 (Hohe Verantwortung)
- Pronova BKK: 2,64 (Hohe Verantwortung)
- AOK Sachsen-Anhalt: 2,64 (Hohe Verantwortung)
- Audi BKK: 2,65 (Hohe Verantwortung)
- AOK Nordost: 2,66 (Hohe Verantwortung)
- AOK Baden-Württemberg: 2,66 (Hohe Verantwortung)
- BERGISCHE KRANKENKASSE: 2,67 (Hohe Verantwortung)
Hintergrund: Die hier dargestellten Ergebnisse stammen aus der Studie „Unternehmerische Verantwortung“ des Analyseinstituts ServiceValue, durchgeführt im Auftrag der Welt. Grundlage sind rund 181.000 Führungskräfte-Urteile zu 2.211 Organisationen aus 124 Branchen. Die Erhebung erfolgte eigeninitiiert über ein externes Online-Panel und ohne Einbindung der untersuchten Organisationen im Zeitraum Dezember 2025 bis Januar 2026. Teilnahmevoraussetzung war eine berufliche Führungsfunktion mindestens auf Gruppen- oder Teamleitungsebene. Die Bewertung basiert auf einer fünfstufigen Zustimmungsskala und erfolgt ausschließlich im Branchenvergleich. Weitere Informationen zur Studie und zur Methodik stellt ServiceValue auf seiner Website zur Verfügung.