Pedelecs und E-Bikes nicht gefährlicher als "normale" Fahrräder

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Pedelecs: Elektronisch unterstützte Fahrräder wie Pedelecs und E-Bikes sind nicht gefährlicher als Fahrräder ohne Hilfsmotor. Dies hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) herausgefunden, wie der GDV in einer Pressemeldung berichtet. Zwar würden Pedelecs-Nutzer mit Tretunterstützung im Schnitt schneller unterwegs sein als Radfahrer, sie erleben aber nicht spürbar mehr riskante Situationen im Alltag. Gefahren gibt es trotzdem – vor allem außerhalb von Ortschaften.

Das Pedelec bzw. E-Bike boomt! Gerade ältere Menschen entscheiden sich oft für ein Elektrofahrrad, können sie doch damit zur Radtour aufbrechen, ohne mit bloßer Muskelkraft steile Berge hinaufstrampeln zu müssen. Und so erfreuen sich die Modelle seit Jahren steigender Beliebtheit. Konnten im Jahr 2013 noch rund 420.000 der Fahrräder mit Hilfsmotor verkauft werden, waren es im Vorjahr bereits 480.000 Pedelecs, wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) berichtet.

Fahrverhaltensstudie beleuchtet Alltagsgefahren der Pedelecs

Doch sind Pedelecs gefährlicher als normale Fahrräder? Die Vermutung liegt nahe, erlaubt der Hilfsmotor doch höhere Geschwindigkeiten. Die Unfallforschung der Versicherer (UVD) wollte dieser Frage auf den Grund gehen und hat die amtliche Verkehrsunfallstatistik analysiert. Doch damit nicht genug: auch eine vierwöchige Fahrverhaltensstudie mit 90 Teilnehmern führten die Unfallforscher durch. Hierfür wurden die Zweiräder mit Sensoren und Kameras ausgestattet, um Gefahrensituationen auszuwerten. Es beteiligten sich 31 Radfahrer, 49 Pedelec-Fahrer sowie 10 S-Pedelec-Fahrer.

Dabei stellte sich heraus, dass die Unterschiede in der Nutzung, in den gefahrenen Wegstrecken und bei den Geschwindigkeiten gering sind. „Nutzer setzen die Motorunterstützung offenbar in erster Linie ein, um fahrradähnliche Geschwindigkeiten mit geringerem Aufwand zu erreichen“, heißt es in einer Pressemeldung des GDV. Das gelte besonders für ältere Radfahrer, deren Geschwindigkeiten deutlich unterdurchschnittlich gewesen seien.

Geschwindigkeit der Pedeles von Autofahrern oft unterschätzt

Grund zur Sorglosigkeit bietet die Studie dennoch nicht. Häufig würden PKW-Fahrer die Geschwindigkeit von Pedelec-Fahrern unterschätzen, warnen die Unfallforscher. In den beobachteten Szenarien ging damit aber keine Gefährdung der Sicherheit einher. Für die Einschätzung der Geschwindigkeit wurden Faktoren wie die Annäherungsgeschwindigkeit des PKW, das Alter des Zweiradfahrers sowie die Trittfrequenz gemessen.

Bei der Analyse des Unfallgeschehens fiel auf, dass Pedelec-Unfälle mit Verletzten oder Getöteten überdurchschnittlich häufig außerhalb von Ortschaften passieren. Auch zählten die Experten im Vergleich zu den Fahrradfahrern deutlich mehr Alleinunfälle und Unfälle auf Gefällestrecken.

„Nicht das Pedelec ist das Problem, sondern die derzeit überwiegende Nutzergruppe“, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. „Viele Senioren freuen sich über neu gewonnene Mobilität, haben dann aber Schwierigkeiten mit dem Handling des Pedelecs. Hier sind die Händler in einer besonderen Verantwortung, bei der Auswahl des optimalen Geräts sachkundig zu beraten und die Pedelec-Fahrer ausführlich einzuweisen.“ Auch die E-Bike-Nutzer selbst können etwas tun: Verkehrswachten bieten spezielle Fahrtrainings für Senioren an.

Radfahrer haben hohes Unfallrisiko

Aus einem weiteren Grund kann keine Entwarnung gegeben werden: Radfahrer haben allgemein ein hohes Unfallrisiko. Im Jahr 2014 passierten 78.653 Fahrradunfälle auf deutschen Straßen und dabei starben 405 Menschen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtet. Allerdings wird die Art des Fahrrades nicht bei der offiziellen Unfallstatistik ausgewiesen.

Keine Versicherungspflicht bis 25 km/h

Die Pflicht, eine Kfz-Haftpflichtversicherung abzuschließen, besteht für Pedelecs nicht. Zumindest gilt dies dann, wenn das E-Bike einen maximal 250 Watt starken Motor hat und die Höchstgeschwindigkeit auf 25 Stundenkilometer gedrosselt ist. Verkehrsrechtlich werden diese Gefährte als Fahrräder eingestuft. Damit entfällt auch die Helm- und Führerscheinpflicht, wenn man zu einer Spritztour aufbrechen will. Als Fahrräder werden auch solche Modelle eingestuft, die über eine Anfahrhilfe bis 6 km/h verfügen.

Anders gestaltet sich die rechtliche Situation bei den weit leistungsstärkeren S-Pedelecs, die Geschwindigkeiten bis zu 45 Stundenkilometern erreichen und mit einer Motorleistung bis 500 Watt ausgestattet sind. Wie der GDV berichtet, benötigt man für diese Zweiräder einen Führerschein der Klasse M und einen Helm. Auch brauchen S-Pedelecs ein Nummernschild und müssen wie ein Mofa mit der Kfz-Haftpflichtversicherung versichert werden. Diese schnelleren Räder haben auch auf dem Radweg nichts zu suchen.