FAZ kritisiert Dresdner Justiz wegen Unister-Razzia als unverhältnismäßig

Unister hatte auf seinen Portalen fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de angeblich ohne entsprechende Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein Produkt zur Absicherung gegen Stornogebühren angeboten. Das halte aber mittlerweile, so die FAZ, "die Aufsichtsbehörde für ein erlaubnispflichtiges Versicherungsgeschäft". Allerdings hatte jene, also die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), wohl erst am Tag der Razzia Unister überhaupt ein Verbot zum Vertrieb eines Storno- und Umbuchungsservices ohne eine an den Bund zu leistende Versicherungssteuer erteilt.

Dabei wird immer deutlicher: Die BaFin scheint gezielt mit der Dresdner Justiz zusammengearbeitet zu haben, um rund eine Millionen Euro angeblicher Steuerhinterziehung auflaufen lassen zu können. Erst dann können in der Regel überhaupt Top-Manager in U-Haft genommen werden. Alleine das wirkt im Falle von Unister schon sehr seltsam für ein Land, das sich als Rechtsstaat bezeichnet.

Jedoch, schreibt FAZ, könne man zumindest in der Frage rund um Versicherung oder nicht, "darüber streiten". Immerhin habe Unister nach Auskunft von Unister-Gründer Thomas Wagner in einem Interview, das er vor gut zwei Wochen der FAZ gegeben hatte, die kritisierten Produkte mit Genehmigung teils seit zehn Jahren online gehabt.

Thomas Wagner gilt selbst unter seinen Kritikern als einer der talentiertesten deutschen Jung-Unternehmer. Der 34-Jährige hatte wohl auch im Angesicht der massiven Vorgänge rund um Unister - manche sprechen auch von einer begleitenden Medien-Kampagne gegen Unister - vor drei Tagen seinen Rückzug aus der Geschäftsführung von Unister bekannt gegeben.

Das muss ihm sehr schwer gefallen sein. Denn Wagner hatte aus dem Nichts heraus in zehn Jahren eines der profitabelsten und erfolgreichsten Online-Unternehmen in Deutschland aufgebaut. Während andere Online-Unternehmen dafür mittels Investoren-Finanzierungsrunden Hunderte Millionen Euro Fremdfinanzierung aufnehmen, hatte Wagner, aufgewachsen im Dessauer Plattenbau, scheinbar fast ohne große Finanzierungsrunden das meiste nahezu im Alleingang mit drei Mitgesellschaftern und einer Schar getreuer Mitarbeiter hochgezogen.