Prostata-Krebs: Oft nur eingeschränkte Lebensqualität nach OP

Quelle: Pressefoto Barmer GEK (Ausschnitt)

Werden Prostataleiden zu oft operiert?

Unter allen Behandlungsmethoden im Krankenhaus ist die operative Prostataentfernung mit Abstand am häufigsten - die "radikale Prostatektomie" erfolgt in jedem zweiten Fall. Erfreulich dabei: Wurden 2005 nur 30 Prozent der erkrankten Männer gefäß- und nervenerhaltend operiert, sind es aktuell 55 Prozent – über alle Altersgruppen hinweg und mit steigender Tendenz. Bei dieser schonenderen Form der Operation wird darauf geachtet, dass die Erektionsfähigkeit und Kontinenz des Mannes bestehen bleibt. "Hier kommt der medizinische Fortschritt altersübergreifend in der onkologischen Breitenversorgung an. Gleichzeitig bleibt aber weiterhin fraglich, ob die gravierenden Neben- und Folgewirkungen eines operativen Eingriffs oder einer Bestrahlung nicht mehr Männern erspart bleiben könnten", so Schlenker.

Auch Professor Bitzer bestätigt: Gerade beim Prostatakrebs müsse die Behandlung nicht immer gleich automatisch Operation, Bestrahlung oder Medikamente nach sich ziehen. "Für eine Therapieentscheidung sollten sich Arzt und Patient Zeit nehmen und in geeigneten Fällen auch die Möglichkeiten einer aktiven Überwachung und langfristigen Beobachtung in Erwägung ziehen." Und Schlenker resümiert: "Eine umfassende Aufklärung über die Chancen und Risiken der unterschiedlichen Therapiealternativen ist von elementarer Bedeutung für die Behandlungsentscheidung der Patienten."

h3>Weitere Ergebnisse zum Schwerpunktthema "Akut-stationäre Versorgung des Prostatakarzinoms":
  • Nach Hochrechnungen auf Basis der BARMER GEK Daten wurden 2011 bundesweit an deutschen Krankenhäusern rund 31.000 offene radikale Prostatektomien durchgeführt, außerdem 10.000 minimalinvasive Operationen, 3.000 mit Brachytherapien, 2.000 Chemotherapien und 1.600 perkutane Bestrahlungen.

  • Die Gesamtkosten für die stationäre Versorgung von Prostatakrebs-Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung beliefen sich 2011 auf rund 364 Millionen Euro. Die stationären Behandlungskosten pro Kopf lagen im vergangenen Jahr durchschnittlich bei etwa 5.900 Euro - bei jüngeren Patienten regelmäßig oberhalb von 6.000 Euro, bei Patienten ab 80 Jahren bei etwa 4.000 Euro.

  • Auch beim Prostatakrebs gehen die Behandlungszeiten seit 1994 stetig zurück, von 13,6 auf 8,0 Tage je Fall.

  • Prostatakrebs ist eine Erkrankung älterer Männer, die vor dem 40. Lebensjahr praktisch nicht auftritt. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren. Das Erkrankungsrisiko eines 40-Jährigen für die nächsten 10 Jahre liegt bei 0,1 Prozent, das Risiko eines 70-Jährigen bei 6 Prozent.

  • Mit einem Krebs der Prostata kann man alt werden. Die meisten Patienten sterben nicht an ihm, sondern an etwas anderem. Er ist also weniger bedrohlich als andere Krebsarten – weil er erst im Alter auftritt und weil es neben mehr oder weniger aggressiven auch friedliche Formen gibt.

Eine aktuelle Broschüre dazu ist verfügbar auf www.barmer-gek.de/132373