Halbzeitbilanz 2010: Prämien werden steigen

Gleich mehrere Großereignisse stellten Schadens- und Unfallversicherer im ersten Halbjahr 2010 vor große Herausforderungen: der strenge, lange Winter der ersten drei Monate dieses Jahres, die Stürme „Xynthia“ und „Daisy“ sowie Tornados in Brandenburg und Sachsen. Das Oder-Hochwasser im Mai hingegen ging in Deutschland weitgehend glimpflich aus und wird die Schadenbilanz der Kompositversicherer nicht nennenswert beeinträchtigen.


So erwarten die Schaden- und Unfallversicherer für das Jahr 2010 einen Anstieg des Schadenaufwands um knapp 2 Prozent sowie leicht steigende Beitragseinnahmen.
Damit wird 2010 die Schaden/Kosten-Quote mit 98 Prozent einen Prozentpunkt schlechter ausfallen als im Vorjahr. Der versicherungstechnische Gewinn wird voraussichtlich rund eine Milliarde Euro betragen und um ca. 700 Millionen Euro geringer ausfallen als im Vorjahr.

„Wir blicken gleichwohl optimistisch in die Zukunft“, sagte Robert Pohlhausen am Dienstag in Berlin. Trotz der Wirtschaftsrezession im vergangenen Jahr und der hart umkämpften Kfz-Sparte sieht der Vorsitzende des Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) keinen Anlass zur Sorge.
Insbesondere nicht für die Versicherten: „Die Kunden der Versicherer werden auch weiterhin von stabilen Prämien profitieren. So sind die Prämien der am stärksten verbreiteten Produkte – Wohngebäude-, Hausrat- und Kfz-Versicherung – in den zurückliegenden zehn Jahren stabil geblieben bzw. sogar gesunken.“

In der Sachversicherung werden die Beitragseinnahmen voraussichtlich um 1 Prozent ansteigen. Der Anstieg der Prämieneinnahmen resultiert dabei im Wesentlichen aus den Zuwächsen in der privaten Sachversicherung, die jedoch – wie schon im Jahr 2009 – lediglich auf vertraglichen, d. h. inflationsbedingten, Anpassungsmöglichkeiten beruhen.

In der Kraftfahrtversicherung dürften die Durchschnittsbeiträge trotz einer Anhebung im Neugeschäft zum Jahreswechsel sowohl in der Kfz-Haftpflicht- als auch in der Kaskoversicherung um ca. 1,5 Prozent bis 2,0 Prozent abnehmen.
Grund: Immer mehr Versicherte wachsen in günstigere Schadenfreiheitsklassen. In der Kfz-Haftpflichtversicherung ist im sechsten Jahr in Folge mit rückläufigen Beitragseinnahmen zu rechnen (-1,0 Prozent).
In der Vollkasko-Versicherung wirkt die „Abwrackprämie“ weiter nach und wird erneut zu einem deutlichen Zuwachs der vollkasko-versicherten Fahrzeuge beitragen. Im Ergebnis rechnet der GDV für diese Sparte im Jahr 2010 deshalb mit einem kräftigen Anstieg der Prämieneinnahmen um 3,0 Prozent.
Alles in allem dürfte sich das Beitragsaufkommen der gesamten Kraftfahrtversicherung – nach fünf von Einnahmenverlusten geprägten Jahren – auf Vorjahresniveau stabilisieren.

Die aktuellen Zahlen der Kreditversicherer bestätigen die positive konjunkturelle Entwicklung in Deutschland: Das inländische Deckungsvolumen der Kreditversicherer ist von Ende Januar 2010 bis Ende Mai 2010 bereits wieder um fast 10 Milliarden Euro auf 254 Milliarden Euro (+ 4,0 Prozent) gestiegen.

Die staatliche Ergänzung zur privaten Kreditversicherung, das sogenannte Top-Up-Modell als staatliche „Auffanglösung“ für die versicherungsnehmende Wirtschaft, erfährt dagegen nur eine äußerst geringe Nachfrage: Die Anzahl der Kreditversicherungsverträge mit Top-Up-Deckung weist eine steigende Tendenz auf sehr niedrigem Niveau aus: Im Mai 2010 waren für das Top-Up-Modell 402 Verträge über ein Deckungsvolumen von 99 Millionen Euro abgeschlossen.

Gemessen an den gut 37.000 inländischen Verträgen der deutschen Kreditversicherer mit einem Deckungsvolumen von rund 254 Milliarden Euro Ende Mai 2010 spielt die staatliche Ergänzungsdeckung also nur eine marginale Rolle. Das von der Bundesregierung zur Verfügung gestellte Gewährleistungsvolumen in Höhe von 7,5 Milliarden Euro wird derzeit nicht einmal im Ansatz abgerufen.

Die Bundesregierung ist als Initiator mit der Nachfrage nach der Top-Up-Deckung zufrieden. Das Programm wird wie geplant und vertraglich vereinbart Ende 2010 auslaufen.

GDV