Große Wissenslücken bei Unternehmen

In Deutschland bestehen bei KMU beim Thema Versicherungen große Wissenslücken. Laut einer aktuellen Studie weiß rund ein Drittel der in den Unternehmen für diesen Bereich Verantwortlichen nicht, wie viele Versicherungsverträge sie überhaupt abgeschlossen haben.


Auch die Frage, welche Kosten monatlich für den Versicherungsschutz entstehen, konnte jeder Fünfte (19 Prozent) nicht beantworten.
Defizite bestehen auch bei der betrieblichen Altersvorsorge, der kollektiven Krankenversicherung sowie dem betrieblichen Gesundheitsmanagement: Zwar kennt rund die Hälfte der Befragten die entsprechenden Angebote, dennoch werden sie nur selten als Instrument zur Mitarbeiterbindung eingesetzt.

Insgesamt 1.007 Personen, die in mittelständischen Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern für das Thema Versicherungen verantwortlich sind, wurden im Rahmen der Gothaer KMU-Studie befragt.
Das Ergebnis: Da gerade in KMU oft keine Kapazitäten vorhanden sind, um sich intensiv mit dem Thema Unternehmensversicherungen auseinanderzusetzen, bleiben große Potenziale ungenutzt. „In der Praxis ist es oft so, dass ein Unternehmen irgendwann einmal ein paar Versicherungen abschließt und dann das Thema als erledigt betrachtet oder der Versicherungsschutz ganz in Vergessenheit gerät. Entsprechend hoch ist der Renovierungsbedarf in diesem Bereich, denn viele KMU in Deutschland sind unter- oder gar überversichert“, unterstreicht Ulrich Neumann, designierter Leiter Maklervertrieb der Gothaer Versicherung .

„Eine Überprüfung der bestehenden Verträge bietet gerade den KMU zahlreiche Vorteile. So können mit einem effektiven Risikomanagement nicht nur Kosten gesenkt, sondern der Versicherungsschutz insgesamt optimiert werden.“

KMU wünschen sich an erster Stelle kompetente Betreuung

Insgesamt steht bei den KMU eindeutig die Absicherung der Produktionsprozesse im Vordergrund: So sind 81,4 Prozent der Befragten gegen Sachrisiken versichert. Auf Platz zwei und drei liegen die Absicherung gegen Haftungsrisiken (74,9 Prozent) sowie Rechtsrisiken (53,3 Prozent). Gegen Kreditrisiken ist hingegen nur jedes fünfte Unternehmen versichert.
Auf die Frage nach ihren Erwartungen an Versicherungsunternehmen nannten die meisten Befragten eine schnelle und unkomplizierte Schadensregulierung (86,8 Prozent). Der Punkt „günstige Tarife“ liegt mit 79,5 Prozent hingegen nur auf dem zweiten Platz. Des Weiteren besteht ein großes Bedürfnis nach einem festen Ansprechpartner zum Thema Versicherungen. Diesen wünschen sich 72,4 Prozent der KMU.

„Da sich Unternehmen eine kompetente Beratung und Betreuung aus einer Hand wünschen, wachsen die Anforderungen an den Berater. Dieser muss sich schnell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen der Unternehmen einstellen und entsprechende Lösungen erarbeiten“, erklärt Neumann.

Mitarbeiterbindung ein Problem

Handlungsbedarf besteht ebenfalls im Bereich der Personalbindung: Laut Gothaer Studie sieht mehr als ein Drittel (37,9 Prozent) der befragten Unternehmen Probleme, zukünftig qualifizierte Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Dennoch werden Angebote wie die betriebliche Altersvorsorge, die kollektive Krankenversicherung oder die betriebliche Altersvorsorge nur selten als Instrument zur Mitarbeiterbindung eingesetzt.

Zwar sind der Hälfte der Befragten diese Versicherungsarten bekannt, jedoch bieten sie diese nicht an. Als Grund wird primär angeführt, dass sie keinerlei Vorteile darin sehen, die damit verbundenen Kosten scheuen oder insgesamt nicht ausreichend informiert sind.

Neumann: „Große Unternehmen sind in diesem Bereich häufig besser aufgestellt, daher entsteht hier für KMU ein Wettbewerbsnachteil im Kampf um qualifizierte Mitarbeiter. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass sich der deutsche Mittelstand mit dem Thema Unternehmensversicherungen auseinandersetzt, um die Herausforderungen, die unter anderem der demographische Wandel mit sich bringt, zu bewältigen.“

Gothaer

Studienergebnisse (PDF)

Vortrag "Der Mittelstand in Deutschland – Status quo und Herausforderungen" von Prof. Dr. Frank Wallau (PDF)