Wachstum trotz Krise

Während die gesetzlichen Kassen Zuschüsse aus den Steuereinnahmen benötigen, können die privaten Krankenversicherer in diesem Jahr auf solides Wachstum verweisen. Die Alterungsrückstellungen wuchsen 2009 um 10 Milliarden auf jetzt 144 Milliarden Euro an.


Bei der Vorstellung der Branchenzahlen konnte Reinhold Schulte, Vorsitzender des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), trotz Wirtschaftskrise auf Wachstumszahlen verweisen. Das Wachstum der Alterungsrückstellungen in der privaten Kranken- und Pflegeversicherung um 10 Milliarden auf jetzt 144 Milliarden Euro entspricht einem Anstieg von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wie verlässlich die Anlagepolitik der privaten Kassen sei, könne man auch daran erkennen, dass der Rechnungszins seit dessen Einführung im Jahr 1949 jedes mal erfüllt worden sei, erklärte Schulte weiter.

Wachstum beim Netto-Neuzugang

Der Netto-Neuzugang in der Vollversicherung lag 2009 bei 175.100 Personen.
Allerdings sind dabei in erheblichen Maße Sondereffekte aufgetreten: So kann Versicherten, die ihre Beiträge nicht bezahlen, seit der letzten Gesundheitsreform nicht mehr gekündigt werden. Sie wären nach altem Recht in der gesetzlichen wie der privaten Krankenversicherung gleichermaßen gekündigt worden, was die Netto-Zahlen entsprechend geschmälert hätte.
Hinzu kommen die vorher nicht-versicherten Personen, ein Sondereffekt der 2009 eingeführten Pflicht zur Versicherung, sowie die reinen Anwartschafts-Versicherungen für einen späteren Eintritt in die PKV.
Der mit den Vorjahren vergleichbare echte Netto-Neuzugang beträgt 2009 nach Abzug dieser Sondereffekte rund 99.000 vollversicherte Personen.

8,81 Mio. Privatversicherte – 21,71 Mio. Zusatzversicherungen

Insgesamt waren somit zum Jahresende 2009 in der PKV 8,81 Millionen Menschen vollversichert, ein Plus von 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen insgesamt 21,71 Millionen Zusatzversicherungen, 730.000 mehr als 2008 (plus 3,5 Prozent).

Die Pflegezusatzversicherung verzeichnete 2009 einen Zuwachs um 165.100 Personen (plus 12,5 Prozent). Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Absicherung für den Pflegefall rückt also durchaus ins Bewusstsein der Menschen – auch wenn mit 1,48 Millionen Verträgen bezogen auf die Gesamtbevölkerung nach wie vor nur eine niedrige Absicherungsquote erreicht wird.

Ausgezahlte Versicherungsleistungen wachsen um 4,6 Prozent

Dem Bestandswachstum steht ein Wachstum der Beitragseinnahmen auf 29,41 Milliarden Euro (plus 3,7 Prozent) in der Krankenversicherung sowie auf 2,08 Milliarden Euro (plus 5,7 Prozent) in der Pflegeversicherung gegenüber.

Die ausgezahlten Versicherungsleistungen für die Krankenversicherung haben sich auf 20,45 Milliarden Euro erhöht (plus 4,6 Prozent).
„Im Interesse unserer Versicherten kann der überproportionale Kostenanstieg in Zukunft nicht ungebremst so weitergehen“, sagte Schulte. Die PKV fordere deshalb umfassende Vertragskompetenzen, damit sie in Verhandlungen mit allen Leistungserbringern eintreten könne. „Wir wollen und müssen wesentlich stärker Einfluss auf die Qualität und die damit verbundenen Mengen und Preise der Gesundheitsleistungen nehmen.“
In der privaten Pflegeversicherung stiegen die Kosten 2009 aufgrund der gesetzlichen Ausweitung der Leistungen auf 0,67 Milliarden Euro (plus 9,1 Prozent).

144 Milliarden Euro Vorsorge für Generationengerechtigkeit

Die Alterungsrückstellungen verteilten sich Ende 2009 mit rund 124 Milliarden Euro auf die Krankenversicherung (plus 7,8 Prozent) und mit rund 20 Milliarden Euro auf die Pflegeversicherung (plus 5,3 Prozent).

PKV-Verband