Versicherer planen Stellenabbau durch KI und Automatisierung

Quelle: ChatGPT

Das Wachstum der Versicherer verliert an Dynamik. Preiserhöhungen reichen künftig nicht mehr aus, um die Umsätze zu steigern. Stattdessen setzen die Unternehmen verstärkt auf KI, Digitalisierung und mehr Neugeschäft.

Das bislang vor allem durch Beitragserhöhungen getriebene Wachstum der Versicherungsbranche stößt an seine Grenzen. Für die kommenden Jahre rückt deshalb das sogenannte Stückewachstum und damit also mehr Neu- und Bestandskunden sowie zusätzliche Verträge wieder in den Mittelpunkt. Gleichzeitig investieren die Versicherer massiv in Künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung, während beim Personal kaum noch Wachstum geplant ist. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „Assekuranzen 2026“ der Unternehmensberatung Horváth.

Nach den Ergebnissen der Studie stammen derzeit 57 Prozent des Umsatzwachstums der Versicherer aus Preiserhöhungen. Lediglich 43 Prozent entfallen auf Neugeschäft und zusätzliche Verträge. In anderen Branchen fällt das Bild deutlich anders aus: Im Bankensektor werden 74 Prozent des Wachstums durch Neugeschäft erzielt, im Handel sind es 71 Prozent.

Für das laufende Jahr erwarten die befragten Versicherer ein Umsatzwachstum von 4,5 Prozent. Damit würde die Branche hinter dem prognostizierten Gesamtmarkt zurückbleiben, für den Horváth ein Plus von 6,3 Prozent erwartet. „Das bisherige Wachstumsmodell der Versicherungsbranche stößt an seine Grenzen. Künftiges Wachstum muss stärker aus Neukunden, Bestandskundenentwicklung und zusätzlichem Geschäft je Kunde kommen – nicht aus Prämienanpassungen“, sagt Horváth-Partner Martin Müller.

Um profitabler zu werden, setzen die Versicherer verstärkt auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Dabei zeigt sich allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen großen und kleineren Unternehmen. Versicherer mit mehr als zehn Milliarden Euro Prämienvolumen haben KI bereits zu 53 Prozent vollständig in ihre operativen Prozesse integriert. Bei kleineren Gesellschaften liegt dieser Wert lediglich bei 24 Prozent. „Die größte Hürde für den KI-Erfolg sind nicht die Algorithmen, sondern fehlende Fähigkeiten, Datenqualität, End-to-End-Prozesse und Governance“, erklärt Müller.

Entsprechend konzentrieren sich die Investitionen auf die Modernisierung der IT-Landschaften. 66 Prozent der Versicherer bewerten die Erneuerung ihrer Kernsysteme und die Cloud-Migration als besonders wichtigen Investitionsschwerpunkt. Weitere 53 Prozent priorisieren Investitionen in KI, Robotics, Analytics und Datenplattformen.

Kein Personalaufbau geplant

Trotz der geplanten Wachstumsinitiativen rechnen die Versicherer kurzfristig nicht mit mehr Beschäftigten. Für 2026 und 2027 ist laut Studie branchenweit kein Personalwachstum vorgesehen. Mittelfristig erwarten die Unternehmen sogar einen Rückgang der Belegschaften um zehn bis 20 Prozent.

Grund dafür seien vor allem Produktivitätsgewinne durch KI und Automatisierung. Gleichzeitig verschieben sich die Anforderungen an die Beschäftigten. Gefragt sind zunehmend Kompetenzen in den Bereichen Technologie, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz. Aus Sicht der Versicherer stellt gerade der Mangel an entsprechend qualifizierten Fachkräften den größten Engpass bei der Einführung von KI dar.

„Den Personalabbau erreicht die Branche überwiegend nicht durch Kündigungen, sondern durch natürliche Fluktuation und den Verzicht auf Nachbesetzungen. Diese Entwicklung wird zusätzlich durch die demografische Entwicklung begünstigt“, so Müller.