Lebenserwartung im Blick – Ein Rechner der DAV hilft bei der Einordnung

Quelle: Deutsche Aktuarvereinigung (DAV)

Die Menschen in Deutschland leben länger als viele vermuten und genau das macht eine realistische Ruhestandsplanung wichtiger denn je. Warum statistische Lebenserwartung und individuelle Lebensdauer nicht dasselbe sind und wie der neue Lebenserwartungsrechner der Deutschen Aktuarvereinigung dabei helfen soll, bessere Vorsorgeentscheidungen zu treffen, erläutert Dr. Volker Priebe, Vorsitzender des Ausschusses Lebensversicherung und Vorstand der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

Die steigende Lebenserwartung in unserer alternden Gesellschaft verändert unsere Vorstellungen von Lebensplanung, Altersvorsorge und sozialer Sicherung. Das Thema rückt auch politisch, etwa in Bezug auf das Renteneintrittsalter, in den Fokus. In unserer Gesellschaft wächst daher der Wunsch, die eigene Lebensdauer realistisch einschätzen zu können. Gute Daten, die bei der Einordnung helfen, sind hierfür wichtig. Zumal zwei Missverständnisse weit verbreitet sind: Weil die Lebenserwartungen, also die statistischen Durchschnittswerte aus erreichtem Alter und restlicher Lebensdauer, in Deutschland seit vielen Jahren wachsen, unterschätzen wir unsere heutige Lebenserwartung, wenn wir uns an den typischen Altern unserer Eltern- oder Großeltern-Generation orientieren. Und eine als Durchschnittswert ermittelte Lebenserwartung ist keine individuelle Prognose. Tatsächlich hängt die individuelle Lebensdauer eines Menschen von zahlreichen Faktoren ab und kann deutlich vom statistischen Erwartungswert abweichen. Gute und fundierte Entscheidungen für die eigene Lebensplanung beginnen aber mit einem realistischen Verständnis der Bandbreite, in der die persönliche Lebensdauer liegen kann.

Genau hier setzt der neu entwickelte Lebenserwartungsrechner der DAV an: Mit ihm macht die DAV ihre Modelle erstmals direkt zugänglich. Der Lebenserwartungsrechner ermöglicht es, die statistische Lebenserwartung für verschiedene Altersgruppen und Geschlechter einfach nachzuvollziehen. Auf diese Weise macht er statistische Zusammenhänge verständlich.

Einige Beispiele: Ein 25-jähriger Berufseinsteiger wird laut Rechner etwa 90 Jahre alt. Er hat noch mehrere Jahrzehnte vor sich, bevor der Ruhestand beginnt. Wie kann er langfristig ein finanzielles Polster für im Durchschnitt über zwei Jahrzehnte Ruhestand aufbauen? Und eine heute 62-jährige Frau steht möglicherweise kurz vor dem Übergang in den Ruhestand. Wie lange müssen ihre finanziellen Mittel reichen? Das hängt entscheidend davon ab, ob der Ruhestand zehn, zwanzig oder mehr Jahre dauert. Der Lebenserwartungsrechner besagt, dass heute 62-jährige Frauen im Durchschnitt noch 30 Jahre leben, also mit 92 Jahren sterben. Der Rechner gibt darüber hinaus Hinweise, wie spürbar die individuellen Lebensdauern von der statistischen Lebenserwartung abweichen können: Von 100 heute 62-jährigen Frauen erleben statistisch rund 80 Frauen ihren 85. Geburtstag und 20 Frauen erleben sogar den 99. Geburtstag.

Der Lebenserwartungsrechner der DAV basiert auf den Beobachtungsdaten, die auch in die Sterbetafel „Deutsche Aktuarvereinigung 2004 Rentensterbetafel“ (DAV2004R) eingeflossen sind. Die Daten und Berechnungen berücksichtigen verschiedene Datenquellen, darunter Rentenversicherungsbestände deutscher Lebensversicherer, die deutsche Bevölkerungsstatistik sowie Daten aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Datengrundlage berücksichtigt auch künftige Entwicklungen der Sterblichkeit. Als moderne Kohorten- oder Generationensterbetafel geht sie davon aus, dass sich die Lebenserwartung zukünftiger Jahrgänge weiter gemäß den mittel- und langfristig beobachteten Trends verändern wird.

Natürlich wird die tatsächliche Lebensdauer eines Menschen von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Fortschritte in der Medizin, bessere Behandlungsmöglichkeiten und veränderte Lebensbedingungen tragen dazu bei, dass jüngere Generationen länger leben als frühere Jahrgänge. Für langfristige Entscheidungen wie zur Altersvorsorge ist es deshalb wichtig, nicht nur die heutige Lebenserwartung, sondern auch diese zukünftigen Entwicklungen zu berücksichtigen.

Längere Lebenserwartung in Beratungssituation und Ruhestandsplanung berücksichtigen

Die steigende Lebenserwartung ist grundsätzlich eine positive Entwicklung. Gleichzeitig stellt sie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Und die Bedeutung einer guten Beratung, wie die Finanzierung des persönlichen Ruhestands über einen längeren Zeitraum geplant werden kann, steigt. Genau darin liegt die Stärke des Lebenserwartungsrechners der DAV. Er übersetzt Daten und Wahrscheinlichkeiten in Informationen, die für gesellschaftliche und individuelle Entscheidungen nutzbar sind, und hilft so bei der Einordnung. Wenn Menschen wissen, in welcher Bandbreite die individuelle Lebensdauer liegen kann, können sie ihre Vorsorge bewusster gestalten und finanzielle Entscheidungen fundierter treffen.