Elementarschadenversicherung: 41 Prozent der Wohngebäude sind nicht versichert

Quelle: ChatGPT

Fünf Jahre nach der Ahrtalflut haben Versicherer rund 8,75 Milliarden Euro an Schäden reguliert. Der Elementarschutz hat seither deutlich zugelegt, doch noch immer sind rund 41 Prozent der Wohngebäude nicht entsprechend versichert. Der GDV fordert ein Gesamtkonzept statt einer isolierten Pflichtversicherung.

Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal warnt die Versicherungswirtschaft davor, die Katastrophe vom Juli 2021 als regionales Ausnahmeereignis abzuhaken. Die Dimension der Katastrophe zeigt sich auch in den Schadenbilanzen. Rund 8,75 Milliarden Euro haben die Versicherer nach Angaben des GDV für Schäden in den betroffenen Gebieten reguliert.

Vergleichbare Extremwetterlagen könnten in Zukunft auch andere Regionen Deutschlands treffen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fordert deshalb mehr Tempo bei Hochwasserschutz, Prävention und Klimafolgenanpassung.

Im besonders schwer getroffenen Landkreis Ahrweiler hat sich seit 2021 einiges verändert. Warnsysteme wurden modernisiert, Brücken neu gebaut sowie Flussläufe verbreitert und renaturiert. Für den GDV folgt daraus eine zentrale Lehre: Prävention darf nicht erst dort beginnen, wo bereits eine Katastrophe stattgefunden hat. „Vorsorge darf sich nicht auf die Regionen beschränken, die bereits von einer Katastrophe betroffen waren“, warnt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Wie stark die jährlichen Naturgefahrenschäden schwanken können, zeigen die jüngsten Zahlen. 2025 verursachten Naturgefahren in der Sachversicherung Schäden von rund 1,4 Milliarden Euro. Etwa 400 Millionen Euro davon entfielen auf Überschwemmungen und Starkregen. Ein Jahr zuvor war die Belastung deutlich höher: 2024 summierten sich die versicherten Naturgefahrenschäden auf 4,7 Milliarden Euro. Davon entfielen 2,8 Milliarden Euro auf Elementargefahren und weitere 1,9 Milliarden Euro auf Sturm und Hagel.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet bleibt die Belastung erheblich. Seit Beginn der GDV-Erhebungen im Jahr 2002 haben Elementargefahren im Durchschnitt Schäden von rund zwei Milliarden Euro jährlich verursacht. Selbst wenn die außergewöhnlich teure Ahrtalflut herausgerechnet wird, liegt der Durchschnitt laut Verband noch bei etwa 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Ein weiteres Erbe der Ahrtalflut ist eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Elementarschadenversicherungen. Dennoch bleibt die Absicherung lückenhaft. Ende 2025 verfügten nach GDV-Angaben rund 59 Prozent der Wohngebäude in Deutschland über diesen Schutz. Umgekehrt bedeutet das: Rund 41 Prozent der Gebäude waren weiterhin nicht entsprechend versichert. Besonders stark hat die Versicherungsdichte in den von der Flutkatastrophe betroffenen Bundesländern zugenommen. In Nordrhein-Westfalen stieg sie von 47 Prozent im Jahr 2020 auf 65 Prozent Ende 2025. In Rheinland-Pfalz fiel der Sprung noch deutlicher aus: Dort erhöhte sich der Anteil von 37 Prozent vor der Flut auf 59 Prozent.

GDV: Pflichtversicherung allein löst das Problem nicht

Politisch bleibt die Frage umstritten, wie eine flächendeckendere Absicherung gegen Elementargefahren erreicht werden kann. Der GDV hält eine isolierte Pflichtversicherung nicht für ausreichend. Zwar könnte eine Versicherungspflicht die Versicherungsdichte erhöhen. Elementarschutz soll nach den Vorstellungen des GDV künftig zum Regelfall in der Wohngebäudeversicherung werden. Vorgesehen ist ein Opt-out-Prinzip: Der Schutz wäre grundsätzlich eingeschlossen, könnte vom Versicherungsnehmer jedoch aktiv abgewählt werden.

Parallel fordert der Verband mehr Investitionen in Hochwasserschutz, klimaangepasstes Bauen und individuellen Objektschutz. Besonders kritisch sieht die Versicherungswirtschaft Neubauten in gefährdeten Gebieten. Auf neue Gebäude in vorläufig gesicherten oder amtlich festgesetzten Überschwemmungsgebieten sollte verzichtet werden.

Staat soll bei extremen Katastrophen Rückendeckung geben

Für außergewöhnlich große Naturkatastrophen bringt die Versicherungswirtschaft zudem eine begrenzte staatliche Rückdeckung ins Spiel. Mit dem Modell „Elementar Re“ hat der GDV einen entsprechenden Vorschlag entwickelt.

Zudem fordert der GDV ein bundesweites Naturgefahrenportal. Dort soll nicht nur das individuelle Risiko transparenter werden. Sichtbar werden soll auch, welche Klimaanpassungs- und Schutzmaßnahmen in den Regionen geplant, finanziert, begonnen oder bereits abgeschlossen wurden.