Mehr als jeder zweite Babyboomer geht vorzeitig in Rente. Dabei steht Deutschland erst am Anfang der großen Verrentungswelle. Die Alterssicherungskommission will nun die Möglichkeiten zur Frührente deutlich einschränken.
Immer mehr Babyboomer beziehen ihre Altersrente vor Erreichen der regulären Altersgrenze. Im Jahr 2024 waren es bereits 1,1 Millionen Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen. Von den Babyboomern, die ihre jeweilige Regelaltersgrenze bereits erreicht haben, ging mehr als jeder zweite vorzeitig in Rente. Von der Bevölkerung des Jahrgangs 1957 waren es rund 51,2 Prozent, beim Jahrgang 1958 zeichnet sich mit 51,7 Prozent ein höherer Anteil ab. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Damit entfaltet die schrittweise Anhebung des Rentenalters offenbar nur begrenzt die gewünschte Wirkung. Seit 2012 steigt die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Für den Jahrgang 1958 lag sie 2024 bei 66 Jahren und damit zwölf Monate höher als zu Beginn der Reform. Das durchschnittliche Rentenzugangsalter erhöhte sich im gleichen Zeitraum jedoch lediglich um acht Monate.
„Die Politik hat ihre eigenen Reformen im vergangenen Jahrzehnt konsequent untergraben“, kritisiert IW-Rentenexpertin Ruth Schüler. Hintergrund sind die weiterhin bestehenden Möglichkeiten, vorzeitig eine Altersrente zu beziehen. Wer mindestens 45 Versicherungsjahre vorweisen kann, kann unter bestimmten Voraussetzungen bis zu zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in Rente gehen.
Hinzu kommt der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze. Seit 2023 können Frührentner unbegrenzt hinzuverdienen. Ein vorzeitiger Rentenbezug bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass die Betroffenen vollständig aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Wer sozialversicherungspflichtig weiterarbeitet, kann zusätzliche Rentenansprüche erwerben. Das IW beobachtet zugleich einen steigenden Anteil von Menschen, die eine Rente mit Abschlägen beziehen und parallel weiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.
Babyboomer-Welle steht erst noch bevor
Der Handlungsdruck dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Ende 2024 hatten erst 5,1 Millionen der insgesamt 19,3 Millionen Babyboomer ihre Regelaltersgrenze erreicht. Bis 2029 folgen weitere rund 6,3 Millionen Menschen aus fünf besonders stark besetzten Geburtsjahrgängen.
Die Alterssicherungskommission schlägt deshalb vor, die Möglichkeiten zur Frührente einzuschränken. Der abschlagsfreie vorzeitige Renteneintritt soll abgeschafft werden. Zudem soll eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen frühestens drei Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze möglich sein.
Das IW drängt auf eine schnelle Umsetzung. „Entscheidend ist aber das Tempo: Bis 2029 erreichen weitere 6,4 Millionen Babyboomer ihre Regelaltersgrenze – es gilt also, so zeitnah wie möglich zu handeln und großzügige Übergangsregeln zu vermeiden“, sagt Schüler.