Mehr als 771.000 Rentner sind inzwischen auf Sozialhilfe angewiesen. Das sind deutlich mehr als noch vor vier Jahren. Besonders Frauen tragen ein erhöhtes Armutsrisiko. Selbst lange Beitragszeiten schützen nicht zwangsläufig vor niedrigen Renten.
Die Zahl älterer Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, steigt. Aktuell erhalten bundesweit 771.275 Rentner Sozialhilfe. Nach Angaben des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), das sich auf eine Anfrage beim Statistischen Bundesamt beruft, sind das fast 30.000 Menschen mehr als noch vor einem Jahr. Gegenüber dem Stand vor vier Jahren beträgt der Zuwachs sogar fast 180.000.
Besonders betroffen sind Frauen. Daten aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei zeigen, dass mehr als 60 Prozent der Rentnerinnen Bezüge unterhalb der statistischen Armutsgrenze erhalten. Bei den Männern liegt der entsprechende Anteil mit 27,8 Prozent deutlich niedriger.
Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich besonders deutlich bei der Höhe der Rentenbezüge. Als Armutsgefährdungsschwelle wird ein Einkommen von weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens herangezogen. Im vorliegenden Zahlenmaterial wird diese Schwelle mit monatlich 1.446 Euro angegeben.
Die durchschnittliche Monatsrente liegt bei Männern demnach bei 1.415 Euro, bei Frauen dagegen lediglich bei 1.039 Euro. Werden sämtliche Rentner einschließlich Personen mit früherem Renteneintritt betrachtet, kommen Männer durchschnittlich auf 1.531 Euro, Frauen auf 1.025 Euro.
Eine wesentliche Ursache für diese Differenz sind unterschiedliche Erwerbsbiografien. Wie groß die Unterschiede im Erwerbsleben weiterhin sind, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2022: Bei Vätern zwischen 35 und unter 40 Jahren lag die Erwerbstätigenquote bei 92,7 Prozent, bei Frauen derselben Altersgruppe dagegen lediglich bei 69,5 Prozent.
Bemerkenswert ist, dass selbst lange Beitragszeiten die geschlechtsspezifische Rentenlücke offenbar nicht vollständig schließen. Den vorliegenden Angaben zufolge lagen auch bei Frauen mit 45 Jahren regelmäßiger Einzahlung in die Rentenversicherung noch 52,4 Prozent der gesetzlichen Rentenbezüge unterhalb der Armutsgrenze.
Die tatsächliche Armutsgefährdungsquote fällt niedriger aus als der Anteil der Renten unterhalb der Armutsgrenze vermuten lässt. Der Grund: Neben der gesetzlichen Rente können beispielsweise Betriebsrenten, private Vorsorge, Erwerbseinkommen oder andere Einkünfte zur Verfügung stehen. Zudem wird bei der Berechnung das Haushaltseinkommen berücksichtigt.
Dennoch sind ältere Menschen überdurchschnittlich von Armut bedroht. Während die Armutsgefährdungsquote in Deutschland 2025 insgesamt bei 16,1 Prozent lag, waren es bei Menschen ab 65 Jahren 19,5 Prozent. Auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Von den Männern ab 65 Jahren galten 17,3 Prozent als armutsgefährdet. Bei den Frauen waren es 21,3 Prozent.