Mikrofinanzfonds: Stabiler Portfoliobaustein in volatilen Zeiten

Quelle: GLS Investments

Institutionelle Investoren stehen aktuell vor der Frage, wie sich Portfolios breiter und stabiler aufstellen lassen. Mikrofinanzfonds können durch ihre geringe Korrelation zu klassischen Anlageklassen eine interessante Ergänzung sein und zugleich eine soziale Wirkung entfalten. Warum die Assetklasse gerade für Versicherer einen genaueren Blick wert sein kann, erklärt Katharina Lange, Senior Research Analystin bei GLS Investments.

Eine langfristige und sicherheitsorientierte Anlage spielt gerade für institutionelle Investoren im Versicherungswesen eine elementare Rolle. Assets wie Gold oder Anleihen, die traditionell als sicherer Hafen fungieren, erfüllten diese Funktion in jüngster Zeit kaum. So weist Gold, nach einem Rekord-Preiszuwachs von rd. 65 % in USD im vergangenen Jahr, in diesem Jahr trotz weiterer Verschärfung der geopolitischen Spannungen eine volatile und eher abwärts gerichtete Preisentwicklung auf. Auch bei Anleihen können sich Anleger*innen nicht in Sicherheit wähnen. Der Marktmechanismus einer negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen kann in Phasen eines Inflationsschocks und gestiegener Zinserwartungen temporär aufgehoben werden. Zuletzt geschah dies im März 2026, als sowohl Anleihen- als auch Aktienmärkte deutlich korrigierten.

Mikrofinanzfonds können in diesem Umfeld einen Beitrag zur Diversifikation und Stabilisierung institutioneller Portfolien bieten. Die Assetklasse kann auch in Bärenmärkten eine robuste Entwicklung vorweisen. Darüber hinaus korreliert sie wenig mit Anleihen. Neben den ökonomischen Vorteilen können institutionelle Investoren mit Mikrofinanzfonds als Impact Investments eine soziale Rendite erzielen.

Mikrofinanzfonds sind aktiv gemanagte Fonds, die Minikredite an Kleinst-unternehmer*innen aus verschiedenen Ländern weltweit bündeln. Die Kredite mit geringem Volumen und relativ kurzer Laufzeit werden über Mikrofinanzinstitute (MFIs) vergeben. Die Kleinstunternehmer*innen haben auf Grund ihrer wirtschaftlichen Lage und fehlender finanzieller Infrastruktur keinen Zugang zu klassischen Bankdarlehen. Um ihr Geschäft ausbauen zu können, sind jedoch Investitionen nötig – beispielsweise bei einem/r Näher*in für die Anschaffung von Stoffen, beim/bei der Lebensmittel-verkäufer*in für den Kauf eines Kühlschranks oder beim Sammeltaxi durch die Besorgung von Ersatzteilen. Diese Lücke kann durch die Mikrofinanzkredite verringert werden. Gleichzeitig wird verhindert, dass sich diese Kleinstunternehmer bei dubiosen Verleihern zu überhöhten Zinsen verschulden.

Der Ausschluss von finanzieller Inklusion, das heißt von grundlegenden Finanzdienstleistungen, ist kein Randphänomen: Weltweit sind laut Weltbank 1,3 Mrd. Menschen vom Finanzsystem ihres Landes ausgeschlossen. Die Idee, finanzielle Inklusion durch Mikrofinanzkredite zu fördern, geht auf den bangladeschischen Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Muhammad Yunus zurück, der 2006 für sein Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Tatsächlich aber ist das grundlegende Gruppenprinzip weitaus älter. Bereits vor rund 200 Jahren wurden in Europa die Volks- und Raiffeisenbanken auf Basis dieses Grundsatzes gegründet.

Mikrofinanzfonds performen stabil und unabhängig von anderen Assetklassen

Dass die Rendite von Mikrofinanzfonds sich über verschiedene Marktphasen stabil entwickelt, zeigt unter anderem eine Studie von Scope auf. Darin wurde untersucht, wie sich die in Deutschland zugelassenen Mikrofinanzfonds seit ihrer jeweiligen Auflegung im Hinblick auf Rendite und Risiko entwickelt haben. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die Fonds nahezu jährlich an Wert gewonnen haben. Selbst im Jahr 2022, als sowohl Aktien- als auch Anleihenmärkte zweistellige Verluste erlitten, konnten die untersuchten Mikrofinanzfonds (in Euro) eine durchschnittliche positive Nettorendite von 3,04 Prozent erzielen. Auch in puncto Volatilität und Rendite-Risiko-Verhältnis schneiden die Mikrofinanzfonds über einen Drei- und einen Fünfjahreszeitraum besser ab als andere Rentensegmente. Deren durchschnittliche Volatilität beträgt laut Scope über drei Jahre 1,82 Prozent und über fünf Jahre 1,67 Prozent.

Die hohe Granularität der Mikrokredite mit relativ geringen Kreditvolumina und kurzen Laufzeiten von zwei bis drei Jahren ermöglicht die laufende Anpassung des Portfolios an aktuelle Marktentwicklungen. So wirken sich steigende Marktzinsen, ganz anders als bei Anleihen, auch positiv auf die Renditeentwicklung von Mikrofinanzfonds aus. Denn die MFIs können die Kredite, die getilgt sind und rund ein Drittel des Portfolios ausmachen, zur weiteren Kreditvergabe nutzen und an die aktuellen Marktzinsen anpassen. Ein weiterer Renditehebel ist die Selektion der Währung bei der Vergabe von Krediten. So können in Lokalwährung vergebene Darlehen renditetechnisch besser abschneiden als in US-Dollar denominierte Mikrokredite, wenn die Hedging-Kosten für die Absicherung in Euro geringer ausfallen. Das aktuelle Marktumfeld aus tendenziell leicht steigenden Zinsen und selektiven Lokalwährungen, die gegenüber dem US-Dollar an Wert gewinnen, wirkt sich positiv auf die Renditeaussichten von Mikrofinanzfonds aus. Der GLS AI – Mikrofinanzfonds beispielsweise hat im ersten Halbjahr 2026 die beste Performance seit seiner Auflage im Jahr 2015 verzeichnet.

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