Der Ausbildungsstart ist ein guter Zeitpunkt, um über die Absicherung der eigenen Arbeitskraft nachzudenken. Doch bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung zählen nicht nur günstige Beiträge. Diese fünf Punkte sollten Berufseinsteiger beachten.
Mit dem Beginn einer Ausbildung startet für viele junge Menschen nicht nur ein neuer beruflicher Lebensabschnitt. Das erste eigene Einkommen und die wachsende finanzielle Eigenständigkeit rücken auch Versicherungsfragen stärker in den Fokus. Eine zentrale Frage dabei: Was passiert finanziell, wenn die eigene Arbeitskraft dauerhaft oder für längere Zeit verloren geht?
Gerade bei der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) kann ein früher Abschluss Vorteile bieten. Junge Versicherte haben häufig noch eine günstigere gesundheitliche Ausgangssituation und können dadurch von niedrigeren Beiträgen profitieren. Allerdings sollten Berufseinsteiger nicht allein auf den Preis schauen. Andreas Runkler, Bereichsleiter Produktentwicklung Leben bei der Zurich Gruppe Deutschland, nennt fünf Punkte, die beim Abschluss eine Rolle spielen.
1. Frühzeitiger Abschluss kann sich auszahlen
Das Budget ist während der Ausbildung meist begrenzt. Dennoch kann es sinnvoll sein, sich bereits zum Berufsstart mit der Absicherung der Arbeitskraft auseinanderzusetzen. Denn Gesundheitszustand und Eintrittsalter haben Einfluss darauf, zu welchen Konditionen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden kann. „Unser wichtigstes Kapital ist die eigene Arbeitskraft. Wenn Körper oder Psyche nicht mehr mitmachen, braucht es ein finanzielles Sicherheitsnetz“, sagt Runkler. Dazu zähle neben dem sozialen Umfeld insbesondere eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Ein früher Abschluss kann zudem helfen, den aktuellen Gesundheitszustand für die Versicherbarkeit zu nutzen. Treten später Erkrankungen oder Beschwerden auf, können diese bei einem Neuabschluss zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder im ungünstigsten Fall zu einer Ablehnung führen.
2. Nicht nur auf den Beitrag schauen
Ein niedriger Beitrag allein macht noch keinen guten BU-Vertrag. Entscheidend sind insbesondere die Versicherungsbedingungen. Dazu gehören eine klare Definition der Berufsunfähigkeit und der Verzicht auf die sogenannte abstrakte Verweisung. Bei letzterer geht es vereinfacht darum, ob der Versicherer einen berufsunfähigen Kunden theoretisch auf einen anderen Beruf verweisen könnte, den dieser aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten noch ausüben könnte – unabhängig davon, ob er tatsächlich eine entsprechende Stelle hat.
Ebenso wichtig ist die Höhe der vereinbarten BU-Rente. Sie sollte ausreichen, um im Ernstfall einen wesentlichen Teil der laufenden Ausgaben zu decken. Als Orientierung nennt Zurich auch für Auszubildende rund 60 Prozent des Brutto- beziehungsweise 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens. Allerdings setzen Versicherer bei Auszubildenden und Studenten häufig Grenzen für die maximal versicherbare BU-Rente, die nicht allein vom tatsächlichen Einkommen abhängen. „Eine zu niedrig gewählte Absicherung kann im Leistungsfall schnell zur Versorgungslücke führen“, warnt Runkler.
3. Nachversicherung und Dynamik mitdenken
Ein Azubi verdient heute in der Regel deutlich weniger als einige Jahre nach Abschluss der Ausbildung. Eine BU-Absicherung, die zum Berufsstart ausreicht, kann deshalb später zu niedrig bemessen sein.
Umso wichtiger ist die Flexibilität des Vertrags. Nachversicherungsgarantien können es ermöglichen, die versicherte BU-Rente bei bestimmten Ereignissen zu erhöhen, ohne dass erneut eine vollständige Gesundheitsprüfung erforderlich wird. Solche Anlässe können je nach Tarif beispielsweise der Abschluss der Ausbildung, ein Karriereschritt, eine Heirat oder die Geburt eines Kindes sein. „Wichtig ist, dass sich der Versicherungsschutz anpassen lässt“, erklärt Runkler.
Auch eine vereinbarte Dynamik kann sinnvoll sein. Sie soll dafür sorgen, dass Versicherungsschutz und gegebenenfalls die versicherte Rente im Laufe der Jahre steigen und dadurch dem Kaufkraftverlust zumindest teilweise entgegenwirken.
4. Alternativen zur BU prüfen
Nicht jeder Berufseinsteiger erhält ohne Weiteres eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Vorerkrankungen können den Abschluss erschweren oder verteuern. Hinzu kommt, dass der Beitrag je nach Ausbildungsberuf unterschiedlich hoch ausfallen kann. Auch ein knappes Budget kann gegen den gewünschten BU-Schutz sprechen.
Dann können andere Formen der Arbeitskraftabsicherung geprüft werden. Runkler nennt unter anderem Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- und Schwere-Krankheiten-Versicherungen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um gleichwertige Ersatzprodukte: Die Voraussetzungen für eine Leistung unterscheiden sich zum Teil erheblich von denen einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Entscheidend ist daher, genau zu prüfen, welches Risiko tatsächlich abgesichert wird und wann der Versicherer leistet.
5. Beratung kann gerade bei Gesundheitsfragen wichtig sein
Welche Absicherung geeignet ist, hängt von mehreren individuellen Faktoren ab. Neben dem konkreten Ausbildungsberuf spielen der Gesundheitszustand, die gewünschte Rentenhöhe, die Vertragsbedingungen und die finanziellen Möglichkeiten eine Rolle. „Eine fundierte Beratung hilft, die eigenen Risiken realistisch einzuschätzen und eine Lösung zu finden, die langfristig trägt“, sagt Runkler.
Gerade bei der BU können Entscheidungen zum Berufsstart langfristige Folgen haben. Neben der aktuellen Beitragshöhe sollten Azubis deshalb darauf achten, ob ein Vertrag mit der weiteren beruflichen und finanziellen Entwicklung Schritt halten kann.