Ohne Berater keine Vorsorge? Jede zweite Person würde sonst gar nicht sparen

Quelle: ChatGPT

Persönliche Beratung zahlt sich aus. Wer beraten wird, beginnt früher mit der Altersvorsorge und spart regelmäßiger. Ohne Beratung fühlen sich viele Verbraucher mit den Fragen und Formularen beim Vertragsabschluss schlicht überfordert.

Während europäische Regulierung und Aufsicht zunehmend auf das Prinzip „Value for Money“ und damit auf die Kosten von Finanzprodukten und Beratung blicken, verweist eine aktuelle Sonderbefragung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) auf die andere Seite der Medaille: den konkreten Nutzen persönlicher Beratung für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge.

Die Ergebnisse fallen deutlich aus. Menschen, die eine persönliche Finanzberatung in Anspruch genommen haben, beschäftigen sich früher mit ihrer Altersvorsorge, sparen regelmäßiger und verfügen nach eigener Einschätzung über eine höhere Finanzkompetenz als Personen ohne Beratung. Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede beim Zeitpunkt des Vorsorgestarts. So haben 61 Prozent der Befragten mit Beratung bereits vor dem 35. Lebensjahr mit dem Aufbau ihrer privaten Altersvorsorge begonnen. Unter denjenigen ohne Beratung liegt dieser Anteil lediglich bei 41 Prozent.

Auch bei der Regelmäßigkeit des Sparens zeigt sich ein ähnliches Bild. Rund 73 Prozent der Beratenen legen monatlich oder zumindest mehrmals pro Jahr Geld für Altersvorsorge und Vermögensbildung zurück. Bei Personen ohne Beratung sind es lediglich 55 Prozent. Besonders bemerkenswert ist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Mehr als die Hälfte der beratenen Personen geht davon aus, die heute bestehenden Vorsorgeverträge ohne Unterstützung nie abgeschlossen zu haben. Insgesamt 50,4 Prozent der Befragten teilen diese Einschätzung.

„Eindeutiger kann die ökonomische Werthaltigkeit der Finanzberatung nicht zum Ausdruck kommen. Vereinfacht gesagt: Wer nicht beraten wird, handelt häufig gar nicht. Und das ist wohl das schlechteste aller Szenarien“, sagt Prof. Dr. Oliver Schellenberger, wissenschaftlicher Direktor des DIVA. Die Gründe dafür liegen nach Einschätzung der Befragten vor allem in fehlender Orientierung. Knapp die Hälfte der Beratenen gab an, dass ihnen die Beratung Ängste und Unsicherheiten genommen habe. Fast ebenso viele fühlten sich ohne Unterstützung mit Anträgen, Formularen und Produktentscheidungen überfordert.

Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen Beratung und finanzieller Allgemeinbildung. So trauen sich 58 Prozent der beratenen Personen zu, gute finanzielle Entscheidungen für ihre Zukunft zu treffen. Bei den nicht Beratenen liegt dieser Anteil lediglich bei 46,6 Prozent. Ähnlich groß sind die Unterschiede beim Wissen über Altersvorsorgeprodukte. Rund 63 Prozent der Beratenen wissen nach eigener Einschätzung, welche Formen der privaten Altersvorsorge für sie relevant sind. Ohne Beratung sinkt dieser Wert auf 45 Prozent.

„Der entscheidende Punkt ist der frühere Start. Wer beraten wird, setzt sich früher mit der eigenen Altersvorsorge auseinander, verbessert seine Finanzbildung – und findet so leichter in eine regelmäßige Sparroutine“, erklärt Martin Klein vom Votum Verband. „Genau darin liegt der praktische Wert qualifizierter Beratung.“

Kritik an der „Value-for-Money“-Logik

Vor diesem Hintergrund übt das DIVA deutliche Kritik an der politischen Stoßrichtung des neuen Altersvorsorgereformgesetzes, das Anfang 2027 in Kraft treten soll. Die Idee einfacher und kostengünstiger Produkte setze ein hohes Maß an Eigeninitiative voraus. Doch genau diese fehle bei einem großen Teil der Bevölkerung. „Das Gesetz ist wie mit einem roten Faden mit der Value-for-Money-Ideologie durchzogen. Finanzprodukte sollen einfach und kostengünstig sein, damit die Menschen sie selbst abschließen können. Das setzt aber Eigeninitiative voraus. Und genau diese ist bei einem Großteil der Bevölkerung nicht vorhanden“, sagt Dr. Helge Lach, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater (BDV).

Auch AfW-Vorstand Norman Wirth sieht die Entwicklung kritisch: „Das Gesetz ist klar beratungsunfreundlich. Mit dem Zillmerverbot für die Lebensversicherung sind die bisherigen Vergütungen für Beratung in gleicher Höhe kaum noch darstellbar, und dies, obwohl der Beratungsaufwand wegen ganz neuer Produktkategorien wie dem Altersvorsorgedepot eher noch steigt.“